Hausbesetzung in Stuttgart Besetzer fordern Mietvertrag

Von dud 

Die Menschen, die ein Haus im Stuttgarter Süden besetzt haben, schicken einen Brief an die mutmaßliche neue Eigentümerin in London. Sie fordern, dass eine Alleinerziehende mit Kind und eine Kleinfamilie, die nun in dem Haus wohnen, zu sozialverträglichen Mieten bleiben dürfen.

Die Heslacher Hausbesetzer wollen dauerhaft bleiben. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Die Heslacher Hausbesetzer wollen dauerhaft bleiben. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - In einem offenen Brief an die mutmaßliche neue Eigentümerin des Hauses in der Wilhelm-Raabe-Straße 4 fordert das Besetzerkollektiv, dass die Alleinerziehende mit Kind und die Kleinfamilie für die am Samstag besetzten Wohnungen Verträge zu sozial verträglichen Mieten bekommen. Die anderen bereits im Haus wohnenden Parteien müssten zu gleichbleibenden Mieten dort wohnen bleiben können. Der Brief ist an eine Familie in London gerichtet, offenbar ist eine 63-Jährige aus dieser Familie, die eine Managementberatungsfirma betreibt, die neue Eigentümerin. Näheres wissen auch die langjährigen Mieter nicht, sie sind nur von den Vorbesitzern, einer Erbengemeinschaft, über den Verkauf informiert worden. Die Bewohner befürchten, dass die neue Eigentümerin nach einer Sanierung Mieten erhöht.

In dem direkten Gespräch am Montag habe die 63-Jährige angedeutet, dass eine Alleinerziehende mit Kind im Mai einziehen wolle. „Wenn es sie gibt, dann kommen Sie mit ihr vorbei“, heißt es in dem Brief, „wir wären die Letzten, die Menschen den Wohnraum verwehren, den sie benötigen.“ Die Besetzer fordern, dass die Strafanzeige zurückgezogen und nach einer „einvernehmliche Lösung“ gesucht wird.

„Angesichts der immer dramatischeren Wohnungsnot muss die Stadt endlich ihre passive Haltung aufgeben und dafür sorgen, dass leistbarer Wohnraum nicht leer steht, sondern belebt wird“, forderte die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus. Sie erinnerte OB Fritz Kuhn (Grüne) an eine Passage aus seiner Antrittsrede 2013, wonach Stuttgart erst dann kinderfreundlich sei, wenn Familien mit Kindern den Wohnraum in der Stadt bezahlen könnten. „In den besetzten Wohnungen leben nun Familien mit Kindern“, sagte Fraktionssprecher Thomas Adler. Dass eine der Wohnungen mehr als ein Jahr leer gestanden habe, stehe stellvertretend „für geduldete Spekulation seitens der Stadt“.

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