Hans-Rehn-Stift in Rohr Deutschlehrerin mit 103 Jahren

Verstehen sich bestens: Kreszentia Mann und die Pflegekraft Valdete Shaban. Foto: Rilling
Verstehen sich bestens: Kreszentia Mann und die Pflegekraft Valdete Shaban. Foto: Rilling

Kreszentia Mann gibt auch im hohen Alter Pflegemitarbeitern noch Unterricht. Aus dem Ausland stammenden Pflegekräften des Hans-Rehn-Stifts hilft sie beim Erlernen der deutschen Sprache.

Rohr - Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Kreszentia Mann geborene Zeizel ist da ganz anderer Ansicht: „Man kann und sollte in jedem Alter dazu lernen, das ist ganz sicher möglich und sinnvoll“, so die Seniorin, die auch mit 103 Jahren – diesen Geburtstag hat sie vor wenigen Wochen gefeiert – regelmäßig am Englischkurs im Hans-Rehn-Stift teilnimmt.

Sie ist überzeugt, dass es die „grauen Zellen“ fit hält, in jedem Lebensalter weiter zu lernen. Gerade das Erlernen der englischen Sprache sei heutzutage einfach notwendig: „Ohne gute englische Sprachkenntnisse geht es heute vor allem für junge Leute ja überhaupt nicht mehr“, sagt Kreszentia Mann.

Wenn das kein Altersrekord in Sachen ehrenamtliches Engagement ist: Kreszentia Mann gibt nach wie vor auch eigenes Wissen gern weiter, hilft Pflegekräften im Hans-Rehn-Stift, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, beim Erlernen der deutschen Sprache.

Der Beruf der Lehrerin blieb ein Traum

Am 4. April 1911 ist Kreszentia Mann in Oberzell im Allgäu geboren. Am liebsten wäre sie Lehrerin geworden. „Aber ich bin ja auf einem Bauernhof im Allgäu groß geworden, da gab es nur die Volksschule für uns.“ Und einen langen Schulweg zu bewältigen: fünf Kilometer für sie und ihre sechs Geschwister. Das bedeutete morgens eine Stunde Fußweg bei Wind und Wetter vom elterlichen Hof zum Schulhaus, mittags wieder ebenfalls „per pedes“ zurück.

Der Beruf der Lehrerin blieb ein Traum für sie. Sie wurde Kindergärtnerin, hat diesen Beruf jedoch auch gern ausgeübt. Im Jahr 1939 schloss Kreszentia Mann mit dem Stuttgarter Walter Mann den Bund fürs Leben, den sie in Kempten kennengelernt hatte und zog mit ihm nach Stuttgart. Später nahm sie ihren Neffen Franz, einen Sohn ihrer Schwester, zu sich, der in der Landeshauptstadt das Gymnasium besuchte und anschließend in Tübingen Theologie studierte.

Viele Jahre war Kreszentia Mann ehrenamtlich in der Kirchengemeinde Heilige Familie in Dürrlewang aktiv. Sie sang im Chor dort mit, gestaltete als stellvertretende Leiterin des Seniorenclubs das Programm mit.

„So richtig mit Grammatik, Vokabelheft und Hausaufgaben“

In ihrer Wohnung in Rohr half sie jungen Ausländern dabei, die deutsche Sprache zu erlernen. „So richtig mit Grammatik, Vokabelheft und Hausaufgaben“, erzählt die mit ihr befreundete Karin Fischer von der katholischen Kirchengemeinde in Dürrlewang. Seit drei Jahren wohnt Kreszentia Mann im Hans-Rehn-Stift. Dort fühlt sie sich sehr wohl. Die Seniorin bekommt dort unter anderem auch netten Besuch von ehemaligen Sprachschülern. Die 103-Jährige freut sich daher umso mehr, dass sie nach wie vor als ehrenamtliche Deutschlehrerin aktiv sein kann.

Pflegemitarbeiterinnen aus Italien, Rumänien, Polen und dem Kosovo hat Mann schon geholfen, sich noch besser in der deutschen Sprache zu verständigen. Kreszentia Mann: „Das mache ich immer noch sehr gern.“

Auch die aus dem Kosovo stammende Mitarbeiterin des Heims, Valdete Shabani, findet wie der Pflegedienstleiter Jochen Ackermann das Engagement der 103-jährigen Bewohnerin ganz prima. Valdete Shabani: „Ich bin schon seit 2001 hier in Deutschland. Aber dazu lernen kann man da immer noch.“




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