InterviewInterview mit Axel Kromer „Handball wird wieder schneller“

Von Jürgen Frey 

Der deutsche Co-Trainer Axel Kromer spricht zum Abschluss der Handball-WM über Trends, die Finalisten, das Achtelfinal-Aus der Nationalmannschaft und den neuen Coach.

Co-Trainer Axel Kromer (links) hört seinem Chef Dagur Sigurdsson zu. Foto: dpa
Co-Trainer Axel Kromer (links) hört seinem Chef Dagur Sigurdsson zu. Foto: dpa

Stuttgart - Wie Dagur Sigurdsson sitzt auch sein Assistent Axel Kromer künftig nicht mehr auf der Trainerbank der Handball-Nationalmannschaft – doch er bleibt dem DHB erhalten. „Dagur hat mich oft überrascht“, sagt der künftige Sportdirektor.

Herr Kromer, hat Sie die Endspielpaarung bei der Weltmeisterschaft überrascht?
Norwegen konnte befreit aufspielen und gehörte für mich zu den Geheimfavoriten. Dass Frankreich im Finale steht, war schon zu erwarten. Sie haben ein gutes, mit allen Wassern gewaschenes Team, hinzu kam der Heimvorteil. Aber jetzt kommt auch bei der Equipe Tricolore ein Umbruch.
Werden die Franzosen weiter um die Titel mitspielen?
Sie werden zum Favoritenkreis gehören ja, sie werden aber nicht wie in den vergangenen Jahren der alleinige Topfavorit sein.

Keine handballerischen Überraschungen

Haben Sie bei der WM Überraschendes festgestellt?
Norwegen, aber auch die Schweden haben gezeigt, dass der Trend wieder zum schnelleren Handball mit hoher Intensität geht. Ansonsten haben wir jetzt innerhalb von zwölf Monaten drei große Turniere gespielt, da kann es nicht die ganz großen handballerischen Überraschungen geben.
Die neue Möglichkeit, einen siebten Feldspieler zu bringen …
... wurde ja schon im Juli 2016 installiert und hat sich nicht als dominantes Mittel durchgesetzt – zum Glück. Der Charakter des Handballs blieb erhalten. Und ich finde es irgendwie beruhigend, dass gerade die beiden Endspielteilnehmer weitestgehend auf dieses taktische Mittel verzichtet haben. Ich hoffe, diese Regel wird wieder abgeschafft.

Sofort in die Arbei gestürzt

Haben Sie das Achtelfinal-Aus eigentlich schon verarbeitet?
Das ist mir schon sehr schwer gefallen. Das war schon ein unfassbar bedrückendes Gefühl, einfach furchtbar, fast surreal. Das war wie ein Lucky Punch gegen uns und in den zweieinhalb Jahren als Co-Trainer für mich die mit Abstand größte Enttäuschung. Ich bin allein nach Stuttgart geflogen. Und habe mich sofort in die Arbeit gestürzt, die auch mit Handball zu tun hatte, aber eben nicht direkt mit der WM.
Haben Sie mit ein bisschen Abstand eine Erklärung für das 20:21 gegen Katar?
Die Torwart- und die Abwehrleistung haben ja gestimmt. Im Angriff haben wir aber 15 technische Fehler fabriziert und insgesamt brachten wir nicht die Emotionen, die Leidenschaft, aufs Feld wie im Spiel gegen Kroatien.
Die Mannschaft war sich zu sicher?
Überheblich war die Mannschaft sicher nicht, so naiv sind die Spieler nicht. Aber natürlich spielt der Kopf eine Rolle: Jeder weiß, dass wir besser sind als Katar und diesen Gegner in dieser geschwächten Besetzung eigentlich schlagen sollten. Diese klare Favoritenrolle in Verbindung mit einem K.-o.-Spiel ist im Sport eine gefährliche Mischung.

Katar hätte auf seine Spieler einwirken können

Dagur Sigurdsson hat danach Fehler im Coaching eingeräumt. Sie saßen als Co-Trainer auf der Bank. Wie sehr nehmen Sie sich mit in die Verantwortung?
Wenn Dagur Fehler einräumt, dann nehme ich mich mit ein. Natürlich hätten wir 15 Sekunden vor Schluss die Auszeit nehmen können, um der Mannschaft noch eine Botschaft mitzugeben. Aber es gab auch Argumente, sie nicht zu nehmen, denn auch Katar hätte auf seine Spieler einwirken können.
Rückraumspieler Steffen Fäth erwischte einen ganz besonders schwarzen Tag und nahm sich den letzten Wurf.
Darüber habe ich mir in der Tat mehr Gedanken gemacht. Seine Angriffsquote hätte sicher dafür gesprochen, Alternativen zu versuchen.
Niclas Pieczkowski und Simon Ernst schmorten aber 60 Minuten auf der Bank.
Vielleicht haben wir zu lange an einzelnen Spielern festgehalten. Wir haben immer gesagt, wir haben einen guten und ausgeglichen besetzten Kader. Deshalb räume ich im Nachhinein ein: Ja, wir hätten es mit einem der beiden oder gar mit den beiden probieren müssen.

Man muss auch mal abschalten

Was nehmen Sie aus der Zeit mit Dagur Sigurdsson mit?
Dass er ein Handballexperte ist, steht ja außer Frage. Dennoch unterhält man sich fachlich auf Augenhöhe. Was ich vor allem von ihm gelernt habe ist es, sich selbst zu steuern, sich auch mal Momente zu nehmen, vom Handball abzuschalten, den Druck rauszunehmen.

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