Inklusionssport bei der Spvgg Renningen Rankbach Rockets starten im Handball durch

Die Rankbach Rockets beim Final-Four-Turnier in der Stuttgarter Porsche Arena mit Spvgg-Clubchefin Silke Bächtle (vorn ganz re.) Foto: Spvgg Renningen

Die Spvgg Renningen hat das erste Inklusionsprojekt im Handball-Bezirk Achalm/Nagold auf den Weg gebracht – und rennt damit offene Türen ein. Die Gruppe wächst und wächst.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Was für eine Kulisse. 3500 Menschen und die Rankbach Rockets nicht nur irgendwo mittendrin, sondern im Epizentrum des Interesses. „Das war großartig, dass wir uns vor so vielen Menschen präsentieren durften“, schwärmt Silke Bächtle. Die Vorsitzende der Spvgg Renningen war am Wochenende mit der inklusiven Sportgruppe beim Handball-Final-Four-Turnier in der Stuttgarter Porsche-Arena, sie konnten sich im Vorfeld des Endspiels inmitten der großen Halle vorstellen – die Kids durften zuvor als Spalierkinder die Profis im Spiel um Platz drei aufs Feld geleiten. „Da wurden bei uns viele Menschen glücklich gemacht“, erzählt Silke Bächtle, die einst als Handballerin in der zweiten Liga um Punkte gekämpft hat.

 

Die Rankbach Rockets, das sind Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren, die einen besonderen Förderbedarf benötigen – junge Menschen mit Downsyndrom und welche, die körperlich oder geistig beeinträchtigt sind. Die Rankbach Rockets sind das erste Inklusionsprojekt im Handball-Bezirk Achalm-Nagold. Dabei war es niemand aus Renningen, den dieser Geistesblitz durchzuckte, aber darauf kommt es Silke Bächtle auch nicht an. Man muss Gutes nicht grundsätzlich neu erfinden.

Die Clubchefin erfuhr im November 2022 über einen Arbeitskollegen vom Inklusionsteam der HSG Strohgäu, den „Händicapsele“ und von der Glücksliga, in der junge Menschen mit Entwicklungsbehinderungen Handball spielen. Die Idee, Kinder mit Beeinträchtigungen und diesen Sport zu verbinden, stammt von der dänischen Ex-Nationalspielerin Rikke Nielsen, die bereits 2017 ein Team in ihrer Heimat ins Leben rief – die heute 46-Jährige brachte 2009 eine Tochter mit Downsyndrom zur Welt.

Schnell war Silke Bächtle klar: So eine Truppe, das wäre was für die Spvgg. Im März 2023 wirbelte sie mit der Idee durch den Club, machte Werbung, suchte Übungsleiter – und innerhalb kürzester Zeit standen 13 Personen parat. Der Name war schneller gefunden als man einen Siebenmeter wirft, eine Woche vor den Sommerferien wurden Flyer in Kindergärten, Schulen und im Bekanntenkreis verteilt – und Ende September starteten die Kids mit Handicap mit Handball-Spielen. Aus dem Team mit sieben Kindern ist schnell eine Mannschaft mit bis zu 16 Mitgliedern gewachsen. „Es werden immer mehr“, sagt Silke Bächtle, „und wir sehen kein Ende der Entwicklung.“

Paten sind Handball-Frauen der SG BBM Bietigheim

Die Idee der dänischen Glücksliga wurde in Deutschland bereits im September 2021 von Handball Bad Salzuflen aufgegriffen, die „SuperKidz“ zählen mittlerweile an die 100 Kinder. In den Partien der Glücksliga geht es nicht ums Gewinnen, nicht um Punkte. „Es gibt Inhalte. Wir wollen die Kinder an die Bewegung heranführen und dass sie bestimmte Dinge erlernen – ohne Druck“, betont Vorstandsmitglied Andreas Stolle, der darauf hinweist, die Kinder früh an den Sport heranzuführen. „Am besten schon mit fünf, sechs Jahren“, sagt er, „das ist ein Stück Persönlichkeitsbildung.“ Andreas Stolle war ebenfalls beim Final Four in Stuttgart und ging mit den Rankbach Rockets auf Tuchfühlung.

Die Inklusionstruppe ist dank Silke Bächtle gut vernetzt im Handball, die 54-Jährige besitzt noch ordentlich Kontakte in der Szene und weiß sie zu nutzen. So sind die Erstliga-Handballerinnen der SG BBM Bietigheim die Paten-Mannschaft der Rockets. Zu den Spielen in der Champions League werden die jungen Handballer samt Eltern regelmäßig eingeladen – ein Ausflug in die große weite Sportwelt, der für strahlende Augen sorgt. „Sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder sind immer wieder aufs Neue begeistert“, berichtet Silke Bächtle.

Suche nach Clubs in der Umgebung

Im Training, das jeden Donnerstag stattfindet, kümmern sich vier, auch mal fünf Übungsleiter, um das gute Dutzend Handicap-Sportler – die Trainerinnen Claudia Steigleder, Tanja Wieland und Tina Maisch unterstützen die Kinder, auch Abteilungsleiter Jürgen Widmann und Spvgg-Geschäftsführer Daniel Theinl sind mit im Boot. Jedes Training wird mit einem Siebenmeterschießen abgeschlossen, „das wird begleitet von lautem Jubel und Applaus – egal, ob man trifft oder nicht“, erzählt Bächtle.

In eine der ersten Einheiten schaute Württembergs Handball-Verbandsboss Hans Artschwager (Hildrizhausen) vorbei und war Feuer und Flamme: „Das war sehr beeindruckend, ich werde das in eine der nächsten Präsidiumssitzungen mitnehmen.“ Das wäre ganz im Sinne der Renninger: Silke Bächtle hofft, dass sich Vereine aus der Umgebung des Inklusionsthemas annehmen – dann wären gemeinsame Spielfeste übers wöchentliche Training hinaus möglich. In wenigen Monaten sind die Rankbach Rockets von null auf über 100 durchgestartet, dabei profitieren alle, da ist sich Silke Bächtle sicher: „Wer Zeit mit den Rockets verbringt, dem wird ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.“ Nicht nur beim Final Four in der Porsche Arena.

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