Interview mit der Bibliotheks-Chefin "Die Bibliothek stellt sich der digitalen Welt"

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Am Freitag wird die neue Stadtbibliothek eröffnet. Im Interview spricht die Direktorin Ingrid Bussmann über ihr Konzept und ihre Hoffnungen.

Zimmer mit Aussicht: die Bibliothekschefin Ingrid Bussmann freut sich auf die ersten Besucher. Foto: Zweygarth 2 Bilder
Zimmer mit Aussicht: die Bibliothekschefin Ingrid Bussmann freut sich auf die ersten Besucher. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Das neue Haus muss die Herzen der Stuttgarter erst noch erobern: Zahllose Autofahrer haben die Bibliothek am Mailänder Platz von der Heilbronner Straße aus schon gesehen - und ihr Urteil über den Würfel gefällt. Nun bietet sich die Chance, genauer hinzusehen: Am Freitag kommen die Prominenten zur Einweihung, einen Tag später folgt das Volk bei einer Langen Nacht. Ingrid Bussmann, Chefin der Stadtbibliothek, redet über "das erste Haus am Platz".

Frau Bussmann, herzlichen Glückwunsch, Sie sind von Freitag an die Direktorin von Deutschlands modernstem Gefängnis.

Sie spielen auf die Debatte über die Architektur der neuen Bibliothek an: "Bücherknast, Stammheim zwei" - die Diskussion hat uns betroffen gemacht. Wir haben darauf reagiert und bieten seit Oktober 2010 Baustellenführungen an. Viele haben vorher nur das Gebäude gesehen und dabei übersehen, dass es ein Bau ist, der den Menschen in der Stadt dienen soll. Das ist kein Repräsentationsbau.

Wie groß war der Anteil der Bekehrten nach diesen Führungen?

Ich habe häufiger erlebt, dass sogar harte Gegner des Baus nach dem Rundgang gesagt haben: "So schlecht ist es gar nicht."

Kritiker des Gebäudes sagen, dass neben die kühlen Glasfassaden des Bankenviertels ein kalter Klotz aus Stein gesetzt wurde.

Das Haus gibt sich bewusst introvertiert - aber wer es als Besucher betritt, der erlebt, wie es sich nach innen öffnet. Für mich wird es der schönste Moment meines Berufslebens sein, wenn die Menschen von ihrer Bibliothek Besitz nehmen. Ich glaube, die Debatte über die Gestalt der Bibliothek hat sich schon gedreht - und ich hoffe, dass noch viele ihre Meinung ändern werden, wenn sie den Bau von innen gesehen haben werden.

Rund um Ihr Haus kreisen die Kräne, das Umfeld der Bibliothek ähnelt einer Schlammbadewanne - bedauern Sie, dass Ihre Gäste dreckige Schuhe bekommen, wenn am Freitag der Rote Teppich ausgerollt wird?

Dass es so kommt, habe ich mir nicht erträumt. Als wir 1997 mit der Planung der neuen Bibliothek begonnen haben, glaubten wir, dass das Quartier um uns herum fertig sein würde, wenn wir öffnen. Aber manchmal entwickeln sich die Dinge anders als erhofft. Nun sind wir das erste Haus am Platz - im doppelten Wortsinn.

Wer die Bibliothek erreichen will, muss sich bemühen: Es fehlen Parkplätze, die Stadtbahnstation der Linie U 12 am Budapester Platz ist nicht fertig...

...dennoch ist die Bibliothek gut erreichbar. Die Haltestelle Türlenstraße ist vom Charlottenplatz und vom Hauptbahnhof aus zu erreichen. Von der Haltestelle führt ein Steg zur Bibliothek. Vom Bahnhof aus sind die Besucher zu Fuß in knapp zehn Minuten bei uns. Die meisten Autofahrer werden zunächst die Parkhäuser in der Umgebung nutzen müssen. Aber das ist im Wilhelmspalais, unserem früheren Domizil, auch nicht anders gewesen.

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