S-Bahn-Verkehr in der Stuttgarter Innenstadt “Schock“ - Bahn braucht zwei Jahre länger

Im S-Bahn-Tunnel gibt es auch in den nächsten Jahren viel zu tun. Neben der Stationssanierung – hier Arbeiten im Sommer 2021 – geht es um neue Technik. Foto:  

Neue Hiobsbotschaften für die S-Bahn-Fahrer: Die Bahn braucht zwei Jahre länger als bisher geplant, um die Strecke im Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen zu sanieren. Die Hintergründe und Auswirkungen.

Stuttgart - Die Durststrecke für Reisende mit der S-Bahn Stuttgart wird länger. Nach einer ersten sechswöchigen Sperrung des Stammstreckentunnels in den Sommerferien 2021 sollten die Sanierung von Stationen und Gleisen und der Einbau modernster Leit- und Sicherungstechnik eigentlich mit Ende der Sommerferien 2023 erledigt sein. Das war der Plan. Die Deutsche Bahn AG hat ihn allerdings revidiert.

 

„Wir stellen vollständig um“

„Wir brauchen in den Jahren 2024 und 2025 zusätzliche Sperrungen der S-Bahn- Stammstrecke“, sagte Rüdiger Weiß, der Leiter Betrieb und Fahrplan Südwest der DB Netz AG, am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart. 2024 soll eine neue Löschwasserleitung im Tunnel zwischen Hauptbahnhof und dem Halt Österfeld eingebaut werden, dazu eine neue Trafostation, Sicherheitstechnik für die Oberleitung und vier neue Weichen.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: So sieht der Umbau der Stuttgarter Innenstadt aus

Mit ersten Test- und Versuchsfahrten will sich die Bahn 2024 außerdem an die neue digitale Abstandssteuerung der S-Bahnen herantasten, mit der man mehr Kapazität und einen verlässlicheren Betrieb erreichen will. „Wir haben dann das leistungsstärkste System, das es in Europa gibt. Wir stellen vollständig um“, so Weiß.

Umfang der Sperrungen noch nicht bekannt

Von 2022 bis 2024 will der Schienenkonzern Ersatzverkehre für die S-Bahn wie in diesem Jahr fahren, also die Gäubahngleise in der Stadt als Umleitungsstrecke für die S 1 und die Baustellenlinie S 23 (Backnang–Filderstadt) nutzen, die Innenstadthaltestellen mit Bussen bedienen, die bis Vaihingen fahren und S-Bahnen auf den Gleisen eins bis sechs im Hauptbahnhof wenden.

Was im Sommer und Herbst 2025 passiert, ist noch in der Planung. Der Umfang der Sperrungen sei noch nicht bekannt, sagte Weiß, die Baustellen zum Anschluss der S-Bahn an die für das Projekt Stuttgart 21 neu gebaute Infrastruktur dagegen schon. Stuttgart 21 mit Durchgangsbahnhof soll im Dezember 2025 in Betrieb gehen. Die Frage von Michael Lateier (Grüne), ob die Gäubahnstrecke dann überhaupt noch als Umleitung zur Verfügung steht, weil sie 2025 vom Kopfbahnhof abgehängt wird, blieb unbeantwortet.

Konzept für Ersatzverkehr bleibt

Neben den Arbeiten im Stammstreckentunnel der S-Bahn, für die die DB Station und Service 35,1 Millionen Euro veranschlagt, werden auch Brücken- und Gleisbauten in Feuerbach und Bad Cannstatt den Betrieb von 2023 bis 2025 stören. Bereits 2022 will die Bahn im Bahnhof Cannstatt Eidechsen absammeln, was zwischen Ende Februar und Ende Oktober zu stundenweisen Gleissperrungen führen wird, die sich 2024 wiederholen werden. Betroffene Züge sollen auf andere Gleise verlegt werden.

Bahnbrücke in Feuerbach marode

Als nicht verschiebbar bezeichnete Weiß die Erneuerung der Eisenbahnbrücke über der Borsigstraße in Feuerbach. Sie habe ihr „Enddatum“ erreicht. 2023 ist deshalb von Mitte Mai bis Mitte Juni und an neun Tagen Anfang Dezember die Totalsperrung der Strecke Zuffenhausen–Stuttgart vorgesehen, weil ein 96 Tonnen schweres Bohrgerät aufgestellt wird und dafür Signale und Oberleitungen abmontiert werden. S 6 und S 60 fallen zwischen Zuffenhausen und Schwabstraße aus, S 4 und S 5 zum Teil. Anfang Juli gibt es zudem Einschränkungen.

Die neuen Hiobsbotschaften für die S-Bahn, die in der Coronapandemie einen starken Einbruch der Fahrgastzahlen erlitten hat, kamen bei den Regionalräten nicht gut an. Rainer Ganske (CDU) sprach von einem „Schock“, Thomas Leipnitz (SPD) schloss sich dem an. Lateier sprach von schlechten Nachrichten für die Kunden. „Wir sind geplättet“, kommentierte Bernhard Maier (FW). Michael Knödler (Piraten) fragte sich, ob Stuttgart 21 angesichts der Baustellenflut wirklich Ende 2025 fertig werde. Joachim Hülscher (AfD) forderte einen 24-stündigen Baustellenbetrieb. Gabriele Heise (FDP) befürchtet angesichts der Sperrungen „Akzeptanzprobleme für die S-Bahn“.

Weitere Themen