Handballerinnen der SG BBM Bietigheim Übermannschaft mit ungewisser Zukunft

Rückraumspielerin Karolina Kudlacz-Gloc (li., gegen Janina Roberts von Vipers Kristiansand) gibt immer alles für die SG BBM Bietigheim. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim haben in der vergangenen Saison alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, und stehen auch aktuell glänzend da. Beim Blick in die Zukunft gibt es allerdings viele Fragezeichen.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Wenn sie die Ärmel hochkrempelt und ihr Trikot während des Spiels zum Muskelshirt wird, dann zeigt das ihre Einstellung. Karolina Kudlacz-Gloc ist eine Kämpfernatur, ein Profi durch und durch, ein Vorbild. Eine, die ihr Herz auf dem Feld lässt, aber es auch auf der Zunge trägt: „Mein Herz schmerzt, weil wir so ein tolles Team sind, das so viel geleistet hat, aber niemand weiß, wie es nach dieser Saison weitergeht“, sagt die 37-jährige Rückraumspielerin von Handball-Bundesligist SG BBM Bietigheim, die auch Mitglied im Mannschaftsrat ist.

 

Zur Erinnerung: Mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, dem DHB-Pokal-Sieg und dem Triumph in der European League hat die Mannschaft von Trainer Markus Gaugisch in der vergangenen Saison alle drei möglichen Titel abgeräumt. Deshalb steht dieser Club der Unersättlichen auch auf der Vorschlagsliste zur Wahl der „Mannschaft des Jahres“, die bei der Gala in Baden-Baden gekürt wird.

63 Spiele ungeschlagen

Die historische Superserie mit wettbewerbsübergreifend 63 ungeschlagenen Spielen ging erst am 23. Oktober 2022 mit dem 24:31 in der Champions League bei Odense Handbold zu Ende. Aktuell liegt das Team in der mit internationalen Schwergewichten bespickten Königsklasse mit nur einer Niederlage, zwei Unentschieden und vier Siegen mehr als im Soll. Auch im DHB-Pokal (Viertelfinale ist erreicht) und in der Liga (10:0 Punkte) läuft alles nach Plan.

Doch trotz dieser Erfolge ist die Unsicherheit vor dem nächsten Bundesliga-Heimspiel am 14. Dezember (19 Uhr) gegen Bayer Leverkusen groß. Das liegt daran, dass keine Spielerin einen Vertrag besitzt, der über die Saison hinaus gilt. „Wir Frauen sind da anders als Männer, jede kleine Unsicherheit beschäftigt uns, nehmen wir mit ins Training und ins Spiel. Wir können uns nicht belügen“, so Kudlacz-Gloc. Es passt ins Bild, dass auch die Trainerfrage noch ungeklärt ist.

Wer kommt nach Gaugisch?

Fest steht nur, dass Erfolgscoach Gaugisch ab Sommer nur noch als Bundestrainer fungiert. Wie der 48-Jährige die Lage einschätzt? „Was unsere Ziele betrifft, befinden wir uns zu 100 Prozent auf dem richtigen Weg, was die Verträge angeht, kann ich nur sagen, dass sich jeder Arbeitnehmer Sicherheit wünscht – egal ob im Leistungssport oder in der freien Wirtschaft.“

Im Verein wird derzeit offenbar unter Hochdruck an der Zukunft gearbeitet. Sportdirektor Gerit Winnen ist nicht erreichbar. Geschäftsführerin Lena Backhaus möchte aus Zeitgründen Fragen lieber schriftlich beantworten. Zur unklaren Lage teilt sie mit: „Seit jeher werden die Etatplanungen bei uns immer am Ende eines Jahres verabschiedet, so auch in diesem Jahr. Wer schon lange in Bietigheim spielt, ist mit diesem Ablauf betraut.“ Auf die Frage, ob sie mit Sicherheit sagen kann, dass die SG BBM auch nach dieser Saison eine konkurrenzfähige Bundesliga-Mannschaft haben wird, die um Titel mitspielen kann, antwortet die 40-Jährige: „Natürlich werden wir alles versuchen, um dieses Niveau aufrechtzuerhalten. Inwieweit uns dies gelingen wird, wird sich zeigen.“

Fast alles hängt an Bezner

Bekanntlich hängt der Frauenhandball in Bietigheim seit Jahren größtenteils an der Unterstützung von Eberhard Bezner, dem 87 Jahre alten Seniorchef der Firma Olymp. Sind seine Finanzspritzen über die Saison hinaus gesichert? „Da wir zurzeit Etatgespräche mit den Gesellschaftern führen, kann ich zu den Details der Gespräche keine Auskünfte erteilen“, erklärt die Diplom-Betriebswirtin Backhaus. Unstrittig ist: Ohne Bezners Engagement wäre Frauenhandball auf Topniveau bei der SG BBM nicht denkbar. Wäre sogar die Existenz des Clubs gefährdet?

„Die wirtschaftliche Lage allgemein ist nicht gut. Das wirkt sich auch auf den Sport aus. Zudem werden die Vorgaben der Liga strenger“, holt Backhaus etwas aus. Ab 2025 dürfen keine Bundesliga-Spiele mehr in der Viadukthalle in Bietigheim ausgetragen werden, da diese keine beidseitige Tribüne hat. „Diese Umstände müssen wir in unserer Planung mittelfristig berücksichtigen. Wir werden jedoch, wie gesagt, versuchen, dieses Niveau auch mittelfristig aufrechtzuerhalten“, so die Geschäftsführerin.

„SG Flaggschiff des Handballs“

Das wünscht sich auch Markus Gaugisch, aus Verbundenheit zum Verein, aber auch in seiner Rolle als Bundestrainer: „Die SG ist ein absolutes Flaggschiff des deutschen Frauenhandballs. Sie ist ein tolles und wichtiges Produkt. Ich wünsche mir nicht nur als aktueller SG-Trainer, sondern auch als Bundestrainer, dass das Niveau mittelfristig gehalten werden kann, wir brauchen in Deutschland Teams auf einem solch hohen Level.“ Karolina Kudlacz-Gloc wäre die Erste, die alles dafür tun würde, dass es dabei bleibt.

Restprogramm SG BBM 2022

Bundesliga
SG BBM – Bayer Leverkusen (14. Dezember, 19 Uhr/Viadukthalle), SV Union Halle-Neustadt – SG BBM (21. Dezember, 19 Uhr), SG BBM – Borussia Dortmund (26. Dezember, 18 Uhr/MHP-Arena Ludwigsburg).

Champions League
SG BBM – Odense Handbold (18. Dezember, 14 Uhr/MHP-Arena Ludwigsburg). (jüf)

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