Innovatives Bauprojekt am Heilandsplatz Der Stöckach-Kindergarten ganz aus Holz

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In der Sickstraße gleich neben der Heilandskirche im Stuttgarter Osten ist dieser Tage Richtfest gefeiert worden. Der Neubau des Stöckach-Kindergartens macht große Fortschritte. Baubeginn war erst im Mai, Einzug soll schon im Frühjahr sein. Möglich wird das durch die Holzbauweise, inklusive modernstem Energiemanagement.

Die Kinder des Stöckach-Kindergartens und die Erzieherinnen freuen sich auf ihre neuen Räume aus Holz. Foto: Jürgen Brand
Die Kinder des Stöckach-Kindergartens und die Erzieherinnen freuen sich auf ihre neuen Räume aus Holz. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Ein Gebäude fast komplett aus Holz, die gesamte Einrichtung praktisch schadstofffrei, lärmmindernde Akustikdecken, Schlafräume mit Zirbenholz an den Wänden, Fenster mit modernster Photovoltaik-Technik, ein Eisspeicher tief in der Erde unter dem Haus, ein naturnaher Garten um das Gebäude herum und direkt dahinter ein großer Park mit Wiesen und alten Bäumen. Was wie eine schöne Utopie für ein Kinder- und Familienzentrum der Zukunft klingt, wird gerade an der Sickstraße direkt am Park der Villa Berg Realität. Dort baut die Eurokindergarten GmbH gerade für die Evangelische Gesamtkirchengemeinde den Stöckach-Kindergarten und geht dabei ganz neue Wege. Am Mittwoch haben die am Bau Beteiligten, die Erzieherinnen, die Eltern und Großeltern und die Kinder zusammen mit den Handwerkern Richtfest gefeiert.

Erst im Keller, dann in einer Wanderkirche

Der Stöckach-Kindergarten hat eine bewegte Geschichte. Er entstand 1879 im Untergeschoss der damaligen Grundschule am Stöckach, mehr als 100 Kinder wurden dort betreut, die Eltern kostete das 30 Pfennige im Monat. 1901 war der Kindergarten dann Teil der hölzernen Wanderkirche, die erst auf dem Teckplatz, dann in unmittelbarer Nähe des heutigen Standorts am Heilandsplatz stand. 1925 wurde an der Sickstraße neben der Heilandskirche ein neuer Kindergarten gebaut, nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde er bis 1954 wieder aufgebaut. Das alles hat der Pfarrer der benachbarten evangelischen Heilandskirchengemeinde, Albrecht Hoch, nachgelesen und beim Richtfest erzählt. Abgerissen wurde dieser alte Stöckachkindergarten mit den Grundmauern aus dem Jahr 1925 erst im Frühsommer dieses Jahres, kurz nach dem Spatenstich für das Bauprojekt Ende Mai. Seitdem werden die Kinder in der Heilandskirche und im Gemeindehaus betreut. Und sie haben gute Aussichten, schon im März oder April 2016 in den neuen Stöckach-Kindergarten umziehen zu können.

Die Handwerker aus Vorarlberg sind schnell

Eine Bauzeit von nicht einmal einem Jahr, gerechnet vom Beginn des Abrisses des alten Gebäudes bis zum Einzug in den Neubau an gleicher Stelle – das ist in Stuttgart eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, zumal bei einem mit unendlichen vielen Vorgaben und Vorschriften belegten Projekt wie einer Kindertagesstätte. Und auch die Leiterin des Kindergartens, Petra Wolff, hatte zwischendurch einmal Zweifel am Baufortschritt. „Zwischendrin haben wir mal gedacht, es wird ein Piratenschiff“, sagte sie beim Richtfest. „Aber nach den Ferien standen plötzlich schon die Wände.“

Möglich wird das durch die Holzbauweise, die von einer darauf spezialisierten Vorarlberger Firma zügig vorangetrieben wird. Schon jetzt sei es beeindruckend, in die großzügigen Räume des Neubaus zu kommen. Wolff: „Die Helligkeit, die Wärme, der Geruch nach Holz – das ist toll.“ Insgesamt wird der künftig viergruppige Kindergarten eine Fläche von 720 Quadratmetern haben. Neben den vier großen Gruppenräumen sind unter anderem auch ein 40 Quadratmeter großer Indoorspielbereich und ein 107 Quadratmeter großer Multifunktionsraum geplant. Das Flachdach zum Park der Villa Berg hin wird begrünt. Ein Garten um das Gebäude herum ist auch in Planung, er soll bis Ostern gestaltet sein.

Das neue Kinder- und Familienzentrum wird in Stuttgart einzigartig sein. Im laufenden Betrieb wird dank Eisspeichern, Wärmepumpe, Photovoltaik, Batteriespeichern und anderen Technologien praktisch kein CO2 produziert. Und deswegen ließen es sich auch der Stadtdekan Søren Schwesig und der Kirchenpfleger Hermann Beck nicht nehmen, beim Richtfest mitzufeiern.

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