Innovationskraft Europa holt weltweit bei Innovationen auf

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Europa verringert bei Innovationen seinen Abstand zu den weltweit führenden Ländern USA und Japan. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste Innovationsindex der Europäischen Kommission. Trotz der positivem Entwicklung gibt es gravierende Mängel.

EU Kommissar Antonio Tajani fordert mehr innovative Unternehmen. Foto: EPA
EU Kommissar Antonio Tajani fordert mehr innovative Unternehmen. Foto: EPA

Stuttgart - Europa verringert bei Innovationen seinen Abstand zu den weltweit führenden Ländern USA und Japan. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste Innovationsindex der Europäischen Kommission. Diese positive Entwicklung dürfe aber nicht über gravierende Mängel auf dem Kontinent hinwegtäuschen, heißt es in dem „Leistungsindex Innovation 2014“. So sei etwa die Innovationsleistung in weiten Teilen der EU zurückgegangen. Deutschland gehöre immer noch zu den treibenden Kräften unter den EU-Staaten, sei aber um einen Platz auf den dritten Rang zurückgefallen. Am innovativsten sind nach dem Index Schweden und Dänemark.

Deutlich aufgeholt haben Portugal, Estland und Litauen. Die Innovationskraft in Europa zu stärken sei eines der wichtigsten EU-Ziele, sagte Industriekommissar Antonio Tajani. Um Neuerungen erfolgreich auf den Markt zu bringen, seien „mehr innovative Unternehmen und wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen“ nötig.

Italien weniger innovativ als Durchschnitt

Länder wie Frankreich, Belgien und Großbritannien liegen nach dem Innovationsindex im Mittelfeld. Als sehr innovativ gilt unter Experten allerdings die Region um Paris. Die Ile de France ist eine der innovativsten Regionen Europas. Das wichtige Industrieland Italien ist dagegen weniger innovativ als der Durchschnitt der EU-Länder und wird in eine Kategorie mit Kroatien, Tschechien oder Griechenland eingestuft. Obwohl es aufgeholt hat, ist auch Portugal noch in dieser Gruppe vertreten.

In Europa insgesamt hat die Schweiz ihre Spitzenposition verteidigt. Stabil ist der Vorsprung der EU gegenüber Schwellenländern wie Brasilien oder Russland. China dagegen befindet sich nach den Angaben der EU auf Aufholjagd. Für ihren Innovationsindex hat die EU-Kommission 25 Indikatoren berücksichtigt, darunter Forschungssysteme, die Finanzierung von Innovationen durch Staat und Unternehmen und die Zahl der Forscher.

Kritik an Bundesregierung

In Deutschland tragen nach den Ergebnissen der Kommission vor allem der Süden und der Westen zur Innovationsfähigkeit bei. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bringen dagegen eine unterdurchschnittliche Innovationsleistung. Nach den jüngsten Angaben des Statistischen Landesamts in Stuttgart gibt Baden-Württemberg etwas mehr als fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aus und liegt damit bundesweit an der Spitze, gefolgt von Berlin und Bayern. Mathias Kammüller, stellvertretender Vorsitzender des Maschinenbauverbandes VDMA in Baden-Württemberg, hatte erst jüngst den mangelnden Willen der Bundesregierung zur Stärkung der Innovationskraft in Deutschland kritisiert. Es reiche nicht aus, wenn im Koalitionsvertrag stehe, der Anteil von Forschung und Entwicklung von drei Prozent am Bruttoinlandsprodukt solle festgeschrieben werden. Diese Kritik der Maschinenbauunternehmen wird auch vom baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid geteilt. Der Maschinenbau gehört neben dem Fahrzeugbau zu den innovativsten Branchen im Südwesten. Diese Branche gilt als bestimmend, weil alle anderen Branchen für ihre Neuerungen oftmals Maschinen benötigen. Im Maschinenbau liegt der Anteil von Forschung und Entwicklung am Umsatz bei 5,6 Prozent. Dass er in den Krisenjahren 2008 und 2009 höher lag, war eine Folge des drastisch gesunkenen Umsatzes.

Torben Schubert vom Karlsruher Fraunhofer-Institut für Innovationsforschung (ISI) hat in einer Studie für das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) allerdings darauf hingewiesen, die Innovationen in der deutschen Wirtschaft kämen vor allem von den Großunternehmen. Diese hätten ihr Engagement in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ausgebaut: Seit 1990 haben Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten demnach ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 34 Milliarden Euro auf mehr als hundert Milliarden Euro gesteigert. Bei kleineren Firmen sind die Ausgaben hingegen nur von 20 Milliarden Euro auf knapp 33 Milliarden Euro gestiegen. „Man kann nicht mehr vom Innovationsmotor Mittelstand sprechen“, stellte Schubert im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung fest.

Der VDMA beurteilt die Situation anders: „Auch wenn ein Mitarbeiter bei einem Autohersteller nur für die Entwicklung von Heckklappen zuständig ist, muss dies bei der Innovationskraft berücksichtigt werden“, meint Hauptvorstandsmitglied Hartmut Rauen. In die Innovationsfähigkeit müsse zudem auch die Zahl der Ingenieure einbezogen werden. Auch bei kleineren Unternehmen habe sich deren Anteil an den Beschäftigten, wie in der Maschinenbaubranche insgesamt, in den vergangenen Jahren erhöht.