Infoabend in Ludwigsburg Flüchtlingsunterkunft spaltet Pflugfelden
In einem Ludwigsburger Mehrfamilienhaus sollen rund 50 Menschen unterkommen. Bei einem Infoabend prallen die Emotionen aufeinander.
In einem Ludwigsburger Mehrfamilienhaus sollen rund 50 Menschen unterkommen. Bei einem Infoabend prallen die Emotionen aufeinander.
Ein klein bisschen erinnert die Info-Veranstaltung der Stadt Ludwigsburg zur geplanten Unterkunft für rund 50 geflüchtete Menschen im Gebäude Stammheimer Straße 23 an die Sitzordnung in einer Schulkasse: vorne sitzen die, die mitmachen wollen, hinten die anderen, die mitunter meckern. Seit im Flecken bekannt ist, dass die Stadt das bis auf eine Wohnung leer stehende Haus in der Stammheimer Straße gekauft hat und darin Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung einquartieren will, rumort es in Teilen der Bürgerschaft. Und so rumort es im Laufe des Abends auch in der Bürgerhalle Pflugfelden.
Montag, Punkt 18 Uhr: fast alle Stühle in der Halle sind belegt. Geschätzt rund 250 Leute dürften gekommen sein. Zunächst präsentieren die Baubürgermeisterin Andrea Schwarz und der Leiter des Fachbereichs gesellschaftliche Teilhabe, Soziales und Sport bei der Verwaltung, Raphael Dahler, die Fakten: Die Stadt beherberge derzeit rund 1600 Menschen aus Krisengebieten. Die Verwaltung rechne damit, dass im laufenden Jahr weitere 770 Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. Deshalb seien weitere Unterkünfte erforderlich.
Anders als manch andere Kommune sei Ludwigsburg bestrebt, die geflüchteten Menschen dezentral unterzubringen. Es gebe rund 200 Unterkünfte im Stadtgebiet. Wenn das Gebäude an der Stammheimer Straße belegt ist, lebten in Pflugfelden 116 Flüchtlinge, was etwa 2,6 Prozent der Bevölkerung des Stadtteils entspreche. Mit diesem Wert liege Pflugfelden mit Blick auf alle Ludwigsburger Stadtteile im Mittelfeld. In das von der Stadt erworbene Haus sollen Familien und Einzelpersonen einziehen. Die Belegung werde im März, spätestens im April beginnen. Aus welchen Ländern die Menschen kommen, wie alt sie sind und weitere Detail seien bis dato nicht bekannt. Ein zusätzlicher Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin werde eingestellt.
Nach diesem eher nüchternen Bericht prallen die Emotionen aufeinander. Das gesamte Land ist in Sachen Zuwanderung gespalten. Warum sollte das ausgerechnet in Pflugfelden anders sein? Viele Bürger melden sich zu Wort, mit Fragen, mit Statements, mit Applaus und mitunter mit abfälligen Bemerkungen. Ein Mann erklärt, die Menschen würden in dem Haus zusammengepfercht, ein anderer behauptet: „Die leben im Luxus.“ 50 Menschen an einem Ort mitten im Stadtteil, erklärt ein weiterer Herr, das sei doch alles andere als dezentral. Die Stadt solle besser Wohnungen für bedürftige Deutsche bauen, wird ebenfalls kritisiert. Worauf die Bürgermeisterin erklärt, genau das tue die Wohnbau-Gesellschaft derzeit in der Jägerhofkaserne.
Das Haus in der Stammheimer Straße sei perfekt für die Anschlussunterbringung geeignet, so die Verwaltung. Denn es gebe neun Zwei- bis Drei-Wohnungen jeweils mit Küche und mit Bad. Zum Kaufpreis gibt es keine Auskunft, ein paar Bürger wollen aber erfahren haben, dass die Immobilie rund 2,5 Millionen Euro gekostet hat. Dabei, so die Kritik, sei die Stadt Ludwigsburg sowieso schon hoch verschuldet. Eine Frau erklärt: „So kann das nicht weiter gehen, das Geld der Bürger endet.“ Flüchtlinge würden „gepampert“, und in Deutschland fehlten rund eine Million Wohnungen.
Ein Mann sagt, er sei froh, dass sich der Staat „um Menschen in Not kümmert“. In einer bereits bestehenden Unterkunft für Flüchtlinge in Pflugfelden laufe alles ohne Probleme, „alle Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet“. Er freue sich auf die Menschen, die jetzt neu „in unseren Stadtteil kommen“. Ein weiterer Mann erzählt, dass er aus Stuttgart, wo es immer wieder Probleme mit Flüchtlingen gegeben habe, nach Pflugfelden gezogen sei. Hier fühlten er und eine Familie sich sicher, er befürchte nun aber Verhältnisse wie in Stuttgart mit Kriminalität und Belästigungen. Er wolle einfach nur, dass alles so ruhig bleibt, wie es ist. Eine Frau erzählt von Belästigungen und Dealern in Pflugfelden. Dahler sagt, die Polizei berichte, dass es im Stadtteil keine Probleme mit kriminellen Flüchtlingen gebe.
Barbara Schüßler, die Leiterin der Grundschule Pflugfelden, sagt mit Blick auf die bereits bestehende Flüchtlingsunterkunft neben ihrer Schule: Es habe bis dato „kein einziges Problem“ gegeben. Und wenn doch, fragt ein Mann. Wenn doch etwas passiert? Dann, antwortet Raphael Dahler, „kümmert sich die Polizei darum“.