InterviewImmobilien auf den Fildern „Das Telefon klingelt jetzt nicht den ganzen Tag“

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Eine Wohnung in Stuttgart und Region finden? Kein einfaches Unterfangen, und in Corona-Zeiten ist das erst recht ein Problem. Eine Immobilienkauffrau aus Stuttgart-Birkach erzählt aus ihrem aktuellen Alltag.

Ann-Cathrin Lunke arbeitet aktuell eher im Hintergrund. Foto: pirvat/Max Holley
Ann-Cathrin Lunke arbeitet aktuell eher im Hintergrund. Foto: pirvat/Max Holley

Filder/Birkach - Immobilien sind ein großes Thema in Stuttgart und in der Region – also auch auf den Fildern. Grund ist der Mangel an Wohnraum. In Corona-Zeiten stockt auch hier alles, weil Besichtigungen schwer möglich sind. Experten vermuten allerdings, dass sich dies kaum dämpfend auf die hohen Preise auswirken wird. Die 29-jährige Immobilienkauffrau Ann-Cathrin Lunke aus Birkach erzählt im Interview, wie sie sich die kontaktarme Zeit vertreibt.

Frau Lunke, wie läuft das Immobiliengeschäft in Zeiten von Corona?

Es ist sehr ruhig geworden, viele Interessenten haben ihre Suche auf Eis gelegt. Bei mir sind alle Besichtigungstermine, bis auf Ausnahmen, vorerst eingestellt, da ich viele bewohnte Immobilien betreue und auch viele ältere Kunden, da geht es dann natürlich vor allem um die Sicherheit.

Dann haben Sie jetzt nichts mehr zu tun?

Doch, doch. Ich nutze die Zeit für andere Dinge. Zum Beispiel für meine Marketingstrategie, Eigentümergespräche, Unterlagen aufbereiten, die Buchhaltung, Immobilienbewertungen, Fototermine – das alles läuft ja trotzdem weiter. Aber mein Telefon klingelt jetzt natürlich nicht mehr die ganze Zeit so wie sonst. Ich versuche, es positiv zu sehen, die Zeit für mich zu nutzen, ich kann ein bisschen durchatmen. Trotzdem, der normale Alltag mit zahlreichen Besichtigungsterminen fehlt mir schon.

Trotzdem bedeuten weniger Besichtigungstermine doch, dass Sie weniger verkaufen, Ihr Geschäft also einbricht?

Ich habe aktuell viele laufende Aufträge, die Abschlüsse werden einfach nur zu einem späteren Zeitpunkt abgewickelt. Der Umsatz für 2020 wird sicher einen Einbruch zeigen, aber ich habe mit Rücklagen entsprechend vorgesorgt. Wir haben in Stuttgart und in der Region ja trotzdem einen Nachfrageüberhang, auch in Corona-Zeiten.

Gehen Sie davon aus, dass sich die Preise für Immobilien in und um Stuttgart nach der Krise verändert haben werden, sie womöglich günstiger werden?

Es ist zu früh, um hierzu eine Prognose auszusprechen, da der Immobilienmarkt normalerweise auf wirtschaftliche Veränderung zeitverzögert reagiert. Aus meiner Sicht hängt das von der Zeitspanne ab, bis ein Gegenmittel vorliegt und der normale Alltag wieder einkehrt. Ich gehe davon aus, dass sich die Preise im wohnwirtschaftlichen Bereich, in Ballungsgebieten wie Stuttgart, nicht großartig verändern werden, da wir in Stuttgart auch weiterhin eine sehr hohe Nachfrage haben.

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