Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)

Immer her Athleten bekennen sich also zu einer veganen Lebensweise, und zwar nicht nur auf Fußball-Bundesliga-Level, sondern auch in anderen Sportarten, mit Simon Geschke zum Beispiel ein Tour de France-Fahrer, mit Trent Williams ein NFL-Footballstar. Oder die Handballerinnen Nina und Susann Müller vom Deutschen Meister SG BBM Bietigheim. Beide sind Mitglieder der Facebook-Gruppe „Top Athlets Vegan“. Beide haben ihre Ernährung auf vegan umgestellt, beide wurden durch ihre Mitspielerin Luisa Schulze „angesteckt“. „Der positive Effekt war schnell bemerkbar“, sagt Susann Müller. „Wir fühlen uns körperlich fitter.“ Hatte die Ernährungsumstellung einen Anteil an der Meisterschaft der Bietigheimer? „Ich kann mir vorstellen, dass es dazu beigetragen hat. Wir hatten in der vergangenen Saison 52 Spiele. Normalerweise bin ich zum Ende der Spielzeit schlapp. Dieses Mal habe ich den Leistungsabfall kaum gespürt“, sagt die 29-Jährige.

Geht es um vegane Ernährung, warnen Kritiker vor Mangelerscheinungen. Sind Profisportler mit ihren speziellen Anforderungen nicht noch stärker gefährdet? „Ich rate immer zu einer Supplementierung der Vitamine B12, D und K2“, erklärt Keleman. Sportler sollten außerdem ihren Eisenwert im Auge behalten und hier gegebenenfalls auch supplementieren“, so Keleman weiter. Sie empfiehlt Nahrungsergänzungsmittel, die auf der so genannten Kölner Liste stehen, die also auf Dopingsubstanzen getestet wurden. Die Aktivistin geht aber noch einen Schritt weiter: „Es reicht nicht, auf pflanzliche Ernährung umzustellen. An viele Nährstoffe kommt man erst im gekeimten Zustand“, sagt Keleman, die auf gekeimten Buchweizen schwört. Dabei wird die Pflanze, vereinfacht gesagt, in Wasser eingelegt und anschließend morgens und abends im Keimglas kurz durchgespült, bis der Keimling ausgebildet ist.

Wie kann sich Keleman aber sicher sein, dass ihre Sportler nicht an der Komplexität ihrer (gekeimten) Ernährungstipps scheitert? „Ganz sicher kann man nie sein, dass sich alle immer an meine Vorschläge halten. Über Lionel Messi liest man zum Beispiel in Artikeln, dass er sich vegan ernährt. Auf seinem Instagram-Profil sind dann aber Bilder zu sehen, die das Gegenteil signalisieren. Da weiß man dann auch nicht so recht, was man glauben soll“, so Keleman.

Vielleicht ist Messi aber auch das falsche Beispiel. Der Fußballgott kann schließlich essen, was er will.