Wäre Oliver Cicione fünf Minuten vor der Pause in der Kreuzberghalle in Nenningen gefragt worden, ob er noch eine Siegchance für sein Team sehe – wer weiß, wie der Trainer des SV Leonberg/Eltingen geantwortet hätte. Mit sechs Toren lag der Württembergligist beim Vorletzten im Hintertreffen, in der Abwehr bekamen seine Mannen kaum Zugriff auf die SG-Akteure, im Angriff kam die Truppe mit der aggressiven Deckung der Lautersteiner gegen Yannik Oral überhaupt nicht zurecht. Cicione könnte sich gefühlt haben wie der Duke of Wellington in der Schlacht von Waterloo 1815 gegen Napoleon, als er flehte: „Ich wollte, es wäre Nacht, oder die Preußen kämen.“
Die Preußen kamen freilich nicht, die zündende Idee hatte der Cheftrainer der Gelb-Schwarzen selbst – er ließ nach dem Seitenwechsel mit sieben Feldspielern angreifen, was den erhofften Erfolg mit sich brachte. Die zweite Hälfte war noch jung, da hatten die Leonberger ausgeglichen und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Obwohl die Gastgeber so um die 50. Minute immer wieder mit zwei Treffern führten, hielten die SV-Handballer dagegen; und Yannik Oral war schließlich auch wieder besser im Spiel. „Wir haben nur ein wenig zu viele Strafzeiten genommen“, krittelte Cicione.
Als die Begegnung beim 28:28 (56.) schließlich Spitz auf Knopf stand, hatten die SG-Verteidiger der beherzten Schlussoffensive der Leonberger nichts mehr entgegenzusetzen. Mit Toren von David Zimmermann, Philip Schückle, Yannik Oral und erneut Zimmermann zog der SV mit vier Treffern davon, Torhüter Dennis Kellner sorgte mit Paraden dafür, dass die SG mehr als vier Minuten den Ball nicht mehr im SV-Gehäuse unterbrachte. „Da hat Dennis sehr gute Impulse gesetzt“, lobte Oliver Cicione.
Wiederhöft noch nicht mit Vollgas
Es ging noch einmal gut, trotz schwachen 30 Minuten, der SV Leonberg/Eltingen tat sich (zu) schwer gegen den Abstiegskandidaten. „Solche Spiele sind nie leicht, weil diese Teams mit allem kämpfen, was sie haben“, bemerkte der SV-Coach. Zugute halten darf man, dass Kapitän Andreas Binder (Rückenprobleme) weiter fehlte und der wiedergenesene Felix Wiederhöft noch mit angezogener Handbremse agierte. Am Freitag (20 Uhr) kommt Schlusslicht SV Fellbach nach Leonberg – Oliver Cicione wäre es sicher recht, wenn er nicht mehr so lange bangen muss. SV Leonberg/Eltingen: Kellner, Seeger; Rühle (7), Wiederhöft (6/2), Zimmermann (6), Oral (4/1), Ben-Hazaz, Schückle (je 3), Klatte (2), Kutzner, Strkalj, Fischer (je 1), Fangerow.