Handball Württembergliga Paukenschlag: SV Leonberg/Eltingen wirft Trainer raus
Die Handballer des SV Leonberg/Eltingen haben Trainer Michael Zimmermann fristlos entlassen – die Chemie zwischen ihm und dem Team stimmte nicht mehr.
Die Handballer des SV Leonberg/Eltingen haben Trainer Michael Zimmermann fristlos entlassen – die Chemie zwischen ihm und dem Team stimmte nicht mehr.
Es war ein verrücktes Spiel am Samstagabend, dieser 30:29-Triumph des SV Leonberg/Eltingen über den TV Oeffingen, in dem der SV in den letzten 13 Minuten einen Sechs-Tore-Rückstand in einen Sieg verwandelt hatte. Die Emotionen bei Fans, Funktionären und in der Mannschaft drehten Salti und waren kaum zu beschreiben. Doch diese 60 Minuten und die Stunde danach waren mehr als ein wahnsinnig verrücktes Spiel – es war der Tropfen, der ein randvolles Fass zum Überlaufen bringen sollte. Die emotionalen Schwingungen waren die Vorboten eines heftigen Erdbebens, das das Wohnzimmer der Leonberger Handballer erschüttern sollte.
Am Montag um 11.30 Uhr war es soweit, es folgte das Beben in der Leonberger Handball-Welt, das Trainer Michael Zimmermann ziemlich unvorbereitet traf. Der Sportliche Leiter Werner Neuffer teilte dem 50-Jährigen am Telefon mit, dass der Verein den Vertrag beenden werde. Fristlose Kündigung, Rauswurf. „Ich war völlig überrascht“, sagt Zimmermann einen Tag später.
Die Begründung erinnert ans Ende einer Ehe – das Verhältnis zwischen Coach und Mannschaft sei zerrüttet gewesen und nicht mehr zu kitten. „Die Differenzen zwischen Michael Zimmermann und großen Teilen der Mannschaft waren nicht mehr überbrückbar“, erläutert Werner Neuffer, „da war aus unserer Sicht nichts zu retten, also mussten wir handeln.“ Nach einer Minikonferenz mit Abteilungsleiter Matthias Groß senkten sich die Daumen der beiden Funktionäre über den erst im Juli verpflichteten Trainer. „Das gesamte Team steht hinter diesem Beschluss“, betont Co-Kapitän Max Schneider.
Exakt 149 Tage dauerte die Ära von Zimmermann als Trainer des Württembergligisten, der offiziell am 1. Juli das Amt übernommen hatte. Mit der Zeit zeigten sich zunächst kleine, später immer größere Reibungspunkte zwischen Coach und Führungsspielern. Wie der Flurfunk im Leonberger Sportzentrum mitteilte, knirschte es im Training, wenn es um bestimmte Inhalte ging, es rumorte in Taktikfragen und bei Einsatzzeiten verschiedener Spieler, auch im zwischenmenschlichen Bereich ging die Harmonie allmählich ein wie ein Pflänzchen, das zu wenig Zuneigung in Form von Wasser bekommt. Werner Neuffer beschreibt die verfahrene Situation mit: „Da war die Chemie aufgebraucht“.
Michael Zimmermann ist kein Autist, ihm waren die Misstöne im Team freilich nicht entgangen, er wusste um das Unbehagen bei einigen Akteuren – dennoch „wäre das aus meiner Sicht kein Trennungsgrund gewesen“, betont der 50-Jährige, schließlich habe er sich noch in der Woche zuvor mit der Mannschaft offen ausgesprochen. Doch es änderte sich nichts Entscheidendes. „Die Gespräche fruchteten nicht“, erzählt Torhüter Max Schneider, „es hat sich viel aufgestaut. Der Unmut im Team wuchst stetig.“
Der Riss war zu weit fortgeschritten und gefährdete überdies die Zukunft der Leonberger Handballer. Denn Neuffer und Groß hatten bereits erste Gespräche mit Spielern geführt, um Verträge über den Sommer hinaus zu verlängern – und hörten dabei immer wieder das Argument „unter diesem Trainer bleibe ich keinesfalls in Leonberg“. So gab es für die Verantwortlichen kaum eine Wahl. „Wir können uns nicht von fünf, sechs Spielern trennen, also war der Trainer in der Kette das schwächste Glied“, unterstreicht Neuffer, dem es „nicht leichtgefallen“ sei, Zimmermann über die Kündigung zu informieren. „Es sind die Gesetze des Sports, die hier gegriffen haben“, unterstreicht Groß.
Nun übernehmen Co-Trainer Oliver Cicione und der langzeitverletzte Jakob Ulrich das Kommando für die nächsten drei Spiele bis zur Weihnachtspause, die nach dem Match bei den SF Schwaikheim am 17. Dezember beginnt. Das ist schwieriger als Wichtelgeschenke zu besorgen, schließlich war Cicione noch nie Chefcoach einer Herren-Truppe, zudem trainiert er in Ludwigsburg die C-Jugend in der Oberliga. Und Jakob Ulrich fühlt sich eigentlich als Spieler, der auf sein Comeback auf dem Feld hofft. „Nun ist die Mannschaft in der Pflicht“, betont Matthias Groß, „sie muss jetzt liefern.“
Das müssen auch der Handball-Chef und der Sportliche Leiter Neuffer, die im Advent auf Trainersuche gehen. Ein, zwei Namen stehen bereits auf dem Zettel, auch eine Verlängerung bis zum Saisonende für das Duo Cicione/Ulrich wird nicht ausgeschlossen. Sicher ist nur eines: Unterm Weihnachtsbaum wird der neue Trainer nicht liegen.