InterviewHilfe im Notfall „Man kann nichts falsch machen“

Von Leonie Schüler 

Wenn jemand in Not ist, ist nur zu gaffen und nicht zu helfen, immer die schlechteste Variante, sagt der Rettungssanitäter Dieter Lutz aus Stuttgart-Vaihingen. Im Interview gibt er Tipps, wie man sich verhalten sollte.

Dieter Lutz ist Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart-Vaihingen. Foto: Waltraud Daniela Engel
Dieter Lutz ist Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart-Vaihingen. Foto: Waltraud Daniela Engel

Vaihingen - Nur zu gaffen und nicht zu helfen, ist immer die schlechteste Variante, betont der Vaihinger Rettungssanitäter Dieter Lutz. Jeder kann helfen.

Herr Lutz, wie oft sollte man einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischen?

Meines Erachtens sollte man das alle zwei Jahre machen. Das ist auch die Vorgabe für Betriebshelfer. Zum einen ist das gut, weil man das Wissen glücklicherweise selten anwenden muss, aber auch, weil immer wieder neue medizinische Erkenntnisse hinzukommen und sich an den Vorgaben etwas ändern kann.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die Herzdruckmassage wird inzwischen vorgegeben mit 30-mal drücken, zweimal beatmen bei einer Frequenz von zirka 120. Das entspricht pro Sekunde zweimal drücken und ist schneller, als man denkt.

Warum besuchen die wenigsten regelmäßig einen Kurs?

Es ist nicht jedermanns Sache, sich einen Samstag oder zwei Abende dafür Zeit zu nehmen. Viele verdrängen die Notwendigkeit und denken, bisher habe ich es ja auch nicht gebraucht.

Erleben Sie oft, dass Menschen zögern, zu helfen?

Das ist sehr unterschiedlich. Wichtig ist, dass die Leute nicht nur gaffen, sondern wenigstens einen Notruf absetzen. Bestenfalls wird auch schon mit Lagerung, Beatmung oder Herzdruckmassage begonnen, denn da läuft die Zeit.

Hindert die potenziellen Helfer ihre Angst, etwas falsch zu machen?

Unbewusst sicherlich. Dabei kann man nichts falsch machen. Wenn jemand stark blutet, ist es egal, ob der Verband schön ist oder nicht. Wichtig ist, dass es aufhört, zu bluten.

Was kann man tun, wenn man sich in der Notsituation nicht mehr erinnert, was jetzt zu tun ist?

Die Mitarbeiter in der Leitstelle sind dazu ausgebildet, am Telefon Anleitungen zu geben. Man kann sein Handy auf laut stellen, neben sich legen und sich von den Kollegen so lange sagen lassen, was zu tun ist, bis der Rettungsdienst da ist.

Wie ist es mit der Sorge, haften zu müssen, falls etwas schiefgeht?

Nein, das ist unbegründet. Viel eher wird man wegen unterlassener Hilfeleistung belangt.

Sollten auch Kindergartenkinder schon an Erste Hilfe herangeführt werden, wie es in anderen Ländern üblich ist?

Im Raum Stuttgart gibt es das noch nicht, aber das ist durchaus sinnvoll. Neulich habe ich einen Beitrag gesehen, wie sich in Skandinavien Vierjährige an der Herz-Lungen-Wiederbelebung versuchen. Da fehlt natürlich noch die Kraft, aber es geht um das spielerische Heranführen und darum, die Scheu zu verlieren. Auch Vorschulkinder können schon den Notruf 112 wählen und sagen, was passiert ist.

Sonderthemen