Mietpreise im Kreis Ludwigsburg Im Strohgäu wohnt es sich besonders teuer

Gerlingen verfügt auch über eine begehrte Halbhöhenlage, von der aus man einen herrlichen Blick hat. Oben auf dem Gipfel thront das Bosch-Gebäude. Foto: Werner Kuhnle

7,6 Prozent höhere Mieten: Die Stadt Gerlingen legt ihren aktuellen Mietspiegel vor. Der Abstand zur Barockstadt Ludwigsburg liegt bei plus 3,5 Prozent. In Hemmingen gibt es Änderungen in Bezug auf das Regelwerk.

Die Stadt Gerlingen ist bekanntlich ein teures Pflaster für Mieterinnen und Mieter. Das zeigt auch der neue Mietspiegel, den die Kommune jetzt aktuell vorgelegt hat. Das Werk weist gegenüber dem Vorgängermietspiegel vom März des Jahres 2022 ein durchschnittliches Plus von 7,6 Prozent aus. In Gerlingen ist Wohnen sogar teurer als in der Kreisstadt Ludwigsburg. Das ist im gesamten Landkreis nur noch in Korntal-Münchingen der Fall.

 

In Gerlingen liegen die durchschnittlichen Bestandsmieten demnach 3,5 Prozent über denen von Ludwigsburg. Mit einem durchschnittlichen Mietpreisniveau von 10,80 Euro je Quadratmeter hat Gerlingen nun beinahe den entsprechenden Wert im letzten Stuttgarter Mietpreisspiegel erreicht, der für die Landeshauptstadt 11,04 Euro auswies.

Nettokaltmieten am freien Wohnungsmarkt

Der Mietpreisspiegel, den die Stadt Gerlingen nun vorgestellt hat, wurde vom Mieterbund für Stadt und Kreis Ludwigsburg sowie vom Verband Haus und Grund Region Ludwigsburg fachlich begleitet. Dabei wurden die Mietvertragsabschlüsse der vergangenen sechs Jahre in Gerlingen berücksichtigt und das Mietspiegelpreisniveau mittels einer Messung des Abstands des Mietniveaus zwischen Gerlingen und Ludwigsburg festgelegt.

Bei den ermittelten ortsüblichen Vergleichsmieten handelt es sich um Nettokaltmieten am freien Wohnungsmarkt. Die tatsächliche jeweilige ortsübliche Vergleichsmiete in Abhängigkeit von Größe, Baujahr, Ausstattung und anderen Parametern können Mieter über ein Rechenschema ermitteln, das auf der Internetseite der Stadt zur Verfügung steht.

„Transparenz und Orientierung“

Der aktuelle Gerlinger Mietspiegel, der zum 1. Januar in Kraft getreten ist, ersetzt den vorigen aus dem Jahr 2022. Der Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos), betont, dass der Mietspiegel „Transparenz und Orientierung für Vermieter und Mieter auf dem Wohnungsmarkt und Unterstützung bei der Einigung zwischen den jeweiligen Mietparteien bezüglich der Miethöhe“ biete.

In der letzten Gemeinderatssitzung vor Weihnachten hatten Horst Weiermüller, Erster Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümervereins Gerlingen, sowie der Vorsitzende des Mieterbunds Ludwigsburg, Eckart Bohn, den neuen Mietspiegel vorgestellt. Bohn unterstrich, dass der Mietspiegel dem Rechtsfrieden zwischen Mietern und Eigentümern diene.

Menschen mit weniger Einkommen haben das Nachsehen

In Bezug auf das hohe Mietniveau sagte Bohn, dass in Gerlingen Neuzuzug vor allem für Gutverdiener möglich sei, „andere haben hier kaum eine Chance“. Der Mieterbundchef erwartet, dass Einkommensschwächere ins günstigere Umfeld von Gerlingen ausweichen müssen. Das hohe Mietniveau sei eine Folge der guten Infrastruktur Gerlingens und der Anbindung an Stuttgart sowie der Nähe zu attraktiven Unternehmen wie Bosch und Trumpf.

Weil der Gesetzgeber die Möglichkeiten zur Mietanpassung beschränkt, liegen die durchschnittlichen Bestandsmieten üblicherweise unter denen der aktuell am Markt gehandelten Angebotsmieten. So ist im Internet in Bezug auf die Angebotsmieten für das Jahr 2023 für Gerlingen von einer Durchschnittsmiete von 13,87 Euro zu lesen.

Land hat Förderung eingestellt

Auch Hemmingen hat sich jüngst mit dem Thema beschäftigt. Statt einem qualifizierten gibt es für die Gemeinde nun einen einfachen Mietspiegel. Im August 2019 trat in Hemmingen erstmals ein Regelwerk in Kraft, in dem die Bevölkerung nachlesen kann, welche Miete im Ort üblich ist. Bis dato orientierte sie sich an Ludwigsburg und musste einen Abschlag von zehn Prozent vornehmen, um herauszufinden, ob die Miete in der Gemeinde der ortsüblichen Vergleichsmiete entspricht.

Hemmingen erstellte den qualifizierten Mietspiegel damals im Rahmen einer vom Land Baden-Württemberg geförderten Kooperation mit Kornwestheim und Ludwigsburg. Ein qualifizierter Mietspiegel ist genauer als ein einfacher, aber auch weitaus teurer. Er entsteht nach wissenschaftlichen Grundsätzen. Als Datengrundlage werden Haushalte detailliert nach ihrer Wohnsituation befragt. Mittlerweile fördert das Land die Erstellung finanziell nicht mehr.

Preise um fast sieben Prozent gestiegen

Dennoch will Hemmingen für die Bürgerinnen und Bürger den Service eines Mietspiegels „weiter möglichst kostengünstig und ohne großen eigenen Personalaufwand aufrechterhalten“. Das sagt Elke Baum vom Amt für Liegenschaften. Daher habe man das Angebot des Vereins Haus und Grund und Deutschen Mieterbunds angenommen, für rund 2000 Euro einen einfachen Mietspiegel für Hemmingen zu erstellen.

Die Werte sind laut Baum inhaltlich und preislich an den neuen Mietspiegel der Stadt Ludwigsburg angelehnt. Die Abstandsmessung in Bezug auf das unterschiedliche Mietpreisniveau sei mittels „sorgfältiger statistischer Auswertungen von aktuellen Marktdaten“ erfolgt. Im Durchschnitt aller Wohnungen liege der Preisabstand bei minus 10,9 Prozent und die durchschnittliche Kaltmiete bei 9,40 Euro pro Quadratmeter. Die Preissteigerungsrate zum Vorgängermietspiegel schätze der beauftragte Statistiker auf etwa 6,6 Prozent.

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