Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Grauenhafte Atemluft

Ein besonderes Problem Problem in vermüllten Messie-Haushalten ist die grauenhafte Atemluft. „Zu den seelischen Problemen der Messies treten oft körperliche Beschwerden, vor allem Atemwegserkrankungen“, sagt Michael Schröter. Denn Messies lüften nicht, sie können es oft gar nicht, weil alles in der Wohnung zugestellt ist. Dazu kommt nicht selten der Gestank von verdorbenen Lebensmitteln.

Und natürlich spielt Ungeziefer eine Rolle. Kakerlaken sind noch das geringere Problem. Vor allem in Erdgeschosswohnungen werden auch Mäuse und Ratten Mitbewohner. Schröter erinnert sich an eine Räumaktion, bei der ein Messie mit rund 50 toten und 50 lebenden Mäusen hauste. Die Nagetiere waren vom bestialischen Gestank im Haus angelockt worden. Bei derartigen Extremfällen setzt Schröters Team schon einmal Atemschutzmasken auf.

Bis zu 10 000 Euro kostet die Entmüllung

Doch mit dem Wegbringen von Unrat ist es nicht getan. Zu Schröters Arbeit gehört auch, zusammen mit dem Messie ein Konzept zu entwickeln, damit sich nicht wieder Papierberge und Gegenstände aller Art ansammeln. Ohnedies weiß er, dass hinter dem Messie-Syndrom eine seelische Krankheit steckt. Meist seien die Betroffenen vereinsamt und fühlten sich ausgegrenzt. Sie lassen aus Scham über ihre Unordnung niemanden mehr in ihre Wohnung. „Es braucht oft erst einen Zwischenfall, etwa einen Wasserrohrbruch, damit jemand die Räume des Messies betritt. Die Betroffenen empfinden es dann als Erleichterung, wenn ihr Schicksal bekannt wird.“

Seine ersten Erfahrungen mit Messies sammelte der Altenpflegehelfer bei der Caritas. „Ich war erschrocken, als ich die ersten Messie-Wohnungen sah, aber dann wurde ich neugierig“, erinnert er sich. So entstand sein Dienstleistungsbetrieb zur Räumung von vermüllten Wohnungen. Schröter arbeitet dabei mit Sozialbehörden zusammen. Bis zu 10 000 Euro kostet das Aufräumen einer total verwahrlosten Wohnung. In gut der Hälfte der Fälle können Messies das Geld selber aufbringen, andernfalls springt der Staat ein.

Der Gründer und Leiter der Messie-Akademie will die Hilfe für Betroffene nun auf ganz Deutschland ausweiten. In mehrwöchigen Kursen bildet er Messie-Hilfe-Fachkräfte aus. Er will dazu in größere Städte kommen und die Seminare dort abhalten. Die Helfer sollen in Messie-Wohnungen aktiv werden. „Es geht nicht um Therapie, die wir gar nicht leisten können, es geht um praktische Unterstützung in der Wohnung selbst“, bekräftigt er. Für die Therapie seien Psychotherapeuten gefragt.

„Animal Hoarding“: Die Tiermessies

Bsonders dramatisch wird die unkontrollierbare Leidenschaft, wenn Lebewesen im Spiel sind. Tierschützer und Veterinäre nennen es „Animal Hoarding“ – Tierhorten oder Tiersammeln. „Es geht um das pathologische Sammeln von Tieren - und zwar in sehr großen Mengen“, sagt Elke Deininger, Veterinärin bei der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes. Bis vor wenigen Jahren sei dieses Phänomen in Deutschland weitgehend unbekannt gewesen, während es in den USA längst als psychische Störung anerkannt ist. Doch seit dem ersten großen Animal-Hoarder-Fall 2003 nehme die Zahl der Fälle kontinuierlich zu.

Diese spezielle Form des Messie-Syndroms ist bisher kaum erforscht. Experten vermuten, dass Vernachlässigungen in der Kindheit oder ein pervertierter Pflegetrieb Ursachen sein könnten. Auch massive seelische Verletzungen und Kränkungen können dazu führen, dass sich ein Mensch derart isoliert und in eine Pseudowelt vergräbt. Die Tiere werden zum Trostspender und Ersatz für fehlende Zuwendung und Kommunikation.„Animal Hoarder sind mehrheitlich Einzelpersonen, die sich von ihrer Umwelt total zurückgezogen haben“,, erläutert Elke Deininger. „Sie schotten sich ab, lassen niemanden in ihre Wohnung.“ So kann es passieren, dass Vermieter und Nachbarn oft jahrelang nichts von dem „Hobby“ des Hausbewohners merken.

Gestank, Ungeziefer und Tonnen von Müll

Grauenhafte Atemluft

Ein besonderes Problem Problem in vermüllten Messie-Haushalten ist die grauenhafte Atemluft. „Zu den seelischen Problemen der Messies treten oft körperliche Beschwerden, vor allem Atemwegserkrankungen“, sagt Michael Schröter. Denn Messies lüften nicht, sie können es oft gar nicht, weil alles in der Wohnung zugestellt ist. Dazu kommt nicht selten der Gestank von verdorbenen Lebensmitteln.

Und natürlich spielt Ungeziefer eine Rolle. Kakerlaken sind noch das geringere Problem. Vor allem in Erdgeschosswohnungen werden auch Mäuse und Ratten Mitbewohner. Schröter erinnert sich an eine Räumaktion, bei der ein Messie mit rund 50 toten und 50 lebenden Mäusen hauste. Die Nagetiere waren vom bestialischen Gestank im Haus angelockt worden. Bei derartigen Extremfällen setzt Schröters Team schon einmal Atemschutzmasken auf.

Bis zu 10 000 Euro kostet die Entmüllung

Doch mit dem Wegbringen von Unrat ist es nicht getan. Zu Schröters Arbeit gehört auch, zusammen mit dem Messie ein Konzept zu entwickeln, damit sich nicht wieder Papierberge und Gegenstände aller Art ansammeln. Ohnedies weiß er, dass hinter dem Messie-Syndrom eine seelische Krankheit steckt. Meist seien die Betroffenen vereinsamt und fühlten sich ausgegrenzt. Sie lassen aus Scham über ihre Unordnung niemanden mehr in ihre Wohnung. „Es braucht oft erst einen Zwischenfall, etwa einen Wasserrohrbruch, damit jemand die Räume des Messies betritt. Die Betroffenen empfinden es dann als Erleichterung, wenn ihr Schicksal bekannt wird.“

Seine ersten Erfahrungen mit Messies sammelte der Altenpflegehelfer bei der Caritas. „Ich war erschrocken, als ich die ersten Messie-Wohnungen sah, aber dann wurde ich neugierig“, erinnert er sich. So entstand sein Dienstleistungsbetrieb zur Räumung von vermüllten Wohnungen. Schröter arbeitet dabei mit Sozialbehörden zusammen. Bis zu 10 000 Euro kostet das Aufräumen einer total verwahrlosten Wohnung. In gut der Hälfte der Fälle können Messies das Geld selber aufbringen, andernfalls springt der Staat ein.

Der Gründer und Leiter der Messie-Akademie will die Hilfe für Betroffene nun auf ganz Deutschland ausweiten. In mehrwöchigen Kursen bildet er Messie-Hilfe-Fachkräfte aus. Er will dazu in größere Städte kommen und die Seminare dort abhalten. Die Helfer sollen in Messie-Wohnungen aktiv werden. „Es geht nicht um Therapie, die wir gar nicht leisten können, es geht um praktische Unterstützung in der Wohnung selbst“, bekräftigt er. Für die Therapie seien Psychotherapeuten gefragt.

Messie-Akademie oder Entrümpelungsdienst?

Schröters Akademie-Gründung stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die nicht mit Michael Schröter verwandte Veronika Schröter etwa, eine Heilpraktikerin für Psychotherapie, die seit 2001 in Freiburg das Institut für Messie-Therapie und in Stuttgart ein Messie-Kompetenz-Zentrum betreibt, fragt: „Wie kann er es wagen, eine Akademie zu gründen?“ Dafür fehle dem 64-Jährigen schlichtweg der wissenschaftliche Hintergrund. Der Name sei zu hoch gegriffen.

Denn letztlich sei Schröters Unternehmen nichts anderes als ein Entrümpelungsdienst. „Vielleicht braucht man diesen Mut“, argwöhnt die Expertin, die von 2010 bis 2012 maßgeblich an einer wissenschaftliche Studie der Uni Freiburg zum Messie-Syndrom beteiligt war.

Rat und Hilfe können Betroffene und ihre Angehörigen auch beim „HERA“-Team des Caritasverbandes für Stuttgart einholne. „HERA“ steht für „HElfen und Räumen. „In gemeinsamer Anstrengung mit dem Bewohner/der Bewohnerin führen wir die entgleisten Wohnverhältnisse zurück in eine Form, in der man sich wieder wohl fühlen kann und die auch Nachbarn und Vermieter ruhig schlafen lässt“, heißt es auf der Homepage des Stuttgarter Caritasverbandes.