Hunde-Demo in Esslingen Häufchen sorgen für einen Haufen Ärger

Die Hundebesitzerinnen Sandra Stark und Julia Zimmermann mit Lui, Mia und Niilo Foto: Roberto Bulgrin

Das stinkt zum Himmel, meinen Esslinger Hundebesitzerinnen. Im Stadtgebiet gibt es keine Stationen für Hundekotbeutel. Darum rufen sie am Sonntag, 28. April, zu einem Protestmarsch mit Hunden auf.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Hundeelend geht es Julia Zimmermann und Sandra Stark, wenn sie mit ihren Vierbeinern durch das Esslinger Stadtgebiet gehen. Hundekotbeutel seien in Parks und öffentlichen Bereichen nirgends zu bekommen, weil Spender dafür nicht vorhanden seien, und eine Freilauffläche für die Tiere fehle ebenfalls, klagen sie. Darum organisieren die beiden Tierfreundinnen am Sonntag, 28. April, um 9 Uhr eine Protestaktion vor dem Alten Rathaus.

 

Das geht ja gar nicht, denken Julia Zimmermann und Sandra Stark jedes Mal, wenn sie mit ihren Hunden Gassi gehen: Mülleimer zur Entsorgung der Hinterlassenschaften ihrer Hunde seien zwar vorhanden, aber Beutel dafür seien nirgends zu bekommen. Sie als Esslingerinnen kennen diesen Missstand und würden daher einen Beutel mit sich tragen, um die Häufchen ihrer Hunde zu beseitigen. Aber Besucherinnen und Besucher der Neckarstadt, die darüber nicht informiert seien, würden sich jedes Mal über den Mangel wundern – und vor einem großen Beseitigungsproblem stehen.

Auch eine große Auslauffläche für ihre treuen Vierbeiner suchen die beiden Hundefreundinnen im Stadtgebiet vergeblich. Das Laufenlassen von Hunden etwa im Merkelpark sei verboten. Darum hätten sie einen weiteren Vorschlag an die Stadtverwaltung: Die Schaffung eines eingezäunten Freilaufbereichs hinter dem Neckarfreibad wäre ideal, meinen die beiden.

Pudelwohl fühlen sie sich auch nicht mit Blick auf die Bürgerfreundlichkeit der Esslinger Stadtverwaltung: „Enttäuschenderweise blieben bisherige Bemühungen der Hundebesitzer, mit der Stadt in Kontakt zu treten, unbeantwortet.“ Trotz Bürgersprechstunden bei Oberbürgermeister Matthias Klopfer, Diskussionen im Bürgerausschuss und zahlreichen Rückfragen über soziale Medien wie die „Instagram Stories“ der Stadt habe es keine Reaktionen von Seiten der Verwaltung gegeben. Darum werde nun für mehr Hundefreundlichkeit protestiert.

Bewusster Abbau von Spendern

Die Stadt Esslingen führt für alle Kritikpunkte Argumente ins Feld. Sie habe sich 2013 bewusst gegen Spender für Hundekotbeutel entschieden, teilt Marcel Meier von der Pressestelle mit: „Ein Versuch damit im Bereich der Maille verlief negativ.“ Ein Rückgang des Hundekots habe während dieser Probephase nicht festgestellt werden können – im Gegenteil: Die Verschmutzung habe durch teilweise ungenutzte Beutel im umliegenden Gebiet sogar zugenommen. „Hundebesitzer, die gewillt sind, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde zu entsorgen, führen meist auch Beutel mit sich.“

Eine Aufstellung der Beutelspender ist derzeit nicht geplant. Der Ausschuss für Technik und Umwelt des Esslinger Gemeinderates hat sich nach Angaben des Stadtsprechers im Dezember letzten Jahres dagegen entschieden. Ein Nachrüsten der bestehenden Hundekotbehälter mit Beutelspendern sei außerdem nicht möglich. Die Entsorgung mitgebrachter Beutel aber ist nach Angaben von Marcel Meier im Stadtgebiet gewährleistet. Es gebe 75 Hundekotbehälter. „Die Standorte von ursprünglich 60 Abfalleimern wurden mit den Bürgerausschüssen abgestimmt.“ Nach und nach seien zusätzliche Mülleimer an relevanten Stellen angebracht worden. Weitere Behälter seien aber nicht geplant. Denn der Gemeinderat habe sich Ende letzten Jahres ausdrücklich dagegen entschieden.

Die Schaffung einer Freilauffläche für Hunde hinter dem Neckarfreibad, eine der Forderungen der am Sonntag Demonstrierenden, hält die Stadtverwaltung für keine gute Idee. Es sei laut Benutzungsordnung vom 8. Februar 2021 zwar tatsächlich untersagt, Hunde auf Liegewiesen etwa im Merkelpark mitzunehmen. Besondere Areale für Hunde wolle die Verwaltung dennoch nicht ausweisen, sagt Marcel Meier. Esslingen sei – auch im landesweiten Vergleich – sowieso schon stark unterdurchschnittlich mit öffentlichen Grünflächen ausgestattet. „Vor diesem Hintergrund ist es nicht zielführend, die wenigen vorhandenen Grünflächen für die Allgemeinheit zu separieren, einzuzäunen und für einzelne Zielgruppen, wie hier die Hundehalter, aufzugliedern.“

Mangel an Grünflächen

Die Lösung liege eher in einer gemeinschaftlichen Nutzung von öffentlichem Grün. Für die unterschiedlichen Freizeitnutzungen verschiedener Zielgruppen und Menschen jeden Alters sei vor allem der ausgedehnte Esslinger Stadtwald geeignet.

Den von den Hundebesitzerinnen geäußerten Vorwurf fehlender Bürgernähe lässt die Stadtverwaltung nicht gelten. Es habe einen Austausch gegeben, betont Meier: „Zum Thema fehlende Hundewiesen und Hundesteuer standen wir im Februar über Social Media und via Mail in Kontakt und haben in diesem Zuge auch verschiedene Faktoren erklärt.“

Die Hunde-Demo in Esslingen

Termin
 Die Protestaktion wird von Julia Zimmermann und Sandra Stark am Sonntag, 28. April, um 9 Uhr vor dem Alten Rathaus in Esslingen organisiert. Es bestehe Gelegenheit, ein Foto von allen Protestierenden zu machen. Anschließend könnten Teilnehmende auch durch die Stadt ziehen. Die Veranstaltung sei angemeldet.

Zahlen
 Zum Jahresende 2023 waren in Esslingen laut Stadt 2747 Hunde gemeldet. Von diesen Tieren seien 41 steuerbefreit. Das Jahresaufkommen 2023 für die Hundesteuer betrug 372  922 Euro.

Hundesteuer
Die Hundesteuer, so teilt die Stadt Esslingen mit, diene grundsätzlich der Deckung allgemeiner Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden und sei ausdrücklich nicht an eine bestimmte Verwendung gebunden. Daher stehe die eingenommene kommunale Hundesteuer auch nicht zweckgebunden für Ausgaben im Zusammenhang mit Hunden zur Verfügung, um beispielsweise große Bereiche einzuzäunen und zu reinigen.

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