Hilfe aus Waiblingen Das Schicksal Kobanes ist aus dem Interesse gerückt

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Aygül Aras aus Waiblingen ist von ihrem zweiten Hilfseinsatz an der türkisch-syrischen Grenze zurück. Die Lebensumstände der Flüchtlinge beschreibt sie als schier unerträglich.

Aygül Aras (Zweite von links) bei der Ankunft in der Grenzstadt Suruc Foto: privat
Aygül Aras (Zweite von links) bei der Ankunft in der Grenzstadt Suruc Foto: privat

Waiblingen - Wenn man helfen will, muss man stark sein. Also habe ich mir gesagt, vergrabe deine Gefühle unter einem Stein“, sagt Aygül Aras, während ihr Tränen in die Augen steigen. „Ich verstehe diese Welt manchmal nicht mehr. In den letzten vier, fünf Jahren war es in meiner Heimat so schön, und jetzt ist alles ganz anders geworden“, sagt die Kurdin, die seit vielen Jahren in Waiblingen lebt und hier durch ihr ehrenamtliches Engagement in der Bürgeraktion Korber Höhe und im Integrationsrat bekannt ist.

Dersim in Ostanatolien ist trotzdem immer noch Heimat für sie. Ihren Landsleuten in der Not beizustehen, ist ihr eine Herzensangelegenheit, egal ob sie Opfer von Erdbeben wurden wie vor vier Jahren oder ob sie vor der Terror-Miliz des IS aus Syrien geflohen sind. „Es sind rund 200 000 Menschen, die in mehreren Flüchtlingslagern an der Grenze leben“, sagt sie. Am 23. Dezember ist sie zum zweiten Mal in das Gebiet um die nach wie vor umkämpfte Stadt Kobane gefahren, um dort Hilfsgüter zu kaufen und zu verteilen. Der Verein Freunde helfen Freunden, der 2011 gegründet wurde, um den Erdbebenopfern in der Region Van zu helfen, hatte innerhalb kürzester Zeit rund 8500 Euro gesammelt.

Es gibt zwar Strom, doch dieser fällt ständig aus

Nach wie vor fehle es vor allem an Lebensmitteln. „Wir kaufen diese vor Ort und transportieren sie in die Flüchtlingslager.“ Dort herrschten unsägliche Zustände. „Es gibt jetzt zwar Strom, aber der fällt oft für viele Stunden aus. Dann kann man in den Zelten nicht mehr heizen. Es ist dort sehr kalt im Winter. Wasser gibt es dann auch keines, weil ohne Strom die Pumpen nicht gehen.“ In einem der Camps leben rund 4000 Menschen in 400 Zelten, hauptsächlich Frauen, Kinder und alte Menschen.

Hilfe komme hauptsächlich aus der Bevölkerung vor Ort. „Aber es sind auch ehrenamtliche Helfer aus der ganzen Türkei dort.“ Untergebracht seien diese in Suruc bei Familien. „Es gibt dort kein Hotel, nur ein Gästehaus, das bereits mit Delegationen belegt ist.“ Sie habe Menschen aus der ganzen Welt dorthin kommen sehen. Auf einem der Fotos, die sie gemacht hat, sind chinesische Besucher zu sehen. Sie selbst habe zusammen mit anderen Helfern bei einer dreiköpfigen Familie in einer Dreizimmerwohnung gelebt. „Wir waren 20 Personen in der Wohnung. Das war manchmal nicht einfach.“

Brandgefahr durch elektrische Öfen in den Zelten

Trotz der beengten Unterkünfte für die Helfer seien diese aber allemal besser als die der Flüchtlinge. Die elektrischen Öfen brächten zwar Wärme, seien aber auch gefährlich. „Die Zelte bestehen aus dünnem Kunststoff, der leicht brennen kann. Ein Zelt hat tagsüber zu brennen begonnen und konnte schnell gelöscht werden. Wenn das nachts passiert wäre, hätte das ganze Lager in Flammen aufgehen können“, sagt Aras.

Der Verein ist bereits wieder dabei, für eine weitere Lieferung zu sammeln. Diese soll im Februar verteilt werden.