Innovatives Bauen in Stuttgart-Vaihingen Wie der Bezirk von der IBA profitieren könnte

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Für die Internationale Bauausstellung 2027 gefragt sind nachhaltige und innovative Projekte. Die gibt es auch auf den Fildern. Wir sagen, welche Ideen bereits im Raum stehen.

Der Vaihinger Bahnhof soll eine Mobilitätsdrehscheibe werden. Auf dem Eiermann-Campus könnte eine bewohnbare Lärmschutzwand entstehen. Der Entwurf stammt von dem Büro Steidle Architekten. Foto: Steidle Architekten
Der Vaihinger Bahnhof soll eine Mobilitätsdrehscheibe werden. Auf dem Eiermann-Campus könnte eine bewohnbare Lärmschutzwand entstehen. Der Entwurf stammt von dem Büro Steidle Architekten. Foto: Steidle Architekten

Vaihingen - Sicher ist noch lange nichts. Aber mit etwas Glück könnte Vaihingen 2027 Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) werden. Denn 100 Jahre nach dem Entstehen der Weissenhofsiedlung kommt die IBA wieder in die Region. Darum hat die Stuttgarter Stadtverwaltung Vorschläge ausgearbeitet, welche Projekte eingereicht werden könnten. Baubürgermeister Peter Pätzold hat diese am Donnerstagabend im Stuttgarter Rathaus präsentiert. Darunter sind auch zwei Vaihinger Themen.

Zum einen geht es um den Eiermann-Campus. Das etwa 14,5 Hektar große Gebiet im Westen des Stadtbezirks soll ein Beispiel für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung werden. Das Ziel ist ein gut durchmischtes Quartier mit jungen und alten Menschen sowie aus allen sozialen Schichten. Der Eiermann-Campus soll kein Getto werden, aber er muss doch für sich funktionieren. Die Nahversorgung muss gesichert sein, auch ein Kindergarten und eine Grundschule sind geplant. Eine Herausforderung ist, dass ein Teil der Gebäude auf dem Eiermann-Campus unter Denkmalschutz steht und erhalten bleiben muss. Gleichzeitig sind neue innovative Wohnformen vorgesehen. Ein Modellprojekt könnte zum Beispiel die bewohnbare Lärmschutzwand werden. Spannend ist auch die Frage, wie das neue Quartier an die Vaihinger Ortsmitte angebunden wird, hierbei sind innovative Konzepte gefragt.

Der Bezirk Vaihingen ist eine Denkwerkstatt

Darüber hinaus könnte das Gebiet rund um den Vaihinger Bahnhof und die sogenannte Aurelis-Fläche ein IBA-Projekt werden. Dort soll eine regionale Mobilitätsdrehscheibe entstehen. Auf dieser könnten Angebote erprobt und an den Bedarf angepasst werden, wie zum Beispiel eine Seilbahn oder ein autonom fahrender Shuttle. Dabei geht es freilich auch um eine gute Anbindung an den Synergiepark, um das Verkehrsproblem in den Griff zu bekommen. „Kurzum, es geht um moderne Fortbewegungsmittel. Der Regionalbahnhalt ist gut und wichtig für Vaihingen. Das allein ist aber noch nichts für die IBA“, fasst der Vaihinger Bezirksvorsteher Kai Mungenast zusammen.

Die Verwaltung hat längst nicht für alle Stadtbezirke ein IBA-Projekt vorgeschlagen. Um so glücklicher ist Mungenast, dass Vaihingen zumindest auf der Vorschlagsliste zum Zug gekommen ist. „Ich finde das gut. Mir ist es wichtig, innovative Dinge auszuprobieren. Das habe ich auch schon bei meiner Antrittsrede gesagt.“ In Vaihingen seien die Universität, namhafte Forschungsinstitute wie Fraunhofer und Max Planck sowie internationale Unternehmen beheimatet. Der Bezirk sei eine Denkwerkstatt. „Darum passt die IBA zu uns“, sagt Mungenast.

Verschiedene Akteure können verschiedene Projektideen einreichen

Auch das Interesse der Lokalpolitiker an den Projekten sei groß. Im Unterschied zu anderen Bezirksbeiräten sei Vaihingen am Donnerstagabend beschlussfähig gewesen. Das Vaihinger Gremium stimmte mit großer Mehrheit für die von der Verwaltung vorgelegte Beschlussvorlage. „Ich hatte den Eindruck, dass die meisten die IBA als Chance begreifen“, sagt Mungenast.

Skeptisch war der eine oder andere, ob die vorgeschlagenen Projekte – und zwar nicht nur die aus Vaihingen – innovativ genug für die IBA seien. Doch Baubürgermeister Peter Pätzold habe klar gemacht, dass die Vorlage nur ein erster Aufschlag und noch nicht jedes Detail für jedes Projekt geklärt sei. Klar ist aber, dass der für Vaihingen geplante neue Schulcampus kein IBA-Projekt sein kann. Die Idee kam im Bezirk bereits auf, aber: „Alles was sowieso notwendig ist, passt nicht ins Konzept. Und außerdem wollen wir mit dem Campus nicht bis 2027 warten“, sagt Mungenast. Vor dem Hintergrund, dass der Stau in Stuttgart immer ein Thema sei, habe der IBA-Intendant Andreas Hofer auch deutlich gemacht, dass es primär um Bauprojekte und nicht um Verkehrsprojekte gehen müsse.

Die Stuttgarter Verwaltung möchte eine zweite Tranche mit IBA-Projektideen erarbeiten. Aber auch andere Akteure wie Einrichtungen aus Forschung und Wissenschaft, Unternehmen und Privatinvestoren können Vorschläge machen. Das IBA-Kuratorium wird die Qualität der Ideen prüfen und dem Aufsichtsrat dann die Aufnahme der ersten Projekte ins IBA-Netz empfehlen.

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