Stadtkind Stuttgart

Hip-Hop Open Special: Marz „Das wird gut!“

Von Martin Elbert 

Nur noch wenige Tage bis zum Hip-Hop Open! In einer kleinen Serie stellen wir euch in den nächsten Tagen die drei jungen Stuttgarter vor, die das Open eröffnen werden und sagen euch außerdem wo danach gefeiert wird. Los geht's mit Marz. Der Stuttgarter Rapper überzeugte letztes Jahr mit dem Mixtape "Hoes, Flows & Tomatoes". Stadtkind sprach mit ihm über das Line-Up.

Letztes Jahr hat Marz sein deutschlandweit beachtetes Mixtape „Hoes, Flows & Tomatoes“ rausgebracht.  Foto: David Doellmann
Letztes Jahr hat Marz sein deutschlandweit beachtetes Mixtape „Hoes, Flows & Tomatoes“ rausgebracht. Foto: David Doellmann

Stuttgart - „Komm wir rappen“: Marz zählt zur jüngeren Generation Stuttgarter Rapper. Letztes Jahr hat er sein deutschlandweit beachtetes Mixtape „Hoes, Flows & Tomatoes“ rausgebracht

Die hohe Qualität gefiel den Hip-Hop Open Organisatoren und verpflichteten Marz, gemeinsam mit seinen Stuttgarter Kollegen Sickless und Nasou („Klasse von '13“), für das Festival. Marz ist natürlich auch echter Hip-Hop-Fan (wie damals Anna) und deswegen sprachen wir mit dem Experten über das diesjährige Line-up.

Was ist dein erster Eindruck, wenn du das Line-Up siehst (bzw. als du es erstmals gesehen hast?)
Das Schöne ist ja, dass das Line-Up bei allen Festivals bis zum Tag der Bändchenausgabe meistens wächst. Von daher mache ich eigentlich immer erst einen Strich drunter, wenn ich mit Kater am nächsten Tag aufwache. Aber mit einem Wort: abwechslungsreich.

Hip-Hop wird also in seiner ganzen Bandbreite gut abgedeckt?
Auf jeden Fall. Wir schreiben das Jahr 2000-Internet und es gibt so viel, dass ich froh bin, da nicht Booker zu sein und den Daumen heben oder senken zu müssen. Ein Festival muss ja auch immer mit der Zeit gehen - und was die Planung angeht, sogar einen Tick voraus sein. Das ist ganz gut gelungen, denke ich.

Casper ist einer der Headliner, längst ein deutscher Popstar, füllt die Schleyerhalle. Man kann sagen, ja der rappt, aber sonst wird da Hip-Hop musikalisch sehr weit gedehnt. Ist Casper – ähnlich wie die z.B. Die Orsons – ein gutes Beispiel dafür, wie offen und interessiert die Hörer für neue Sounds sind?
Das hat jetzt gar nicht so mit neuen Sounds zu tun, denke ich, sondern eher mit Qualität. Die Hörerschaft sollte ja im Idealfall musikalisch und inhaltlich mitwachsen, was bei dem angesprochenen Kollegen gegeben ist. Und dabei wurden ja auch nie die Wurzeln vernachlässigt. Siehe zum Beispiel das Intro von Casper auf dem Splash-Festival letztes Jahr. Auf so etwas hoffe ich ja dieses Jahr auch, wenn schon „Hip-Hop“ im Festivalnamen steckt.

Nas ist dagegen definitiv HipHop. Eine Legende. Er spielt sein erstes Album „Illmatic“ von 1994, das weltweit als eines der besten Hip-Hop-Alben überhaupt gilt. Die Reaktion des Publikums wird interessant sein, das zu einem nicht kleinen Teil überwiegend 1994 oder später geboren wurde. Was denkst Du?
Einmal feiert dieser Sound aus den Mittneunzigern ein Comeback. Viele Bands aus der Zeit touren ja mit ihren alten Alben und vor allem geht der Sound vieler Rapper hierzulande auch wieder eher in die 90iger Richtung. Dazu hatte das Open in den letzten beiden Jahren mit der Kolchose und den Beginnern/WuTang immer so einen sagen wir „Gute-Zeiten-Slot“. Der ist mit Nas dieses Jahr auf jeden Fall würdig besetzt. Das wird gut! Das muss gut werden!

Ist es nicht so, dass Ami-Acts oft enttäuschen, egal wie toll sie eigentlich sind? Gelangweilte Auftritte, frei nach dem Motto, ach, ich bin eh nur in Deutschland, Gage ist aufm Konto, die Stunde hau ich jetzt halt irgendwie runter...
War eher mal so. Das muss wohl auch damit zu tun haben, dass Europa von den Ami-Rappern nicht mehr so belächelt wird. Speziell auf Nas bezogen, mache ich mir keine Sorgen. Er wird schon selbst am besten wissen, welches seine beste Zeit war und er muss ja nichts beweisen. Ich kann mir eher vorstellen, dass es ihm einen Heidenspaß machen wird, das alte Zeug noch mal schön mit Band und vor Festivalpublikum spielen zu können.

Haftbefehl ist dagegen einer der aktuell erfolgreichsten wie kontroversesten Deutsch-Rapper. Seine Verpflichtung fürs HHO wurde heiß diskutiert, es gab sowohl Applaus als auch viel Empörung. Was denkst du darüber? Passt der rein?
Großartig, dass das Open die Eier hat Hafti zu buchen! Nach der Sido-Azad-Situation damals wurden ja jahrelang keine Acts mit Straßenumfeld etc. auf die gängigen Rap-Festivals gebucht. Von daher sehe ich das als Statement. Es wächst ja auch alles immer weiter zusammen. Und natürlich passt er rein. Aus Fansicht feier ich das. Großartiger Rapper. Bietet Abwechslung. Und Hafti ist nun mal der Babo.

Afrob ist zurück und seit vielen Jahren wieder auf dem Open dabei. Für viele Stuttgarter MCs der neueren Generation gilt er als Vorbild. Für dich auch?
Ja. Stuttgart Pfaffenäcker meldet sich zu Wort. Es ist der Platz, es ist der Geist, es ist der Ort – check ab!

Gerade im Netz wird kontrovers und mitunter auch in einem bösen Tonfall über das Line-Up diskutiert. Manchmal hat man das Gefühl, einige Hip-Hop-Fans hängen in ihrer speziellen Schublade drin und was links und rechts passiert, ist ihnen nicht nur egal, sondern sie finden es auch direkt scheiße. Wirkt mitunter sehr dogmatisch. Woher kommt das deiner Meinung nach gerade bei Hip-Hop?
Also erst einmal war, oder bin ich ja selbst so, Schwabe halt. Erstmal kritisieren. Aber wenn du dich nun mal für dieses Hip-Hop-Ding interessierst ist es am Tag des Opens wie in Köln beim Karneval. Entweder du gehst hin oder bist nicht in der Stadt.

Du gehst dieses Jahr auf jeden Fall – und eröffnest mit deinen Kollegen Sickless und Nasou auf der Bühne das diesjährige Open. Was ging dir durch den Kopf als die Anfrage kam?
Ganz ehrlich? Dass mein Burger kalt wird. Sickless und ich waren in Berlin, hatten mit Bärenhunger endlich den gesuchten Laden gefunden und zeitgleich zum Essen kam der Anruf. Aber da Prioritäten bekanntlich Leben lenken, gab´s den dann eben in kalt. Klingt jetzt vielleicht komisch, aber am meisten freut es uns, für die Leute im Umfeld, die sich noch mehr freuen als wir selbst. Bei uns kommt das dann durch, wenn wir geliefert haben, denk ich.

Was hast du für deinen Slot vorbereitet?
Tracks gestrichen. Ganz viele Tracks gestrichen. Da wir uns den Slot ja zu dritt teilen und daher natürlich gemeinsame Songs wie der übers Open oder „Klasse von 13“ haben, muss sich jeder etwas reduzieren und kompakt halten.

Nach getaner Arbeit: Auf welchen Act freust du dich am meisten?
Hafti! #hatemenow

Mehr Infos zu Marz gibt's hier.




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