Hilfsangebot in S-Nord Mittagstisch für Bedürftige im Hinterhof

Caritas-Mitarbeiter achten darauf, dass Abstände bei der Essensausgabe im Kirchhof von St. Georg eingehalten werden. Foto: Eva Funke

Die katholische Kirchengemeinde von St. Georg stellt der Caritas in Stuttgart-Nord ihren Kirchhof zur Verfügung, damit dort Menschen in Würde essen und sich im Gespräch begegnen können.

Stuttgart-Nord - Die beiden weißen Zelte im Hinterhof der katholischen Kirche St. Georg sind von der Heilbronner Straße aus nicht zu sehen. Doch mittlerweile hat es sich rumgesprochen, dass sich die Caritas Stuttgart und die Kirchengemeinde zusammengetan haben, damit im Kirchhof Essen an Bedürftige ausgegeben werden kann: An diesem Tag gibt es Linsen mit Saitenwürstle und Knöpfle. Die Kirchengemeinde stellt den Hof zur Verfügung, die Caritas übernimmt die Essensausgabe. Damit ist St. Georg eine von drei Kirchengemeinden in Stuttgart, die als Zweigstelle der Vesperkirche in der Leonhardskirche ein warmes Essen an die Besucher ausgeben. „Dadurch soll wegen Corona der Betrieb in der Leonhardskirche entzerrt werden“, sagt Gemeindereferentin Christine Göttler-Kienzle.

 

Das Angebot von Caritas und St. Georg-Gemeinde besteht allerdings schon einen Monat länger als die Vesperkirche und soll auch nach Ende der Vesperkirche am 6. März mindestens noch bis Ostern aufrecht erhalten werden. Hintergrund ist, dass der Aufenthaltsraum in der Tagesstätte der Caritas an der Olgastraße 46 wegen Corona seit März des vergangenen Jahres geschlossen ist. Für die rund 35 Wohnsitzlosen und Bedürftigen, die regelmäßig die Tagesstätte besuchen, bedeutet das, dass sie dort nach wie vor ein Frühstück bekommen – inklusive Schlange stehen.

„Beim Mittagessen wollten wir diese Situation verhindern. Unsere Gäste sollen in Würde essen können und nicht in Hauseingängen oder auf Treppen sitzen müssen“, sagt Kai Koch von der Caritas-Tagesstätte. In den Zelten stehen drei Biertischgarnituren. Pro Bank sind vier Personen zugelassen. Kommen mehr, dann müssen sie warten. „Sicherheitshalber sind auch alle registriert. Bisher hatten wir nur einen Coronafall im Hauswirtschaftsbereich“, stellt Koch fest. Seine Erfahrung mit dem Angebot im Kirchhof von St. Georg ist positiv: „Die Leute halten sich an die Abstandsregeln und tragen Maske.“ Und darauf, dass die Zelte gut durchlüftet sind, achteten die Caritas-Mitarbeiter.

Weil der Kirchhof ruhiger ist als die Vesperkirche, fühlen sich einige Besucher dort auch wohler wie zum Beispiel Franz Bittner. Der 80-jährige ehemalige Hausmeister kommt seit etwa 15 Jahren zum Essen in die Tagesstätte an der Olgastraße. Mit einer Rente von unter 1000 Euro bleibe einem nicht viel anderes übrig, sagt er. Für ihn wichtig: Dass man sich im Kirchhof zum Essen hinsetzen und sich mit anderen Besuchern austauschen kann. Sozialarbeiter sind auch vor Ort, falls der eine oder andere über Belastendes sprechen möchte. Koch: „Hinter der Maske sieht man das Menschen aber nicht an.“

Göttler-Kienzles Erfahrung: Immer mehr Menschen wie Franz Bittner nehmen das kostenlose Mittagsessen an, das vom Rudolf-Sophien-Stift kommt. „Die Altersarmut nimmt zu“, hat sie beobachtet. Ihr Credo: „Wir leben in einer heilen Welt und als Christen müssen wir doch dort helfen, wo Not ist.“

So hat es wohl auch der Kirchengemeinderat gesehen. Mehrheitlich hat er zugestimmt, der Caritas die Fläche für den Mittagstisch zu überlassen. Göttler-Kienzles Wunsch: „Jetzt, zu Coronazeiten, sind Begegnungen zwischen den Besuchern des Mittagstischs und den Gemeindemitgliedern kaum möglich. Aber im Frühjahr ändert sich das hoffentlich. Denn Begegnungen seien für den Abbau von Vorurteilen wichtig.“ Auf den Kirchhof als Ausweichort kam die Caritas übrigens rein zufällig. „Eine Weihnachtsfeier war bei uns ja nicht möglich. Als jemand, der immer Rat weiß, wurde mir Frau Göttler-Kienzle genannt“, sagt Gaby Großhans von der Tagesstätte Olga 46. Als Göttler-Kienzle ihr die Kirche und das Gelände zeigte, kam ihr die Idee, im Kirchhof während der Coronabeschränkungen langfristig eine Alternative zum Mittagstisch in der Olgastraße anzubieten.

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