Initiative im Stuttgarter Westen Demenz betrifft auch die Angehörigen

Von Georg Linsenmann 

Ein Glücksfall für den Stuttgarter Westen feiert Geburtstag: die Demenzinitiative wird zehn.

Schon ein kleiner Zettel mit Adresse am Schlüssel kann Demenzkranken helfen. Foto: dpa
Schon ein kleiner Zettel mit Adresse am Schlüssel kann Demenzkranken helfen. Foto: dpa

S-West - Der Startpunkt ist ein Jubiläum gewesen, der 25. Geburtstag der Freien Altenarbeit e.V., die ihren Schwerpunkt im Angebot von ambulanten Pflegediensten hat. Jetzt feiert der Verein Demenzinitiative Stuttgart West selbst schon ihr erstes kleines Jubiläum, ihr zehnjähriges Bestehen. Alfred Schöffend von der Freien Altenarbeit erinnert sich gut an diesen Anfang: „Wir hatten zu unserem Jubiläum einen Workshop zum Thema „Alt sein und alt werden im Stuttgarter Westen“. Dabei haben wir auch nach Gleichgesinnten für eine Netzwerk Ausschau gehalten, und das hatte sich gut angelassen“, erzählt Schöffend. Inspirierend seien zudem Demenzkampagnen auf den Fildern und in Weilimdorf gewesen: „Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden!“, sagt er mit einem Lächeln.

Inzwischen hat der Verein ein stabiles Netzwerk aufgebaut

Der junge Verein hat dann auch schon 2009 die erste große Veranstaltung gemacht, an der 25 Einrichtungen beteiligt waren, was ihn noch heute ein bisschen staunen lässt: „Das war eine sehr breite Basis, mit der nicht ohne weiteres zu rechnen war.“ Und daraus sei dann „ein sehr stabiles Netzwerk von zehn verschiedenen Institutionen entstanden“ – und „nebenbei die Gruppe Olgäle 2012, worauf wir auch ein bisschen stolz sind“, wie er anmerkt.

So wirken in der Demenzinitiative zusammen: der Bürgerservice Leben im Alter und GerBera, die Senioreneinrichtungen Zamenhof und Martha-Maria, die Evangelische Paul-Gerhardt- und die Katholische Kirchen-Gemeinde St. Fidelis sowie die Evangelisch-methodistische Kirche, die Fachberatung Demenz der Evangelischen Gesellschaft, die Pflegedienste Stuttgart-West und und die Freie Altenarbeit, zudem ehrenamtlich Mitwirkende. Dieses Netzwerk nennt Schöffend einen „Glücksfall für den Stuttgarter Westen“: „Das ist eine klasse Kombinationen, in der wir uns wechselweise ergänzen und unterstützen. Wenn jemandem etwas auffällt, dann weiß man gleich, wen man dafür am besten mit ins Boot holen kann. Es gibt viele Verknüpfungen, und die Wege sind kurz. Die Stetigkeit, die das hat, und die Zuverlässigkeit, das ist eine besondere Qualität dieser Initiative.“ Auch deshalb sei es „eine Freude, diesen Geburtstag zu feiern“, der für die Beteiligten auch einmal dies in den Blick rücke: „Es ist ein tolle Zusammenarbeit. Man fühlt sich respektiert, getragen, geschätzt.“

Vor allem die Angehörigen von Demenzkranken möchte der Verein unterstützen

Ein wesentliches Anliegen ist die Unterstützung pflegender Angehöriger. Ein Thema, auf das Schöffend immer wieder zurückkommt: „Sie sind stark gefordert, oft 24 Stunden am Tag. Verschnaufpausen möglich zu machen, das ist eine wichtige Form der Unterstützung“, sagt er. Auch Formen der „Anerkennungskultur“, etwa mit einem Candle Light-Dinner in einem Rahmen, in dem auch die Teilnahme Erkrankter „ganz normal“ sei. Und nicht nur für Demenzerkrankte, sondern auch für deren Angehörige gelte es, „für sie den öffentlichen Raum zurück zu erobern“. Das sei auch ein Grundmotiv bei der Gründung des Vereins gewesen: „Der Rückzug aus dem normalen Leben ist nicht nur der Belastung geschuldet, sondern auch der Unsicherheit und Scham, die mit Demenz verbunden sind“, erläutert Schöffend.

Ein Aspekt, der auch eine „zweite Säule“ des Engagements betrifft: „Wir wollen Aufklärung leisten. Das Thema wird verdrängt, man denkt, das betreffe einen nicht. Das aber ist ein Irrtum, allein schon mit Blick auf die demografische Entwicklung“, betont Schöffend, „denn wer alt wird, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit an Demenz erkranken.“ Er empfiehlt also, sich „rechtzeitig damit auseinanderzusetzen, auch in Sachen Vorsorgeregelungen“. Was laut Schöffend inzwischen ein allgemeines Motto der Demenzinitiative ist, könnte auch hier Ermutigung sein: „Unsere Botschaft ist: Ihr gehört dazu!“

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