Ein 2,15-m-Riese kommt in die Bundesliga: Der lettische Nationalspieler Dainis Kristopans (li.), hier im Duell mit dem niederländischen Spielmacher Luc Steins. Foto: imago/Panoramic/Thheophile Laurent
Die neue Saison der Handball-Bundesliga verspricht viel Spannung und Unterhaltung. Dies liegt auch an neuen Köpfen, die die Liga bereichern werden. Wir haben sieben davon herausgepickt.
Am 23. August (19 Uhr) geht die neue Handball-Bundesligasaison mit dem Duell um den Supercup offiziell los. In Düsseldorf stehen sich Meister THW Kiel und Pokalsieger Rhein-Neckar Löwen gegenüber. Einen Tag später startet der Ligabetrieb. Wir stellen sieben spannende Protagonisten vor.
Dainis Kristopans
Dainis Kristopans überragt seine früheren Mitspieler von Paris Saint-Germain deutlich. Foto: imago//Anke Wlischmiller/Sven Simon
Er ist 2,15 Meter groß, 136 Kilogramm schwer, hat Hände wie Bratpfannen, Unterarme wie Schraubstöcke und ein Kreuz, hinter dem sich jeder Möbelpacker verstecken könnte. Schon allein der imposanten Statur wegen ist der Neuzugang der MT Melsungen einer der auffälligsten Spieler im Welthandball. Spätestens seit dem Final Four um die Champions League 2019 in Köln ist der 32-Jährige in der Szene ein Begriff: Der lettische Rückraumriese schüttelte seine Gegenspieler wie lästige Fliegen ab und führte den nordmazedonischen Topclub Vardar Skopje zum zweiten Mal zum Titel in Europas Königsklasse. Nach einem halben Jahr bei den Füchsen Berlin stand der Rechtshänder in den vergangenen drei Jahren bei Paris Saint-Germain unter Vertrag – und holte dreimal die französische Meisterschaft. Kein Wunder, dass sich auch die MT bis zu seinem Vertragsende 2027 endlich einen Titel wünscht.
Simon Pytlick
Simon Pytlick (Mi.) setzt sich im Testspiel gegen Aaron Mensing (li.) und Henrik Jakobsen (beide von Pytlicks Ex-Club GOG Gudme) durch. Foto: imago//Ingrid Anderson-Jensen
Wenn ein Wechsel den Begriff Königstransfer verdient, dann der von Simon Pytlick zur SG Flensburg-Handewitt. Den Senkrechtstarter, der im Rückraum auf halb links und auf Mitte spielt, jagte halb Europa. Er räumte in der vergangenen Saison so gut wie alle Titel ab, die es zu gewinnen gab. Der 22-Jährige gewann mit Dänemark die WM, mit seinem dänischen Club GOG Gudme Meisterschaft und Pokal, zudem zeichnete ihn die Europäische Handball-Föderation (EHF) zum wertvollsten Spieler 2022/23 aus.
Was noch fehlt, ist der Triumph in der Champions League. Mit der SG dürfte das nicht einfach werden, doch der Flensburger Standortvorteil an der Grenze zur Heimat entpuppte sich als überzeugendes Argument für den hochdekorierten jungen Mann, der aus einer Handballfamilie stammt: Papa Jan gewann als Trainer der dänischen Frauen zweimal Olympiagold, Schwester Josefine (20) ist in der ersten dänischen Liga am Ball.
Vincent Gerard
Vincent Gerard hat mit der französischen Natoinalmannschaft alle wichtigen Titel gewonnen. /Foto: imago/Kevin Domas imago/Kevin Domas
Wenn ein Weltklasse-Torwart wie Niklas Landin (zu Aalborg Handbold) den Verein verlässt, dann ist das für den Nachfolger keine vergnügungssteuerpflichtige Aufgabe, diesen zu ersetzen. Doch Vincent Gerard, der Kieler Neuzugang von Saint-Raphael Var Handball, reizt gerade diese Herausforderung: „Ich weiß um die hohen Erwartungen, aber genau deshalb komme ich zum THW.“ Weil der Titelverteidiger und deutsche Rekordmeister schon als Kind einer seiner Traumvereine war, hat der in Lothringen geborene Franzose in der Schule fleißig Deutsch gelernt. Mit seinem Heimatland holte er Olympiasieg, Welt- und Europameister. Und jetzt in Kiel? Gilt es zunächst einmal, gemeinsam mit Tomas Mrkva die Lücke von Landin einigermaßen zu füllen. Spätestens 2025 kommt Weltstar Gonzalo Perez de Vargas (FC Barcelona) ins THW-Tor. Zukunftsmusik für Gerard, den derzeit Adduktorenprobleme außer Gefecht setzen.
Elias Ellefsen a Skipagotu
Elias Ellefsen a Skipagotu im Dress des THW Kiel im Testspiel gegen den österreichischen Erstligisten UHK Krems Foto: www.imago-images.de/Gepa pictures/ Mario Bühne
„Kiel holt den Unaussprechlichen“, titelte die „Bild“, als klar war, dass der THW Kiel im Kampf um eines der größten Talente im Welthandball das Rennen gemacht hat. Elias Ellefsen a Skapagotu – den Namen wird man sich, auch wenn’s anfangs schwerfällt, merken müssen. Der 21-Jährige spielte zuletzt für den schwedischen Pokalsieger IK Sävehof und stammt aus dem 52 000-Einwohner-Eiland Färöer. Bei der U-21-WM in Deutschland hat er eindrucksvoll untermauert, welche Klasse er besitzt. Mit 55 Treffern teilte er sich am Ende die Torjäger-Krone mit dem Japaner Naoki Fujisaka. Zusätzlich legte der 1,85 Meter große Mittelmann seinen Teamkollegen 48 Treffer auf und war mit diesen Assists in acht Spielen insgesamt an 103 Treffern der Färöer beteiligt. Kein Wunder, dass der individuell so starke, kreative Rechtshänder als bester Regisseur auch ins All-Star-Team der U-21-WM gewählt wurde.
Leo Prantner
HBW-Neuzugang Leo Prantner überzeugte auch im Testspiel gegen den TVB Stuttgart. Foto: Baumann/Julia Rahn
Zugegeben, Italien gehört nicht zu den Handball-Hochburgen in Europa. Aber wenn es dort ein Toptalent gibt, dann ist es Leo Prantner. Der Neuzugang von Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten ist zwar erst 21 Jahre alt, hat aber schon ganz schön viel erlebt.
Bis 2018 wirbelte der Südtiroler für die Black Devils Alperia Meran und gehörte bereits mit 18 Jahren zu den Stützen des italienischen Spitzenclubs. Bei einem Turnier stach der schnelle, trickreiche und abwehrstarke Rechtsaußen den Scouts der SG Flensburg-Handewitt ins Auge. Sie lotsten ihn für drei Jahre in die Handball Academy in den hohen Norden. Spielpraxis sammelte er in der dritten Liga. 2021 wagte Prantner den Sprung in die spanische Liga Asobal zu Rebi Balonmano Cuenca. Diese wertvollen Erfahrungen nimmt der Sohn des italienischen Ex-Handball-Nationalspielers Jürgen Brantner nun mit zu den „Galliern von der Alb“.
Felix Claar
Magdeburgs neuer schwedischer Spielmacher Felix Claar setzte im Testspiel gegen LIgarivale HC Erlangen Akzente. / imago/Franziska Gora /
Mit diesem Mann wird der amtierende Champions-League-Sieger SC Magdeburg noch stärker. Nicht nur für SCM-Coach Bennet Wiegert gehört Felix Claar zu den talentiertesten Spielmachern der Welt. Der 26-Jährige kommt vom dänischen Topclub Aalborg Handbold und unterschrieb bis 2026. Was dem Schweden den Einstieg erleichtern dürfte, ist die Tatsache, dass er einige Kumpels wiedertrifft. In Magdeburg spielt er nicht nur mit seinem früheren Aalborg-Kollegen Magnus Saugstrup, sondern auch mit seinen schwedischen Nationalteamkollegen Oscar Bergendahl (früher TVB Stuttgart), Albin Lagergren und Daniel Petterson. Mit ihnen gelang 2022 durch ein 27:26 im Finale in Budapest gegen Spanien der Titelgewinn bei der Europameisterschaft. Klarer Fall für Claar: „Wir wollen auch in Magdeburg große Dinge gemeinsam erreichen.“
Nicolej Krickau
Flensburgs neuer Coach Nicolej Krickau im Austausch mit seinem Kapitän Johannes Golla. /Foto: Imago/Ingrid Anderson-Jensen
Nach zwei schwachen Spielzeiten hat man bei der SG Flensburg-Handewitt alles auf den Kopf gestellt: Es gibt eine ziemlich renovierte Mannschaft, in Ex-Coach Ljubomir Vranjes einen neuen Sportdirektor mit Witz, Pfiff und Empathie – und als wichtigste Personalie präsentierte die SG als Nachfolger von Maik Machulla den Trainer-Shootingstar der Branche. Der heißt Nicolej Krickau, ist 36 Jahre jung, Vater von drei Kindern und kommt vom dänischen Meister GOG aus Gudme nahe Svendborg auf der Insel Fünen. Er soll der SG nicht nur wieder eine unverkennbare DNA verschaffen. Mit ihm will der Verein auch wieder angreifen in Richtung Königsklasse – das ist der Wettbewerb, den die SG braucht, um ihren Acht-Millionen-Etat dauerhaft zu stemmen. Von Tiefstapelei hält der neue Hoffnungsträger jedenfalls nichts: „Meiner Meinung nach haben wir eine Mannschaft, die die Meisterschaft gewinnen kann.“
Videobeweis Mit der neuen Saison führt die Handball-Bundesliga (HBL) auch den Videobeweis ein. Anders als im Fußball entscheiden allein die beiden Schiedsrichter darüber, eine Szene durch das Sichten von Bewegtbildern zu überprüfen. Dabei beschränken sich die Entscheidungen nach Videobeweis auf drei Kernbereiche. Erstens: Das Checken von Fouls, die mit einer Roten Karte geahndet werden können, also auch alle Szenen, die in den letzen 30 Sekunden zu einem Siebenmeter führen können. Zweitens: Alle Szenen, die sich außerhalb des Sichtfelds der Schiedsrichter ereigneten. Drittens: Auch Kopftreffer bei Torhütern können überprüft werden. Der Videobeweis kommt nicht zur Geltung bei der Frage Tor oder nicht Tor. Dafür sei der Aufwand noch zu groß und zu kostspielig, immer wieder die Torlinientechnik zu kallibrieren. Ebenfalls kommt der Videobeweis noch nicht zum Tragen bei Wechselfehlern und bei der Frage, ob ein Trainer den Buzzer für die Auszeit korrekt (also bei eigenem Ballbesitz) betätigt hat.
Übertragungen Der Super Cup 2023 ist nicht nur der Anpfiff zur neuen Saison, sondern auch das erste Event, das die neue Streamingplattform Dyn überträgt. Zusätzlich zur Bundesliga zeigt Dyn auch alle Spiele der Zweiten Liga, den DHB-Pokal sowie die Bundesliga der Frauen, dazu European League und Champions League. Neben einem Abo direkt über Dyn gibt es noch weitere Wege, das Handball-Angebot zu empfangen. Dyn selbst wird über den Webbrowser, Mobilgeräte, Tablets, Streaming-Sticks und Smart-TVs verfügbar sein. Das normale Jahresabonnement kostet einmalig 150 Euro, das monatlich kündbare Abo liegt bei 14,50 Euro im Monat. Weitere Infos unter dynmedia.com.