Ines Dietze geht nach Göttingen Sparkassenchefin kündigt in Waiblingen

Vorstand im Wandel. Ines Dietze verlässt die der Kreissparkasse Waiblingen in Richtung Göttingen, Lothar Kümmerle (links) geht im Herbst in den Ruhestand. Die einzige Konstante ist Ralph Walter (rechts). Foto: Gottfried Stoppel

Ines Dietze zieht es zu der deutlich kleineren Sparkasse nach Göttingen. Dabei war der Vertrag der Vorstandsvorsitzenden gerade erst um sechs Jahre verlängert worden.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Waiblingen - Eigentlich war ihr Vertrag gerade erst um sechs Jahre verlängert worden, jetzt aber wechselt Ines Dietze, die Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Waiblingen (SWN), in gleicher Funktion nach Göttingen. Das berichten nicht nur übereinstimmend mehrere Online-Finanzportale und der neue Arbeitgeber, auch der Rems-Murr-Landrat und SWN-Verwaltungsratsvorsitzende Richard Sigel hat eine entsprechende Information an die Kreisräte verschickt. Frau Dietze habe ihn informiert, dass sie die Sparkasse Waiblingen verlasse und aus persönlichen Gründen zum 1. Januar 2022 zur Sparkasse Göttingen wechsele, heißt es in dem Schreiben. Er bedaure das, gleichzeitig habe er „mit Blick auf Ihren Wohnsitz in Hannover Verständnis für diese persönliche Entscheidung“, schreibt Sigel.

 

Sparkasse Göttingen bestätigt den Wechsel

Ines Dietze sei am 29. April einstimmig zur neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Sparkasse Göttingen. In der Person der 54-Jährigen sei es gelungen eine erfahrene und in den Strukturen der Sparkassenlandschaft fest verwurzelte Persönlichkeit zu gewinnen, die das Geschäftsmodell der Sparkassen bestens kenne. Sie löse in der Funktion den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Rainer Hald ab, nach rund 30 Jahren Vorstandsarbeit in der Sparkasse Göttingen – davon fast 20 Jahre als Vorsitzender – in den Ruhestand gehe.

Eine ähnliche Kontinuität war auch unter Dietzes Vor-vor-Gängern in Waiblingen Usus gewesen. Albert Häberle, der sich selbst gern als „Sparkässler aus Überzeugung“ bezeichnete, war 2011 nach zehn Jahren als Vorstandschef der SWN direkt in den Ruhestand getreten. Sein Vorgänger Karl-Adolf Klemm, der den gleichen Weg wählte, hatte gar sein ganzes Berufsleben der Kreissparkasse Waiblingen gewidmet. Häberles Nachfolger Bernd Fickler hingegen hatte 2017, nach fünf Jahren, abdanken müssen. Nach Unregelmäßigkeitsvorwürfen unterschrieb er einen Aufhebungsvertrag.

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Noch unter Ficklers Vorsitz hatte sich die von der Ostseeinsel Rügen stammende und von der Landessparkasse kommende Ines Dietze 2015 zunächst in den SWN-Vorstand eingereiht – um zwei Jahre später nach dessen Weggang Geschichte zu schreiben. Denn erstmals übernahm eine Frau den Posten des Vorstandschefs einer baden-württembergischen Sparkasse.

Unter Dietzes Regie beschleunigte das Kreditinstitut auch seinen Veränderungsprozess: Hin zu mehr Online-Angeboten, weg von einer Omni-vor-Ort-Präsenz. Mehrere Filialen und Geschäftsstellen wurden bereits geschlossen. Die trotz schwieriger allgemeiner Lage weiterhin guten Zahlen schienen ihren Kurs zu bestätigen. Das Vertrauen des Verwaltungsrates jedenfalls schien sie zu genießen, denn der verkündete erst im März eine erfolgreiche Vertragsverlängerung.

Gründe bleiben vorerst offen

Warum sie diesen nur zwei Monate später aufkündigt und den Vorsitz im Vorstand einer der größten baden-württembergischen Sparkassen mit 1400 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von mehr als neun Milliarden Euro mit einem Job tauscht, der ihr zahlenmäßig nur etwa halb so viel Verantwortung einräumt, bleibt offen. Eine Anfrage unserer Zeitung nach einer Stellungnahme zu ihrer beruflichen Veränderung, lässt sie vorerst unbeantwortet. „Gerne steht Ihnen Frau Dietze nach Abschluss aller Formalitäten im Laufe des Juni für ein Interview zur Verfügung“, heißt es aus der Presseabteilung der Sparkasse. Auch der Verwaltungsratsvorsitzende Richard Sigel hat noch keinen fertigen Plan, wie es im derzeit dreiköpfigen Vorstand weitergeht.

Dort steht ohnehin im Herbst schon ein Wechsel an. Für das aus Altersgründen ausscheidende Vorstandsmitglied Lothar Kümmerle rückt Uwe Burkert, nach. Der 52-jährige Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg hat zum 1. Oktober einen Vertrag unterschrieben. Der bisher dritte im Bunde ist der SWN-erfahrene Ralph Walter. Der ist im Vorstand schon seit Jahren für das Geschäftskundengeschäft zuständig. Wie Kümmerle hatte er bei der Besetzung des Chefpostens vor sechs Jahren allerdings auch das Nachsehen gegenüber Ines Dietze gehabt.

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