Hochzeitsmesse „Trau Dich“ Modedesignerin aus Großbottwar stellt in Stuttgart aus
Chantal Debnam entwirft Dirndl und Hochzeitskleider. Damit hat sich die 30-Jährige einen Mädchentraum erfüllt.
Chantal Debnam entwirft Dirndl und Hochzeitskleider. Damit hat sich die 30-Jährige einen Mädchentraum erfüllt.
Sie macht, was die Mama beruflich nicht durfte. Chantal Debnam aus Großbottwar erzählt, dass ihre Mutter nach dem Schulabschluss von ihren Eltern diese Ansage bekommen hat: „Mach was G’scheits.“ Also Zahnarzthelferin. Dabei wäre sie doch so gerne Modedesignerin geworden. Chantal musste sich für ihren Berufswunsch allerdings nicht lange verkämpfen. Nach dem Abi am Christoph-Schrempf-Gymnasium in Besigheim hat sie an der Modeschule Kehrer in Stuttgart die Ausbildung zu staatlich anerkannten Modedesignerin gemacht. Bereits während der Schulzeit gründete sie ihre Firma Chantal Ginder Modedesign – Ginder ist ihr Geburtsname.
Der Beruf war dieser Frau mit dem strahlenden Lachen quasi in die Wiege gelegt worden. Die beiden Omas: Schneiderinnen. Und auch ihre Mutter, erzählt Chantal Debnam an diesem Nachmittag im Winter, habe ständig genäht – man könnte auch sagen, sie hat den Berufswunsch halt zum Hobby gemacht. Die kleine Chantal hat bereits in Kindergartenalter Kleider angefertigt: aus Papier für die Barbiepuppe. Später hat sie oft der Mama geholfen, etwa beim Annähen von Glitzersteinchen. Und im Schulunterricht ist sie oft von den Lehrern ermahnt worden, sie möge doch bitte nicht ständig Kleider malen. Ihr erstes, komplett selbst angefertigtes Kleid war das für die Beerdigung der Oma, mit 19 Jahren zur Abizeit. Damals stand bereits längst fest: Weiter geht’s an der Modeschule in der Landeshauptstadt.
Ihr großes Ziel sei es, eines Tages komplett von der eigenen Firma zu leben. Bislang hat Chantal Debnam allerdings immer eine feste Stelle, zunächst arbeitete sie fünf Jahre lang beim Hohenstein-Institut in Bönnigheim, einem Prüfdienstleister für Textilien. Seit Sommer 2023 ist die 30-Jährige Vollzeit bei der Amann Group in Bönnigheim beschäftigt, einem international aufgestellten Hersteller von Garnen.
Im einigen Atelier in einem alten Fachwerkhaus ist die Designerin deshalb zumeist abends und samstags anzutreffen. Ganz schön viel Arbeit. Ein 40-Stunden-Job und dazu die eigene Firma. Junge Leute, die nicht ackern wollen? Von wegen. Für sie, sagt Chantal Debnam, fühle sich das Entwerfen und Herstellen der Dirndl, Hochzeits- und Abendkleider eher an wie ein Hobby. Aber klar, mitunter habe sie wenig Freizeit. Etwa einmal im Monat reist sie trotzdem nach Großbritannien. Ihr Mann Lee Debnam lebt und arbeitete nämlich in Ipswich, einer Stadt nordöstlich von London. „Während dieser Besuche mache ich die englischen Läden unsicher“ – immer auf der Suche nach dem besten Stoff.
Besonders gerne entwirft die Designerin aus Großbottwar Zwei-in-Eins-Mode, also Hochzeitskleider, die nicht nur ein einziges Mal getragen werden, nämlich bei der Trauung. Das sei nachhaltiger, sagt sie. Ihre Brautkleider kosten mindestens 2000 Euro, die Dirndl sind von 650 Euro an zu haben. Bei Chantal Debnam bekommt jede Frau, was sie will: klassisch weiße Kleider und Kleider im Prinzessinnen-Stil, Brautkleider die nach Mittelalter ausschauen, knall-bunte und pechschwarze Kleider. Besonders gefragt seien zurzeit Kleider mit 3D-Blumen. Kürzlich sei eine Dame mit einem sehr ungewöhnlichen Wunsch bei ihr gewesen: ein Hochzeitsdirndl in dunklem Jäger-Grün. Die Großbottwarer Designerin sagt, sie habe bei der Anfertigung mit Accessoires gespielt, mit weißen Überröcken und mit Blumen.
Chantal Debnam wird immer mal wieder für Veranstaltungen gebucht, etwa für eine Messe in München, für ein kleines Oktoberfest an der Ostsee, für ein Fotoshooting für einen Dirndl-Kalender, für einen Shopping-Day in Graz. Corona sei für sie ein großer Durchhänger gewesen, kaum Aufträge seinen reingekommen, weil fast alle Feste und Partys abgesagt wurden. Sie war erstmals im Frühjahr 2023 wieder bei einer Messe – in Ludwigsburg. Mitte Januar hat die ambitionierte Modedesignerin den nächsten Termin: Sie hat einen Stand auf der Messer „Trau Dich!“ in der Liederhalle Stuttgart gebucht. Dort, sagt sie und strahlt, „sollte ich mindestens ein Kleid verkaufen“ – dann seinen zumindest die Ausgaben für die Messe wieder drinnen. Vermutlich werden es aber ein paar mehr Kleider, die Debnam in der Liederhalle unter die Damenwelt bringt.