IG-Metall-Umfrage zur E-Mobilität Mitarbeiter fürchten den Wandel

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Die Autoindustrie ist aus Sicht der Arbeitnehmervertreter nicht gut auf den Wandel vom Verbrennungsmotor zum Batterieantrieb vorbereitet.

Der Wandel in der Automobilbranche gefährdet Arbeitsplätze. Foto: BMW
Der Wandel in der Automobilbranche gefährdet Arbeitsplätze. Foto: BMW

Stuttgart - Die Betriebsräte in der baden-württembergischen Autoindustrie sehen ihre Unternehmen schlecht auf den Wandel hin zur Elektromobilität vorbereitet. Nach einer Umfrage der baden-württembergischen IG Metall in 125 Betrieben mit 220 000 Beschäftigten sind 49 Prozent der Arbeitnehmervertreter der Meinung, dass ihre Standorte gar nicht oder nur teilweise auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereitet sind. Dies sagte Bezirksleiter Roman Zitzelsberger bei der Präsentation der Umfrage. Befragt wurden Autohersteller, Zulieferer, Maschinen- und Anlagenbauer sowie Dienstleister.

Die Belegschaften sind nach Zitzelsbergers Worten durch viele Studien verunsichert, die einen sehr negativen Grundton haben und sich teilweise widersprechen. Es herrsche aber keine Untergangsstimmung, sagte er. So beschreiben die Betriebsräte in der Umfrage die Stimmung der Belegschaft gegenüber Veränderungen rund um das Automobil grundsätzlich zu 49 Prozent als neutral. Für den eigenen Standort ist die Haltung etwas skeptischer. Gut ein Drittel rechnet mit negativen Entwicklungen in der Beschäftigung vor Ort; immerhin gut ein Viertel erwartet aber positive Auswirkungen, der Rest gibt sich „neutral“.

Die IG Metall mag kein Reparaturbetrieb sein

Zitzelsberger gesteht auch den Arbeitgebern zu, dass sie nicht genau wissen, wohin die Reise in welchem Tempo geht. „Die Geschäftsführungen sind genauso verunsichert.“ Um die Betriebsräte vor Ort zu unterstützen, will die Bezirksleitung in Stuttgart vier Gewerkschaftssekretäre als Spezialisten für den Wandel in der Branche einstellen, die als Berater tätig werden. Nach Zitzelsbergers Ansicht spielt es für die Haltung gegenüber der Wende auf dem Automarkt eine große Rolle, in welcher Weise die Belegschaften und ihre Betriebsräte in die Veränderungen einbezogen werden. Der IG Metall reicht es nicht, erst mit den Folgen des Strukturwandels befasst zu werden.

Der Daimler-Gesamtbetriebsrat hat zu Beginn der Woche bekannt gegeben, dass im Rahmen des Wirtschaftsausschusses von Arbeitnehmervertretern und Unternehmen ein neuer Innovations- und Investitionsausschuss gebildet werden soll, der sich mit neuen Produkten, Komponenten, Entwicklungsleistungen und Mobilitätsdienstleistungen beschäftigt. Auf diese Weise wird der Betriebsrat in die Frage von Eigenfertigung oder Fremdbezug einbezogen. Ein Mitbestimmungsrecht, mit dem der Betriebsrat Entscheidungen verhindern oder erzwingen könnte, besteht nicht. Zitzelsberger wünscht sich, dass dieses Beispiel Schule macht. Uwe Schwarte, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Zulieferers Mahle, nennt den eigenen Konzern als Beispiel für eine weitere Variante. So wurde im Zukunfts- und Beschäftigungssicherungsvertrag im vorigen Jahr vereinbart, dass ein Zukunftskonzept für die deutschen Standorte entwickelt werden soll.

Auch der Maschinenbau ist betroffen

Die Umfrage zeigt aus Sicht der IG Metall, dass die Sorgen mit der Nähe der einzelnen Standorte zum Verbrennungsmotor wachsen. Bei den Herstellern wird in den Montagewerken teilweise sogar mit positiven Veränderungen durch die Elektromobilität gerechnet; anders sieht es in den Komponentenwerken aus. Demgegenüber sei die Situation bei den Zulieferern unübersichtlicher, heißt es bei der Gewerkschaft. Danach bereiten sich die Unternehmen in geringerem Umfang auf den Wandel vor. Zudem seien sie zusätzlich von Verlagerungen und einem anhaltenden Kostendruck betroffen.

Im Maschinen- und Anlagenbau werden in zwei von drei Betrieben große bis sehr große Veränderungen erwartet. Der Werkzeugmaschinenbau, der in Baden-Württemberg konzentriert ist, hängt in starkem Maße von der Automobilindustrie ab. Zitzelsberger: „Bei allen absehbaren Veränderungen auf technischer und wirtschaftlicher Ebene haben die Beschäftigten das Recht auf Sicherheit im Wandel. Die Belegschaften erwarten jetzt, dass vor Ort in die Zukunft des Autos und der Arbeitsplätze investiert wird“, sagt Zitzelsberger. Jeder Standort brauche eine Perspektive.

Der IG-Metall-Bezirksleiter erwartet auch einen Beitrag von Wirtschaft und Politik, damit die Transformation gelingt. „Mit dem Strategiedialog Automobilwirtschaft des Landes und dem im Wirtschaftsministerium angesiedelten Transformationsrat haben wir hierfür eine hervorragende Basis geschaffen“, sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut dazu.