Insolvenz abgewendet Ein befristetes Bekenntnis zum Stuttgarter Theaterhaus
Das Theaterhaus bekommt jetzt die Quittung für eine eher hemdsärmelige Geschäftsführung. Für Gauthier Dance müsse eine Lösung her, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Das Theaterhaus bekommt jetzt die Quittung für eine eher hemdsärmelige Geschäftsführung. Für Gauthier Dance müsse eine Lösung her, meint StZ-Autor Jörg Nauke.
Stuttgart - Das Theaterhaus hat eine „herausragende Anziehungskraft und überregionale Ausstrahlung“, die rund 300 000 Besucher im Jahr anlockt. Wenn aber unterm Strich trotz der Ticketeinnahmen, eines 30-prozentigen Förderanteils von Land und Bund, dem Einsatz von Sponsoren und einem gerüttelt Maß an Selbstausbeutung ein hoher Verlust steht, hat man auf der Bühne unzweifelhaft besser agiert als hinter den Kulissen.
Die Theaterhausleitung scheint vor allem vom Erfolg der Tanzkunst überrollt worden sein. Gauthier-Dance liefert trotz großen Beifalls von Politik und Publikum nur überschaubare Deckungsbeiträge, der Wegfall von Sponsoren hat den Etat des Hauses zusätzlich belastet. Weil es nicht wenige Besucher gibt, die auf Gauthier-Dance verzichten könnten, wenn dadurch „ihr“ Theaterhaus überlebt, braucht die Compagnie ein Bekenntnis der Zuschussgeber in Form einer auskömmlichen Unterstützung.
Nach der Insolvenzwarnung ist das Theaterhaus die längste Zeit intransparent gewesen. Jetzt muss Werner Schretzmeier Einblick in seine Bücher gewähren und sich bei der Planung über die Schulter schauen lassen. Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) regt sogar einen Generationenwechsel an. Mit den erhöhten Zuschüssen lässt sich der Betrieb vorerst stabilisieren, große Sprünge kann das Theaterhaus damit weiterhin nicht machen. Es gilt aber, jüngere Zielgruppen zu erschließen – unter den 300 000 Besuchern sind sehr viele, die die Gründerjahre in Wangen miterlebt haben. Es gibt freilich auch Stimmen, vor allem im Land, die die Förderung kritisch sehen.