InterviewInterview mit Hannes Rockenbauch zur OB-Wahl „S 21 allein reicht nicht für eine Bewerbung“

Von Thomas Braun 

SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch sieht unter bestimmten Bedingungen für sich eine Chance bei einer OB-Kandidatur. Entschieden hat er sich aber noch nicht.

Hält sich zu einer Kandidatur weiter bedeckt: Hannes Rockenbauch Foto: Achim Zweygarth
Hält sich zu einer Kandidatur weiter bedeckt: Hannes Rockenbauch Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart – Hannes Rockenbauch war über Jahre hinweg der Wortführer des Protests gegen Stuttgart 21. Den Stadtrat des parteifreien Bündnisses Stuttgart-Ökologisch-Sozial (SÖS) könnten sich viele auch als OB-Kandidaten der Protestbewegung vorstellen. Im Gespräch mit der StZ spricht sich Rockenbauch zwar für einen solchen Bewerber aus, lässt aber eigene Ambitionen offen.


Herr Rockenbauch, sogar im Lager der Stuttgart-21-Gegner herrscht eine gewisse Irritation darüber, ob die Projektgegner nun einen eigenen Kandidaten für die OB-Wahl im Herbst aufstellen oder nicht. Können Sie uns aufklären?
Was ich sagen kann, ist, dass in der Protestbewegung intensiv darüber diskutiert wird, ob das sinnvoll wäre. Auf der Internetseite der Meisterbürger etwa werden schon Kandidaten gehandelt. Es gibt verschiedene Ideen, etwa die, dass man 21 Kandidaten aufstellt oder sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigt.

Es gibt aber auch einen Beschluss des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, wonach man keinen eigenen Kandidaten aufstellen wird, sich aber gleichzeitig auch nicht für oder gegen einen Bewerber aus dem Lager der S-21-Gegner engagieren werde.
Das ist auch völlig richtig. Der außerparlamentarische Widerstand ist so vielfältig, dass es in der jetzigen Situation nicht gelingen würde, den einzig wahren Kandidaten aufs Schild zu heben. Es gibt auch kein legitimiertes Gremium, das diesen nominieren könnte. Manche sagen zudem, es wäre besser, nach den Erfahrungen bei der Volksabstimmung über den Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung von Stuttgart 21 die OB-Wahl zu boykottieren. Aber ich bin mir sicher, dass es einen OB-Kandidaten aus der Protestbewegung geben wird, der sich hundertprozentig gegen das Projekt engagiert und mehr tut als nur einer kritisch-konstruktiven Begleitung das Wort zu reden. Klar ist aber auch: das Thema Stuttgart 21 allein reicht nicht aus, um als OB-Bewerber anzutreten. Da muss schon mehr da sein, und das Aktionsbündnis beschäftigt sich eben nicht mit Themen wie LBBW oder Stadtwerke.

Nun wird Ihr Name im Zusammenhang mit einer Kandidatur immer wieder genannt. Hätten Sie Interesse?
Ich sehe grundsätzlich unter bestimmten Bedingungen eine Chance in einer solchen Kandidatur, habe mich aber persönlich noch nicht entschieden. Die zentrale Frage ist, ob das ein sinnvolles politisches Projekt ist. Man muss die Chancen und die Risiken gegeneinander abwägen. Für eine solche Bewerbung braucht es eine breite Trägerschaft. Es darf nicht so laufen wie bei den Parteien, wo die Kandidaten in Hinterzimmerrunden ausgekungelt werden. Im Moment ist aber alles noch nicht spruchreif.

Sie könnten ja als Kandidat des parteifreien Bündnisses SÖS ins Rennen gehen, für das Sie im Gemeinderat sitzen?
Das ist durchaus eine Vorstellung. Eine Lehre aus Stuttgart 21 ist: wir brauchen ein langfristig angelegtes Projekt, dass mehr als Wahlkampf ist. Zunächst einmal müsste man Inhalte mit den Leuten diskutieren und erarbeiten. Ich denke da etwa an Stadtteilrunden, wo die Bürger sich direkt programmatisch einbringen können, die durch Stuttgart 21 politisiert sind. Nebenbei bemerkt ist es schon interessant zu sehen, wie sich andere Parteien der Begrifflichkeiten bemächtigen, die wir in der Protestbewegung erarbeitet haben: Jetzt wollen sogar CDU, FDP und Freie Wähler einen angeblichen Bürger-OB ins Rennen schicken. Ich denke auf jeden Fall, dass es wichtig wäre, dass es zumindest für den ersten Wahlgang eine glasklare Alternative zu den bekannten Protagonisten gibt – unabhängig von meiner Person gibt es da genug kompetente Leute. Was im zweiten Wahlgang ist, wird man sehen. Aber dieser Prozess braucht Zeit – echte Bürgerbeteiligung braucht eben Zeit.