Handball SV Leonberg/Eltingen Neuer Trainer Oliver Cicione: „Wir brauchen mehr Spielwitz“

Die Handballer des SV Leonberg/Eltingen stehen sportlich gut da, doch es gab Differenzen mit dem am Montag entlassenen Trainer. Foto: Andreas Gorr

Der SV Leonberg/Eltingen hat Trainer Michael Zimmermann entlassen – nun will der neue Coach Oliver Cicione wieder mehr Spaß am Handball vermitteln und hat gegen den TSV Wolfschlugen die erste Bewährungsprobe.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Bei den Handballern des SV Leonberg/Eltingen hat eine neue Zeitrechnung begonnen. In der Partie beim TSV Wolfschlugen sitzt an diesem Samstag (17.45 Uhr) erstmals Oliver Cicione als Cheftrainer auf der Bank, der zunächst bis Weihnachten als Interimscoach nach der Entlassung von Michael Zimmermann fungiert. „Es erleichtert mir die Arbeit, weil es keinen sportlichen Druck gibt in Form eines Kampfes gegen den Abstieg“, sagt der 36-Jährige, der verheiratet und Vater von zwei Kindern ist.

 

Herr Cicione, ich denke, bei Ihnen geht’s gerade turbulenter als sonst, oder?

Ja, das kann man sagen. Ich muss aktuell viel terminlich klären und viel Organisatorisches unter einen Hut bekommen.

Wie viele Trainingseinheiten als Chefcoach haben Sie schon hinter sich?

Zwei. Und natürlich fühlt sich das für mich nun anders an als zuvor als Co-Trainer. Ich versuche durch andere Trainingsinhalte die Stimmung innerhalb der Mannschaft aufzubauen – vor der Trennung (von Michael Zimmermann, d. Red.) existierte da viel Unruhe. Mein erstes Ziel lautet: Die Atmosphäre zu verbessern und den Fokus wieder auf den Handball legen.

Waren Sie überrascht von der fristlosen Kündigung Ihres bisherigen Chefs?

Ja, ich habe erst am Montagmittag durch einen Anruf davon erfahren, weil ich schichte und gearbeitet habe. Ich hätte nicht gedacht, dass so schnell dann doch Fakten geschaffen wurden, weil davor ja noch Gespräche zwischen Michael Zimmermann und der Mannschaft stattgefunden hatten.

Was wollen Sie neu gestalten in Ihrer Trainingsarbeit im Vergleich zu davor?

Ich werde den Aufbau der Einheiten ändern, die Intensität besser steuern, damit wir wieder mehr Power reinbekommen – wir brauchen wieder mehr Spielwitz, und den bekommen wir über eine höhere Belastung. Ich werde auch neue Inhalte einbauen und nicht immer bis ins Detail strukturiert vorgehen.

Wie hat die Mannschaft aufgefasst, dass nun Sie das Kommando innehaben?

Ich würde sagen: positiv. Das Team ist froh, dass ich auf diesem Posten bin und bringt mir großes Vertrauen entgegen. Die Spieler kennen ja zum Teil meine Trainingsinhalte und ich weiß deshalb aus Gesprächen, dass sie gut ankommen und beliebt sind.

Familie gibt Cicione Rückendeckung

Und wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie mitgeteilt haben, dass Sie jetzt zunächst einmal Chefcoach sind und noch mehr Arbeit haben werden?

(Lacht.) Wissen Sie, wir sind eine Handball-Familie – meine Frau spielt und meine Kinder gehen bereits zu den Minis, deshalb habe ich diesbezüglich die volle Rückendeckung. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich, denn sonst würde diese Kombination nicht funktionieren.

Sie trainieren bei HB Ludwigsburg auch die C-Jugend, die in der Oberliga spielt.

Genau, mit den Jungs dort habe ich auch dreimal pro Woche Training und das dauert dann auch nicht nur eine Dreiviertelstunde. Zudem habe ich noch einen Beruf. Ich muss das nun alles ein bisschen neu ordnen, weil als Cheftrainer zählen nun auch das Videostudium und die Spielvorbereitung zu meinen Aufgaben. Aber ich bin überzeugt, dass ich das alles unter einen Hut bekomme.

Zunächst sollen Sie die drei Spiele bis zur Weihnachtspause coachen. Wären Sie aus Ihrer Sicht auch bereit, bis zum Saisonende den Chef zu geben?

Nun, das zu beurteilen ist zunächst Aufgabe des Vereins, aber ganz grundsätzlich könnte ich mir schon vorstellen, diese Aufgabe bis zum Saisonende zu übernehmen. Ich muss mich ja nicht ganz alleine um alles kümmern, sondern habe in Jakob Ulrich (ein derzeit verletzter Spieler, d. Red.) einen sehr kompetenten Mann an meiner Seite, der mich bestens unterstützt. Ich bin sicher: So sind wir gut aufgestellt.

Werden Sie personell oder taktisch etwas ändern?

Da besteht aus meiner Sicht kein akuter Handlungsbedarf, sportlich stehen wir auf Platz vier nach zehn Spielen mit 12:8 Punkten gut da. Es erleichtert mir die Arbeit, weil es keinen sportlichen Druck gibt in Form eines Kampfes gegen den Abstieg. Darüber bin ich natürlich froh.

Spiel in Wolfschlugen als Gradmesser

Es gibt tatsächlich nichts, wo Sie nicht an einer Stellschraube drehen wollten?

Gut, ich lege wie mein Vorgänger Wert auf einen schnellen Handball, ich möchte das noch weiter verfeinern, möchte unser Spiel noch schneller gestalten. Das habe ich mir im taktischen Bereich vorgenommen.

Ihr Debüt geht gegen den TSV Wolfschlugen, das Team ist punktgleich.

Ja, der TSV befindet sich mit uns auf Augenhöhe. Das wird keine leicht Aufgabe, aber selbstverständlich ist unser Ziel, in Wolfschlugen zu gewinnen. Eines kann ich versprechen: Wir legen den Fokus voll auf uns und wollen in diesen 60 Minuten Spaß am Spiel haben.

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