InterviewInterview mit BDA-Präsident Hundt „Dann prüfen wir eine Klage“

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Exklusiv Der scheidende Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt gilt als das Gesicht der Wirtschaft und war lange Aufsichtsratschef des VfB Stuttgart. Im Interview blickt der Schwabe auf seine Erfolge und Niederlagen zurück - nicht ohne auch aktuelle Themen zu bewerten.

Dieter Hundt hat als Arbeitgeberpräsident gern mit den damaligen Bundeskanzlern Helmut Kohl und Gerhard Schröder zusammengearbeitet. Foto: Achim Zweygarth 20 Bilder
Dieter Hundt hat als Arbeitgeberpräsident gern mit den damaligen Bundeskanzlern Helmut Kohl und Gerhard Schröder zusammengearbeitet. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Am 18. November tritt Dieter Hundt als Arbeitgeberpräsident von der Bühne ab – zwei Jahre später, als er es ursprünglich mal vorgehabt hat. Die Nachfolge des Schwaben soll der Norddeutsche Ingo Kramer antreten. Hundt blickt auf eine einzigartige Karriere zurück.

Herr Hundt, in 17 Jahren hat sich das Etikett „Arbeitgeberpräsident Hundt“ fest eingeprägt. Was hat Sie an dem Ehrenamt des BDA-Präsidenten so lange fasziniert?
Ich habe die Funktion in all den Jahren immer mit Freude ausgeübt. Das Faszinierende daran ist, in wesentlichen politischen Fragen mitgestalten zu können. Dabei habe ich auch interessante Menschen getroffen, mit denen ein schwäbischer Mittelständler sonst nicht zusammenkommt.
Bisher waren die Baden-Württemberger in den Spitzenverbänden immer vertreten. Wo bleibt diese Stimme künftig?
Zunächst mal haben wir zum Beispiel bei Gesamtmetall einen baden-württembergischen Präsidenten. Der Mainstream ist aber leider der, dass sich befähigte jüngere Menschen für gesamtgesellschaftliche Aufgaben immer weniger zur Verfügung stellen. Viele fühlen sich mit ihrem eigenen Unternehmen ausgelastet. Das gilt aber nicht nur für die Wirtschaft: Die Bereitschaft, etwas über die eigene Interessenlage hinaus zu tun, nimmt ab.
Welche Erfolge verbinden Sie besonders mit Ihrer Amtszeit – worauf sind Sie stolz?
Mindestens zwei Dinge: Als ich 1996 zum BDA-Präsidenten gewählt wurde, war die Unternehmerschaft in hohem Maße uneinig – es gab in weiten Teilen eine stark ausgeprägte Ablehnung der Gewerkschaften und der Tarifautonomie, ausgelöst nicht zuletzt durch mein Pendant beim BDI, Hans-Olaf Henkel. Ende der neunziger Jahre waren wichtige Industrievertreter der Meinung, dass alle Tarifverträge auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollten. Ich bin besonders stolz darauf, dass es der BDA unter meiner Führung gelungen ist, die Sozialpartnerschaft wieder zu einer wichtigen und funktionierenden Säule unserer Marktwirtschaft zu machen. Heute haben wir eine erfreuliche Geschlossenheit in der Unternehmerlandschaft. Es gibt kaum mehr Widerstände gegen die Tarifautonomie. Zudem freut es mich immer wieder, als Sprecher und Gesicht der deutschen Wirtschaft tituliert zu werden.
Und die zweite Errungenschaft?
Ich war ganz entscheidend daran beteiligt, mit den Gewerkschaften und der Politik in den Krisenjahren 2008 und 2009 die richtigen Maßnahmen zu vereinbaren. Beim ersten Krisengespräch im Kanzleramt im Dezember 2008 habe ich den Vorschlag gemacht, die Kurzarbeit für die Unternehmen wirtschaftlich verkraftbarer zu gestalten und flexible Arbeitszeitregelungen zuzulassen. Dadurch haben wir die Beschäftigung auf einem wesentlichen höheren Niveau gehalten, als es die damalige Lage gerechtfertigt hat.

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