Handel im Stuttgarter Norden Lockerungen in der Krise machen Händlern Mut

Von Eva Funke 

Die Geschäfte der Killesberghöhe sind fast alle geöffnet. Und in der Tiefgarage des Einkaufszentrums im Stuttgarter Norden kann wieder kostenlos geparkt werden.

Mit Neongelb will Gwendoline Gerlach raus aus der Corona-Tristesse Foto: Eva Funke
Mit Neongelb will Gwendoline Gerlach raus aus der Corona-Tristesse Foto: Eva Funke

Stuttgart-Nord - Center-Managerin Birgit Greuter hat die Stellung in ihrem Büro auf der Killesberghöhe auch gehalten, als alle Läden bis auf Lebensmittelgeschäfte, Apotheke und Drogeriemarkt in dem Einkaufszentrum wegen der Corona-Krise geschlossen waren. „Es war für Kunden und Händler wichtig, dass jemand vor Ort war“, sagt sie – und hat getröstet und Mut gemacht. Da die meisten Geschäfte weniger Fläche als 800 Quadratmeter haben, sind sie seit einer knappen Woche wieder geöffnet, mit Ausnahme von Fitness- und Yogastudio sowie dem Friseur, der per Telefon und Internet Termine für Mai vergibt. Und viele der Parkplätze in der vor kurzem noch lotterleeren Tiefgarage sind belegt: Das auch deshalb, weil Kunden, die für mindestens fünf Euro einkaufen, wieder eine halbe Stunde kostenlos parken können und derzeit lieber ins Auto statt in Bus oder Bahn steigen.

Als Anfang 2019 auch die Kunden, die nur schnell eine Kleinigkeit kaufen wollten, am Parkautomaten zur Kasse gebeten wurden, gab es verärgerte Kunden, die nicht mehr kommen wollten, und Proteste von den Bezirksbeiräten, die befürchteten, dass die Autofahrer zum Parken auf die Anwohnerstraßen ausweichen. Greuter: „Der neue Eigentümer des Centers, die Hahn- Gruppe, will dadurch die Attraktivität des Einkaufcenters wieder stärken.“

Neue Kundschaft durch Büromitarbeiter

„Das ist sicher für den einen oder anderen ein Anreiz, bei uns reinzuschauen“, ist Matthias Scharr überzeugt. Der Verkaufsstart nach der Schließung seines Buchladens sei sehr gut angelaufen. Scharr: „Wir sind glücklich, und unsere Kunden sind es auch.“ Allerdings geht er davon aus, dass durch die wochenlange Schließung einige Kunden am Online-Buchhandel Geschmack gefunden haben, vor allem die, die wissen was sie wollen. „Die Frage ist, ob wir die zurückgewinnen können“, sagt Scharr und sieht die Chancen für den stationären Buchhandel in einer guten Beratung für die Käufer, die nicht so genau wissen, was sie wollen.

Hoffnung schöpfen auch die Mitarbeiterinnen der Parfümerie Mußler: „Die Kunden saßen genau so wie wir in den Startlöchern“, sagt Pia Spannfellner. Die 61-Jährige stellt auch fest, dass alle sehr diszipliniert sind, Abstand halten und das Desinfektionsmittel im Eingang benutzen. Sie selbst und ihre Kollegin tragen zum Schutz Handschuhe und Maske, obwohl die erst ab kommenden Montag Pflicht ist. Dass die Umsatzeinbußen aufzuholen sind, glaubt sie nicht. „Wir verkaufen hauptsächlich Pflegeprodukte. Ist jemandem die Creme ausgegangen, hat er sie halt in der Drogerie oder im Supermarkt gekauft“, vermutet Pia Spannfellner.

Verhaltene Freude bei Ilona Forner, die ein Modegeschäft betreibt: „Die Türe haben uns die Kunden nicht eingerannt, aber es ist wohltuend, dass ein bisschen Normalität einkehrt“, sagt sie. Als klar war, dass sie ihre Boutique schließen muss, „war bei mir schon Panik da“, gibt sie zu. Gwendoline Gerlach war eine ihrer ersten Kundinnen nach der Lockerung. „Ich brauch jetzt etwas frühlingshaft Fröhliches“, sagt sie und probiert ein neongelbes Kleid an. Andere Kunden haben das Shoppen weniger vermisst: „Wir kaufen nach wie vor hauptsächlich Lebensmittel. Aber es freut mich, dass die kleinen Blumenläden wieder geöffnet haben“, sagt Josefine Sterionow.

Center-Managerin Birgit Greuter hofft derweil bald auf weitere Kundschaft: Der Fleiner-Bau ist so gut wie vermietet. Die 2700 Quadratmeter will ein einzelnes Unternehmen in Büros für seine Mitarbeiter umwandeln.

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