In den Freiberger Schwabenstuben Star wird, wer nach Sternen greift

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Manche Arbeitgeber verzweifeln fast: Sie haben Stellen zu vergeben, aber keiner bewirbt sich. Alexander Neuberth von den Schwabenstuben in Freiberg am Neckar kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen, der ihm Freiraum lässt für Kreativität.

Alexander Neuberth kocht saisonal. Bis zum Johannistag am 23. Juni  ist in den Schwabenstuben traditionell Spargelzeit. Foto: Ines Rudel
Alexander Neuberth kocht saisonal. Bis zum Johannistag am 23. Juni ist in den Schwabenstuben traditionell Spargelzeit. Foto: Ines Rudel

Freiberg am Neckar - Den Stolz auf seinen Beruf hat der Küchenmeister Alexander Neuberth, 28, im Familienbetrieb gelernt. Etwa, wenn er als kleiner Knirps drei Teller aus der Küche zu den Gästen balancierte, oder wenn ihm sein Onkel eine Bierkiste umdrehte, worauf er sich an den Zapfhahn stellen und einschenken durfte.

Sein erstes Praktikum machte er noch in einem bekannten Stuttgarter Hotel. Als man ihn da bloß das Frühstück richten ließ, wandte er sich erst einmal enttäuscht vom Beruf des Koches ab und machte lieber sein Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium. Aber dann unternahm Alexander Neuberth einen zweiten Anlauf und begann eine Ausbildung bei Rolf Straubinger, einem der besten Fischköche Deutschlands, im Hotel Staufeneck bei Göppingen.

Nicht mit angezogener Handbremse geschafft

Dort wurde nicht mit angezogener Handbremse geschafft: Nach vierzehn Tagen musste er bereits ganz alleine ein Catering für 200 Leute machen. Aber wie es oft so ist, wenn man ins kalte Wasser fällt, man lernt zu schwimmen. Und Alexander Neuberth schwamm erstaunlich schnell. Als Lehrling gewann er sogar 2012 die Deutsche Jugendmeisterschaft der Köche.

Bei Straubinger hatte er auch die Vielseitigkeit des Berufes gelernt, neue Gerichte ausprobiert, die man erst kocht, dann in der Küche bewertet, dann als „Gruß von der Küche“ auch mal den Gästen zur Probe serviert und guckt, wie sie ankommen.

Neuberths Arbeitszeiten von 10 bis 14 Uhr und von 17 bis 22 Uhr sind verglichen mit einer 7,5 Stundenschicht im produzierenden Gewerbe für manchen vielleicht gewöhnungsbedürftig. Neuberth hingegen sieht sie tatsächlich als Chance für einen alternativen Lebensstil. So kann er in seiner langen Mittagspause auch mal sein Söhnchen Liam Louis auf den Arm nehmen und seine Frau Pia unterstützen, Ämtergänge machen oder seine Freunde mal über den Mittag treffen.

Viel wird auch vom teilweise ruppigen Ton am Arbeitsplatz gesprochen, das gehöre aber der Vergangenheit an. „Choleriker gibt es natürlich überall und in jedem Beruf“, sagt Neuberth. Klare Kanten und klare Ansagen gibt es bei ihm auch, das brauche es manchmal, um das Team wieder in die Spur zu bringen. Für ihn ist es wichtig, nichts zu tun, was er nicht auch von seinem Team verlangen würde, „ich schäle Spargel und Kartoffeln wie jeder andere auch, ich hebe auch meinen Müll auf, wie es jeder andere auch tun muss“.

Jeder kennt die Laufwege des anderen

Am meisten aber genießt er es, wenn sein fünfköpfiges Team eingespielt ist, man sich ohne große Worte verständigt, jeder die Laufwege des anderen kennt und so die Aufgaben reibungslos abgewickelt werden. Die Karriere-Chancen eines Kochs sind immens. Vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister und Meisterkoch kann man aufsteigen. Man kann die begehrten Sterne des Guide Michelin erhalten und schließlich in die Riege der Fernsehköche und internationalen Stars vorstoßen. Und selbst wenn man kein Star wird, kann man den Stars begegnen. Das hat er am eigenen Leib gespürt, als er in ziemlich jungen Jahren der Küchenchef des VfB-Clubrestaurants in Stuttgart wurde. Hier beköstigte er die Fußballstars und traf sie beim Autogramme verteilen.

2015 war es für Neuberth an der Zeit, sich ein eigenes Objekt zu suchen. Er fand es schließlich in den Schwaben-Stuben in Freiberg am Neckar. Hier serviert er schwäbische regionale Küche, die eng an die Saison gekoppelt ist. Sein neuester Clou ist selbstgemachte Limonade, die er mit Kräutern verfeinert. Sein Team zieht bei dieser Aufgabe mit, denn auch das würde ohne seine Mitarbeiter nicht funktionieren.

Mindestens einmal pro Schicht geht er durch den Gastraum und begrüßt die Gäste. Dann spürt er wieder diesen Stolz von früher, wenn er Gourmets, Geschäftsleuten oder Bürgern, die sich etwas Gutes tun wollen, durch seine Arbeit einen schönen Abend in seiner Gaststätte ermöglicht hat.