Hofens Geschichte in alten Ansichten Fast 130 Jahre Ortshistorie auf Postkarten
Wolfgang Zwinz aus Hofen erforscht seit Ende der 1980-er Jahre die Hofener Ortsgeschichte. Nun hat er ein eindrucksvolles Postkartenbuch verfasst.
Wolfgang Zwinz aus Hofen erforscht seit Ende der 1980-er Jahre die Hofener Ortsgeschichte. Nun hat er ein eindrucksvolles Postkartenbuch verfasst.
„Postkartengrüße aus Hofen und vom Max-Eyth-See“ heißt das Buch von Wolfgang Zwinz – eine Fundgrube für diejenigen, die sich gerne mit der baulichen, historischen und kulturellen Entwicklung ihres Ortes befassen. Der Autor aus Hofen hat sehenswerte historische Postkarten von 1895 bis zur Gegenwart in seiner Sammlung.
Und die zeigt eine lange Geschichte. So wurde privaten Verlegern bereits ab 1885 gestattet, Postkarten mit Ansichten herauszugeben. Sie offenbaren im Vergleich zu heute interessante Geschichten, erzählen vom einstigen gut besuchten Strandbad mit vielen Badegästen, einem Strandcafé in den 1930-er Jahren mit Gartenterrasse, Schiffen, die Gäste bringen und einem Sportbad. Ja, sogar ein Leuchtturm vermittelt Urlaubsflair in Stuttgart. Die Postkarten enthüllen, wie der Neckar ehemals verlief und wie Stück für Stück der Max-Eyth-See aus der einstigen Kiesgrube entstand. Kies wurde erst aus dem Neckar und dann ab Mitte der 1920-er Jahre auf dem Gebiet des heutigen Sees abgebaut. Dann kam der Wandel zum Badebereich mit Stausee: 1935 wurde die „Volkserholungsstätte“ eingeweiht. Alles fotografisch dokumentiert. Erst 1970 wurde der See zum Vogelschutzgebiet. Auch die Ortschaft selbst wird von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Es gibt viele Ansichten von den damals beliebten Gasthäusern und Cafés – mit Sicht zum See. Einige der Gasthäuser sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.
Viele Details deuten auf ein reiches kulturelles Leben in Hofen hin. Zwinz vermittelt die Hintergründe stets passend zu den jeweiligen Postkarten. Seine Leidenschaft für die Ortsgeschichte wurde geweckt, als der Bürgerverein Hofen Ende der 1980-er Jahre einen Kulturausschuss gründete, mit dem Ziel, die Geschichte des Ortes aufzuarbeiten. „Mechthilde Köder und Fritz Mauerer haben mich für diese Aufgabe begeistert.“ Sein Aha-Effekt: Postkarten zeigten Orte, Gebäude und Landschaften, die es heute nicht mehr gibt.
Seine Sammlung baute der 65- Jährige aus verschiedenen Quellen auf: Von seiner Mutter bekam er alte Postkarten. Auch bei der Postkartenbörse in der Stuttgarter Liederhalle wurde Zwinz fündig. Das Internet half ihm bei der Suche. Beim Sammeln stellte er fest: „Die Hofener Postkarten gingen hinaus in die Welt“, etwa an ein Freifräulein in Davos in der Schweiz oder an das Infanterie Regiment 1-2 Mühlhausen im Elsass.
Das Ergebnis seiner 30 Jahre währenden Sammel- und Forschertätigkeit präsentiert Zwinz nun in gedruckter Form, übersichtlich und klar gegliedert: Ortsansichten, Neckar und Fähre, Stausee Hofen, Max-Eyth-See, St. Barbara Kirche und Burgruine Hofen. Dazu gibt Zwinz seinen Lesern wichtige historische Details an die Hand, etwa zum Alter Hofens: So wurde der Ort am 18. März 1289 erstmals urkundlich erwähnt. Zwinz beleuchtet die Entwicklung des Max-Eyth-See-Gebiets und blickt auch auf die älteste katholische Kirchengemeinde Stuttgarts: St. Barbara. Im vergangenen Jahr feierte sie ihr 500-jähriges Bestehen. Unweit der Kirche steht ein weiteres historisches Juwel - die mittelalterliche Burgruine. Der anerkannte Ortshistoriker beziffert deren Bauzeit auf 1260 bis 1270.
Die aktuellsten und möglicherweise künftigen Postkartenmotive liefert der Hofener Uwe Ottlinger mit seinen stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen.
Autor Wolfgang Zwinz
ist 1958 in Stuttgart geboren und in Hofen aufgewachsen. Er ist Vermessungstechniker und war in den letzten Jahren im technischen Vertrieb der EnBW tätig. Der aktive Ruheständler ist ausgebildeter Neckarguide, er bietet Führungen an und hält Vorträge.
Das Postkartenbuch
„Postkartengrüße aus Hofen und vom Max-Eyth-See“ gibt es auf dem 32. Hofener Weihnachtsmarkt in der Wolfgangstraße am 2. Dezember, ebenso beim Neugereuter Weihnachtsmarkt am 16. Dezember und es kann per E-Mail unter postkartengruesse-aus-Hofen@email.de bestellt werden, 138 Seiten, 24,50 Euro.