Handball-WM der Frauen Der stete Aufstieg der Schwäbin Sarah Wachter

Torhüterin Sarah Wachter steht vor ihrem ersten großen Turnier mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Frauen. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Schritt für Schritt ging es für Sarah Wachter nach oben. Im Sommer hat die Torhüterin das Schwabenland erstmals verlassen und wechselte zu Borussia Dortmund. Nun fiebert sie der WM entgegen – ihrem ersten großen Turnier mit dem Handball-Nationalteam.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Sarah Wachter lacht herzlich, als sie sagt: „Einen Tod musst du sterben.“ Es geht um die leckeren Maultaschen aus der heimischen Metzgerei der Eltern in Remshalden-Grunbach. Die vermisst die Handball-Nationaltorhüterin seit ihrem Wechsel von der Sport-Union Neckarsulm im vergangenen Sommer zu Borussia Dortmund. Raus aus dem Ländle, rein in den Pott. Es war der nächste logische Schritt in ihrer Karriere.

 

WM-Start gegen Japan

Dass er auch der richtige war, zeigt ihre Nominierung für den WM-Kader. Gemeinsam mit Katharina Filter (Brest Bretagne Handball) bildet Sarah Wachter das Torwartduo der deutschen Mannschaft. Los geht es an diesem Donnerstag (18 Uhr) im dänischen Herning gegen Japan.

„Die Vorfreude auf mein erstes großes Turnier ist riesig“, sagt die 23-Jährige. Dass sie das Ticket für die Titelkämpfe buchen konnte, ist nicht selbstverständlich. Zwar verzichtete Stammkeeperin Dinah Eckerle (Thüringer HC) wegen der Geburt ihrer Tochter im vergangenen März freiwillig auf die WM, doch mit Isabell Roch (SCM Ramnicu Valcea/Rumänien), Nicole Roth (Thüringer HC) oder Ann-Cathrin Giegerich (ZRK Buducnost Podgorica/Montenegro) stach sie Topkonkurrentinnen aus. „Ich spiele eine gute Saison und habe gezeigt, was ich kann“, sagt die gebürtige Schorndorferin selbstbewusst.

Wissbegierig und ehrgeizig

Und für Bundestrainer Markus Gaugisch, ihrem schwäbischen Landsmann, lagen die Argumente pro Wachter klar auf der Hand: „Sarah hält nicht nur in der Liga sehr gut, sie bringt auch in den Länderspielen echt starke Leistungen. Das zeigt, dass sie mental in der Lage ist, mit diesem Druck umzugehen.“ Was sie sonst noch auszeichnet? „Sarah ist sehr wissbegierig und ehrgeizig, hat aber trotzdem eine gewisse Lockerheit. Durch ihre wahnsinnige Explosivität deckt sie mit ihren Bewegungen viel Fläche ab. Zudem hält sie nach Plan, sie weiß, wie sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, Bälle zu halten“, lobt Gaugisch.

Mit der B-Jugend des SV Remshalden feierte sie einst die deutsche Meisterschaft. Mit 15 Jahren spielte sie bereits in der dritten Liga beim SC Korb. Über den TV Nellingen (2016 bis 2019) und die Sport-Union Neckarsulm (2019 bis 2023) landete die 1,82 Meter große Torfrau in Dortmund, wo sie mit ihrer Teamkollegin, der früheren Metzingerin Lena Degenhardt, in einem Haus wohnt. „Der Schritt zu einem deutschen Topclub hat Sarahs Entwicklung gut getan“, sagt Gaugisch.

Großer Konkurrenzkampf

Der Konkurrenzkampf im BVB-Tor mit der erfahrenen niederländischen Nationaltorhüterin Tess Lieder (früher als Tess Wester bei der SG BBM Bietigheim) wirkt sich positiv aus. „Tess hat viel erlebt, viel gewonnen, ihre Tipps nehme ich sehr gerne an“, sagt Sarah Wachter. Das trifft in noch höherem Maße auf Clara Woltering zu: Die ehemalige deutsche Nationaltorhüterin ist ihre Torwarttrainerin in Dortmund. „Von der Arbeit mit ihr profitiere ich sehr“, betont die Schwäbin, die auch zu ihrem aktuellen Vereinscoach einen besonderen Bezug hat: Der Niederländer Henk Groener hat Sarah Wachter in seiner Zeit als deutscher Bundestrainer zu ihrem Nationalmannschaftsdebüt verholfen – am 7. November 2021 gegen Russland.

Nun steht sie vor ihrem ersten großen Turnier. Ihr Optimismus vor dem Auftaktspiel gegen Japan ist groß: „Die asiatische Spielweise ist zwar etwas ungewohnt, doch vor allem dank unserer stabilen Abwehr, die unsere große Waffe ist, sind wir gerüstet.“

Traum von Paris

Als klares Ziel nennt sie die die Teilnahme an einem Olympiaqualifikationsturnier im Frühjahr 2024. Dafür muss bei der kommenden WM der siebte Platz erreicht werden. „Es wäre natürlich ein Traum, in Paris 2024 dabei zu sein, dafür werden wir alles, was in uns steckt, raushauen“, verspricht Sarah Wachter, die als ihr Vorbild Katrine Lunde nennt. Sie steht auch mit 43 Jahren noch bei Champions-League-Club Vipers Kristiansand und bei der norwegischen Nationalmannschaft zwischen den Pfosten.

Das zeigt: Sarah Wachter hat noch genügend Zeit, weitere Entwicklungsschritte zu nehmen. Auch wenn sie dafür auf ihre geliebten Maultaschen verzichten muss.

Handball-WM der Frauen

WM
Die 26. Handball-Weltmeisterschaft der Frauen wird vom 29. November bis zum 17. Dezember 2023 in Dänemark, Norwegen und Schweden ausgetragen.

Vorrunde
Die DHB-Frauen spielen in der Vorrunde in Herning/Dänemark gegen Japan (30. November, 18 Uhr), gegen Iran (2. Dezember, 18 Uhr) und gegen Polen (4. Dezember, 20.30 Uhr). Im Falle einer erfolgreichen Vorrunde sind die deutschen Hauptrundenspiele auf den 7., 9. und 11. Dezember terminiert.

Modus
An der WM nehmen 32 Teams, die in der Vorrunde auf acht Vierergruppen aufgeteilt wurden, teil. Während die Gruppenvierten im sogenannten President’s Cup ihre Endplatzierungen ausspielen, ziehen die besten drei Mannschaften jeder Vorrundengruppe in die vier Hauptgruppen ein. Die Ergebnisse aus der Vorrunde – mit Ausnahme des Spiels gegen den Tabellenletzten – werden dabei mit übernommen. In den jeweiligen Sechsergruppen der Hauptrunde werden dann drei weitere Partien gegen Mannschaften aus einer anderen Vorrundengruppe gespielt. Die Erst- und Zweitplatzierten aus jeder Hauptrundengruppe stehen dann im Viertelfinale, ab dem es im K.-o.-Modus weitergeht.

Liveübertragung
Die Spiele werden nicht frei empfangbar ausgestrahlt. Der Internet-Sender „sportdeutschland.tv“ bietet einen gebührenpflichtigen livestream an. Für 15 Euro können dort alle 112 WM-Spiele gesehen werden, einzelne Spiele werden für fünf Euro angeboten. Zudem gibt es den Finalpass, mit dem man die Halbfinals sowie das Spiel um Platz drei und das Finale verfolgen kann, für zehn Euro. (jüf)

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