Interior-Preis Bars und Restaurants 2024 Stuttgarter Gestalter siegreich mit vier der 50 besten Lokale, Bars und Hotels

Das Stuttgarter Büro Blocher Partners ist mit der Champagnerbar in Metzingen erfolgreich. Auch in Stuttgart kann das Büro ein preisgekröntes Projekt verbuchen. Foto: Callwey Verlag/PATRICA PARINEJAD

Hoch die Tassen! Welche Restaurants und Bars in der Region Stuttgart die Jury für einen Interior-Preis der 50 schönsten Gasträume 2024 überzeugt haben.

Bauen/Wohnen/Architektur : Nicole Golombek (golo)

Das Auge isst mit, heißt es. Meist bezieht sich der schlaue Spruch auf die Anordnung der Speisen, maximal noch auf das Geschirr und die Tischdeko, die wiederum selbst in Sternelokalen oft ästhetisch grenzwertig ist. Wirklich anspruchsvoll wird es bei der Innenarchitektur.

 

Allein wie viele alte Kneipen mit ein paar Gemälden und Lampions umdekoriert werden und sich so als asiatisch ausgeben! Und wie viele selbst gehobene Restaurants ihre Gäste in muffigen Polstermöbeln Platz nehmen lassen. Als mache man sich durch zu viel Aufmerksamkeit fürs Interieur verdächtig, dass dafür weniger sorgfältig am Kochtopf gearbeitet würde.

Fünf Auszeichnungen gehen nach Baden-Württemberg

Doch es gibt gute Gründe, sich an einen Profi für die Gestaltung von Gasträumen zu wenden. Wer sich wohl fühlt in einem Etablissement, kommt lieber wieder. Innenarchitekten beschäftigen sich mit der Frage, welche Funktion welcher Raum hat und wie welche Atmosphäre kreiert werden soll.

Wie gut oder schlecht in den Lokalitäten gekocht, getrunken und genächtigt werden kann, die eine Innenarchitekten-Jury gemeinsam mit der Dehoga (deutscher Hotel- und Gaststättenverband) und dem Callwey-Verlag zu den „Schönsten Restaurants, Hotels & Bars 2024“ gekürt hat, wurde nicht beurteilt.

Doch im Falle etwa des „Ōkyū“in der Calwer Passage, gestaltet vom Stuttgarter Studio Komo, stimmt beides – das Interieur ist von klassischen Motiven japanischer Tempelarchitektur inspiriert und zeitgemäß cool interpretiert, und es lässt es sich dort prima essen.

Das „Ōkyū“ ist eines von fünf ausgezeichneten Objekten aus Baden-Württemberg. Blocher Partners aus Stuttgart sind gleich doppelt vertreten – das bereits mehrfach ausgezeichnete Designhotel mit Tagescafé EmiLu in der Stuttgarter Innenstadt ist dabei. „Der Betreiberfamilie des Design-Hotels „EmiLu“ in Stuttgart gelingt es, mit integriertem Frühstücksrestaurant und Bar Nachbarschaft mit Reisenden zusammenzubringen und so das Quartier zu beleben“, lobt Jurorin Cornelia Hellstern.

Die Innenarchitektur des Hotel EmiLu in Stuttgart stammt von Blocher Partners und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Foto: Blocher Partners/Patricia Parinejad

Konsumlustige finden außerdem eine von Blocher Partners gestaltete, mondän funkelnde „Bollicine&Co. Champagne Bar“in der Outlet-Destination Metzingen zum Entspannen und Feiern. Champagner hat auch die Innenarchitektur inspiriert – etwa mit einer goldenen, illuminierten Theke und gläsernen Pendelleuchten, die in unterschiedlichen Höhen von der Decke abgehängt sind und an schwebende Perlen gemahnen.

Fans der ökologischen Nachhaltigkeit in Stuttgart speisen von jetzt an auch in einem innenarchitektonisch ausgezeichneten Lokal. Das „Heaven’s Kitchen“, entworfen von Urban Concept, ist unter den Gewinnern. Regional und saisonal wird in diesem Zero-Waste-Restaurant gekocht, dass die Einrichtung aus recycelten Materialien besteht, gehört zum gestalterischen Leitmotiv – auch, dass Materialien roh belassen wurden und Grün als Wandfarbe gewählt wurde.

So natürlich dort das Interieur inszeniert wird, so spektakulär ist die Gestaltung im „Eatrenalin“ im Europapark Rust nördlich von Freiburg im Breisgau. Der „kulinarische Sinnesrausch“ – in einer Lounge reist der Gast auf schwebenden Sesseln durch die Genusswelt – wurde von der Designagentur Atelier 522 geplant.

Wer allerdings das Gewinner-Objekt besuchen will, muss die Koffer packen und nach Norddeutschland reisen. Das Hamburger Frühstückslokal mit dem charmanten Namen „The Morgenmuffel“ hat im Juryranking bei den Restaurants den ersten Platz gemacht – entworfen von Bianca Lautenschläger-Haerlin und Ingo Haerlin von Design in Architektur aus Darmstadt, die unter anderem auch Ladengeschäfte entwerfen und Privathäuser sanieren.

„Ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde unter Wahrung der alten Stuckdecken und Dielenböden zu neuem Leben erweckt“, lobt die Jury. Und in der Tat dürften das farblich mutige Interieur, das auch lauschige Sitzecken aufwartet, selbst notorische Spätaufsteher aus dem Bett locken und schon in der Morgenstunde froh stimmen.

Bei den Bars siegte die „Gregor’s Boutique Vinothek“ Weinbar in Frankfurt am Main, bei Café und Bistros das „Sinor Lievito“-Café in Mailand und in der Kategorie Hotel konnte das „Reiters Supreme Premium Luxury Suites“ in Bad Tatzmannsdorf am meisten überzeugen.

Zeitlos schöne Bar in Südtirol

Nicht nur in Stuttgart und Hamburg, Bad Soden, Hattersheim und München, sondern auch im Ausland von Schottland bis Italien wurden die Juroren fündig. Wen es etwa in den Osterferien gen Süden zieht, der kann es sich etwa in auf 1800 Metern Höhe oberhalb von Brixen, im Tal in Bozen und in Mailand schön ergehen lassen. „In der „Luna Bar“ der Innenarchitektin und Architektin Christina Biasi-von Berg vom Büro Biquadra des „Parkhotel Mondschein“ in Bozen etwa „ist es Zeitlosigkeit, die ein berührendes Gefühl von Vertrautheit und Verbundenheit schafft“, lobt die Jury.

„Luna Bar“ im Hotel Mondschein in Bozen. Foto: Biquadra/Ana Santl

Die zeigte sich generell begeistert davon, wie „in enger und kreativer Zusammenarbeit mit den Gestaltern der planerischen wie der handwerklichen Zunft Orte entstanden, die ein ,Zuhause auf Zeit’ in besonderer Weise abbilden, sei es für wenige Stunden oder für mehrere Tage“, schreibt die Autorin Cornelia Hellstern im Vorwort zu dem Bildband zum Preis. Dieses gut gemachte Buch sei auch notorischen Daheimbleibern als Augenschmaus empfohlen, es stellt mit Bildern, Grundrissen und informativen Texten die Projekte vor.

Info

Buch
Pia A. Döll, Cornelia Hellstern: Die schönsten Restaurants, Hotels & Bars 2024. Callwey Verlag, 256 Seiten, 59,95 Euro. www.callwey.de

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