Handball SV Leonberg/Eltingen Vor dem Debüt als Chefcoach: Ein wenig Lampenfieber muss schon sein

Ausreden gelten nicht mehr: Robert Strkalj, Kapitän Andreas Binder, Trainer Oliver Cicione und David Zimmermann (v. li.) stehen gegen den TSV Schmiden in der Pflicht. Foto: Andreas Gorr

Am Samstag feiert Oliver Cicione beim SV Leonberg/Eltingen Premiere als Handball-Trainer einer Männermannschaft – gegen den TSV Schmiden ist das Team nach dem Trainerwechsel in der Pflicht zu liefern.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Es ist niemals zu früh und selten zu spät. Die Gelehrten streiten sich, wem dieses Zitat zuzuordnen ist. Die einen, die eher klassisch Gebildeten, legen es dem österreichischen Künstler Oskar Kokoschka in den Mund. Die anderen, die eher eine mediale Intelligenz nachweisen können, sind überzeugt, dass der Außerirdische Alf diese Worte in der TV-Serie der 1980er und 1990er Jahre von sich gegeben hat. Nichts Genaues weiß man anscheinend nicht, aber der Satz passt ganz gut auf die Entwicklung bei den Handballern des SV Leonberg/Eltingen im Allgemeinen sowie dem Übungsleiter Olivier Cicione im Besonderen.

 

Denn mit 36 Jahren feiert der Mann an diesem Samstag (20 Uhr) sein Pflichtspiel-Debüt als Cheftrainer einer aktiven Mannschaft, wenn der Württembergligist aus Leonberg den TSV Schmiden im Sportzentrum empfängt. „Noch bin ich recht entspannt“, sagt er, „aber die Nervosität wird sich bis Samstagabend sicher steigern.“ Am Montag vergangener Woche war Cicione nach dem überraschend eiligen Rauswurf von Michael Zimmermann vom Co-Trainer zum Chef befördert worden, und da die Partie am vergangenen Samstag beim TSV Wolfschlugen wegen der Erkrankung einer Schiedsrichterin abgesagt worden war, fällt die Premiere des ehemaligen Rückraumspielers auf ein Heimspiel.

Dann werden neben den SV-Fans auch zahlreiche Freunde, ehemalige Weggefährten aus Ludwigsburg und Oberstenfeld sowie etliche Familienmitglieder auf der Tribüne sitzen. „Natürlich ist das ein besonderes Spiel für mich“, gibt der neue Coach zu, „deshalb bereite ich mich und das Team gut vor, denn wir wollen uns in bester Verfassung präsentieren.“ Die Mannschaft um Andreas Binder jedenfalls fühlt sich bestens eingestellt. „Er hat schnell in seine neue Rolle reingefunden“, bemerkt der Kapitän, „er gibt klare Ansagen. Er macht das schon, davon ist jeder in der Mannschaft überzeugt.“

Torhüter Schneider lobt neues Training

Oliver Cicione hat den Handball im Leonberger Sportzentrum nicht neu eingenordet, an ein paar Grundeinstellungen hat er gedreht, als wenn man am Smart-TV den Kontrast etwas verschärft und die Farbsättigung runterfährt. Mehr nicht. „Das Training ist anstrengender geworden, es hat nun mehr Intensität“, sagt Youngster Yannik Oral (21), „wir laufen mehr als zuvor, und das finde ich gut.“ Der neue Mann am Ruder will das Tempospiel weiter intensivieren, dazu sind eine gesteigerte Laufbereitschaft und viel Ballbesitz so wichtig wie Badehose und Schwimmbrille für einen, der den Weltrekord über 100 Meter Freistil brechen will. Ohne geht es nicht. „Cici“, wie er intern genannt wird, hat das Training ein wenig umgestellt, vor allem aber „deutlich mehr Zug reingebracht“, wie Andreas Binder feststellt.

Für die Torhüter Max Schneider und Dennis Kellner sind die Änderungen am frappierendsten – statt lediglich am Montag mit Torwart-Trainer Markus Herbst die spezifischen Übungen zu absolvieren, die ein Mann im Tor beherrschen muss, steht nun auch jeden Dienstag und Donnerstag individuelles Training für Schneider und Kellner auf dem Übungsplan. „Das finde ich absolut super“, jubiliert Schneider, „dreimal pro Woche Torwart-Training findet man selten.“ Wenn Cicione die Feldspieler auf der einen Hallenseite Ballstafetten üben lässt, kümmert sich der Langzeitverletzte Jakob Ulrich, der die Aufgaben des Co-Trainers übernommen hat, auf der anderen um die beiden Torleute. Später üben wieder alle gemeinsam. „Von dieser Aufteilung profitieren alle“, schwärmt Co-Kapitän Max Schneider, und Cicione betont: „Es ist mir wichtig, dass auch Torhüter ihren Puls ordentlich hochgejagt bekommen.“

Binder erwartet Feuer im Spiel

Nun brennen nicht nur der neue Chef auf der Bank, sondern auch die Spieler auf die erste Bewährungsprobe des umgebauten Konstrukts des SV Leonberg/Eltingen – denn die Mannschaft steht in einer besonderen Pflicht, hält sie mit ihrer massiven Kritik an Michael Zimmermann die Mehrheit der Aktien am Trainerwechsel. „Keine Frage“, sagt Spielführer Binder, „wir müssen jetzt liefern.“ Und Yannik Oral betont: „Wir sind in der Pflicht, alles reinzuhauen.“ Dass der Gegner dabei TSV Schmiden heißt, spornt manche nicht nur aus sportlicher Sicht zusätzlich an. Der Club aus dem Fellbacher Stadtteil liegt nur einen Pluspunkt hinter dem SV, was ohnehin schon Brisanz bietet. Dazu kommt eine gute Prise Rivalität. „Gegen den TSV ist immer ordentlich Feuer im Spiel“, betont Andreas Binder, „das trifft sich jetzt ganz gut.“

Oskar Kokoschka, der Expressionist aus Österreich, hat einmal gesagt, und das ist verbürgt: „Talent ist nicht genug. Worauf es wirklich ankommt, ist das Stehvermögen.“ Eine bessere Einschwörung auf all das, was Oliver Cicione und den Handballern des SV Leonberg/Eltingen nun bevorsteht, hätte selbst der haarige Außerirdische Alf nicht geben können.

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