Hemdenhersteller aus Bietigheim Warum Olymp jetzt umweltfreundlich werden will

Bis 2025 sollen 100 Prozent der Olymp-Produkte wie beispielsweise Hemden das „Green Choice“-Label bekommen. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Mikroplastik, Weichmacher, Kinderarbeit: Die Textilbranche hat viele Probleme. Spezielle Kleidersiegel sollen zeigen, dass dem nicht so ist. Was sagen Verbraucherschützer?

Digital Desk: Lotta Wellnitz (loz)

Bietigheim-Bissingen - Millionen Pakete werden jeden Tag bis vor die Haustür geliefert. Die Deutschen bestellen gerne und viel – vor allem Kleidung. Dabei steht die Textilbranche stark in der Kritik. Nachhaltigkeit und Transparenz sind ein Problem, kaum eine Firma hat dabei eine blütenweiße Weste. Um diese allerdings zu bekommen, wird auf verschiedene Kleiderlabels zurückgegriffen – oder sich selbst ein solches geschneidert. Jetzt geschehen beim aus Bietigheim-Bissigen stammenden Unternehmen Olymp. Die Siegel sollen Verbrauchern zeigen, wie nachhaltig und umweltschonend Produkte und deren Herstellung sind.

 

Green Choice bis 2025 für alle Olymp-Produkte

Olymp nennt sein Label „Green Choice“. Das Familienunternehmen vertreibt seit 1951 Herrenmode, spezialisiert ist es auf Hemden. Es vergibt das Siegel an seine Produkte, wenn diese aus nachhaltigem Material produziert und beziehungsweise oder umweltschonend hergestellt wurden. Das betrifft Hemden, Strickjacken oder T-Shirts aus allen Produktlinien. Welche genau damit gelabelt sind, kann man auf der Webseite nachlesen. In der diesjährigen Herbstkollektion werden 63 Prozent der Hemden das Label tragen, bis 2025 sollen 100 Prozent der Produkte den eigenen Anforderungen genügen, so Mark Bezner, Geschäftsführender Gesellschafter von Olymp. „Aus Studien geht hervor, dass sich Menschen zwar Orientierung zum Thema Nachhaltigkeitwünschen, die Vielfalt an Nachhaltigkeitszertifikaten und -labels, die es mittlerweile am Markt gibt, aber als unübersichtlich empfinden.“ „Green Choice“ bündle das, sei „Wegweiser“. Den Kunden scheint es zu gefallen. So zeichne sich bereits jetzt ab, dass „Green Choice ein nachhaltiger Erfolg werden wird“, schreibt Olymp. Vereinzelt können Produkte allerdings minimal teurer werden, weil nachhaltige Rohstoffe in Erzeugung, Beschaffung und Produktion noch immer teurer seien als konventionelle.

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Wann ein Produkt die Kriterien in einer der beiden Kategorien erfüllt, wird über ein eigenes Bewertungssystem entschieden. Das nutzt bekannte Standards und Branchen-Zertifikate als Nachweissysteme, die wiederum unterschiedlich gewichtet werden. So muss ein Produkt zum Beispiel zwischen 50 und 100 Prozent aus nachhaltigen Rohstoffen, wie Bio-Baumwolle, entstehen. Liegt der Anteil darunter, müssen in der anderen Kategorie „umweltfreundliche Herstellung“ Kriterien erfüllt sein, zum Beispiel weil das Produkt nach dem Standard Made in Green by Oeko-Tex hergestellt wurde, so Bezner. Laut Greenpeace zählt das Siegel zu den strengeren, steht für die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards.

Kritik an privatem Siegel von der Verbraucherzentrale

Verbraucherschützer sehen „Green Choice“ kritisch. Grund: Es sei ein rein privates Siegel, das ein eigenes Unternehmenskonzept nutze, um andere private Siegel und Initiativen zu bewerten. „Verbraucher wissen nicht, wie nachhaltig die gekennzeichneten Produkte wirklich sind“, begründet Niklaas Haskamp von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Vorbehalte. Firmen würden dadurch versuchen, mit dem Trend Nachhaltigkeit mitzugehen und einer stärkeren Regulierung dieser Produkteigenschaft entgegenzuwirken.

Wie glaubwürdig sind Nachhaltigkeitssiegel?

Ist das Label also nicht glaubwürdig? Das Bietigheimer Unternehmen widerspricht. Mitunter würden auch staatliche Siegel auf dieselben privaten Zertifikate zurückgreifen. Es sei wichtig, Nachhaltigkeitsaspekte transparent zu machen. Kunden könnten auf der Firmenwebseite die „Green Choice“-Standards und Siegel nachlesen, so Bezner. Das Problem der Vielzahl an Labels ist laut Verbraucherschützer Haskamp, dass sie niemand von außen wirklich prüfen könne, eine verbindliche Kennzeichnungsvorschrift fehle zusätzlich. Auch die Kontrolle des freiwilligen staatlichen Siegels „Grüner Knopf“ des Bundesentwicklungsministeriums beruhe zum einen auf Selbstauskünften der Unternehmen, zum anderen auf privaten Zertifikaten, so Haskamp. Das Siegel steht für die Einhaltung von 46 Sozial- und Umweltstandards. Der Verbraucherschützer fordert verschärfte Lieferkettengesetzte, auch auf europäischer Ebene. „Menschenrechts- und umweltbezogene Sorgfaltspflichten müssen rechtsverbindlich in einem Lieferkettengesetz verankert werden“, sagt er.

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