Interview mit Hans-Josef Straub „Ich will die Interessen lautstark vertreten“

„Ohne uns gäbe es die Bahn gar nicht“, sagt Hans-Josef Straub. Foto: factum/Bach
„Ohne uns gäbe es die Bahn gar nicht“, sagt Hans-Josef Straub. Foto: factum/Bach

Das ist eine Überraschung: Hans-Josef Straub will es nochmals wissen. Erneut kandidiert er für den Kreistag.

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Interview - Wenn es im Böblinger Kreistag um die Hesse-Bahn ging, wurde der Ton auch mal lauter – jedenfalls, wenn sich der SPD-Politiker Hans-Josef Straub zu Wort meldete. Manche hatten sich schon auf seinen Abschied gefreut, den Weil der Stadts ehemaliger Bürgermeister auch angekündigt hatte. Warum er den Kreistags-Ruhestand aber verschiebt, erläutert der 61-Jährige im Interview.

Herr Straub, warum werfen Sie Ihren Hut nochmals in den Ring?

Ganz spontan habe ich mich entschlossen, noch einmal anzutreten. In der Zeitung war zu lesen, dass sich die standardisierte Bewertung für die Verlängerung der S-Bahn als wirtschaftlich erwiesen hat. Das ist ein großer Erfolg für uns im Kreistag, für die Vertreter in der Region Stuttgart, für die Bürgerinitiative und für alle, die für dieses Gutachten gekämpft haben.

Auch Sie persönlich wollen diesen Kampf fortsetzen?

Ja. Richtig geärgert habe ich mich, als ich gelesen habe, dass die beiden Landräte und der Verkehrsminister trotz dieses Gutachtens die Hesse-Bahn als Dieselzug bis Renningen weiter verwirklichen wollen. Der Calwer Landrat meinte: Die Nörgler aus dem Kreis Böblingen müssten doch jetzt zufrieden sein. Da dachte ich: Dieses Gutachten ist eine riesige Chance, die wir auch nutzen müssen. Dabei will ich mithelfen.

Ursprünglich wollte Landrat Roland Bernhard ja schon im Herbst im Kreistag über den Zuschuss für die Hesse-Bahn abstimmen lassen. War es auch Ihr Erfolg, dass die Abstimmung gar nicht erst zustande kam?

Das habe ich – zusammen mit CDU-Fraktionschef Helmut Noë und den Vertretern der Freien Wählern -durchgesetzt. In der SPD-Fraktion war es natürlich ich, der den Kurs in dieser Frage maßgeblich beeinflusst hat, das gebe ich zu.

Der Nordkreis zeigt da Solidarität, auch über Fraktionsgrenzen hinweg.

Wir haben derzeit leider keinen SPD-Kreisrat aus Renningen. Meine Hoffnung ist es, dass der dortige Kandidat Jan Hambach es diesmal schafft. Dann sind wir stark, denn manchmal hat man schon den Eindruck, dass Weil der Stadt, Renningen und Weissach in der Kreispolitik etwas vergessen werden. Auch deshalb will ich die Interessen weiterhin lautstark vertreten.

Der Zuschuss von 3,9 Millionen für die Hesse-Bahn ist jetzt erst einmal vom Tisch, oder?

Im Kreistag müssen wir aber Acht geben: Wenn wir schon einen Zuschuss geben, was der Landrat ja will, dann geben wir ihn für eine neue S-Bahn-Strecke, und nicht für eine alte Diesel-Infrastruktur.

Jetzt liegt das Gutachten zur S-Bahn-Verlängerung vor. Es ändert sich erst mal dennoch nichts, wurde nach einem Treffen im Stuttgarter Verkehrsministerium deutlich.

Das große Problem ist, dass man auch im Verkehrsministerium noch davon ausgeht, dass die Hesse-Bahn bis Renningen gebaut wird. Auch die Freien Wähler und ihr Kandidat Wolfgang Faißt haben ja schon betont: Man baut doch keine zwei Bahnhöfe für vier Millionen um, die man anschließend nicht mehr braucht, wenn die S-Bahn bis Calw fährt. Da denke ich: Dann nehmen wir die vier Millionen und dazu die 3,9 Millionen, die der Kreis Böblingen als Zuschuss vorgesehen hat. Dann haben wir schon mal fast acht Millionen Euro als Grundstock für die S-Bahn-Verlängerung.

Was sollte man jetzt als nächstes tun?

Wir glauben, wenn die Hesse-Bahn bis Renningen fährt, dann wird der Kreis Calw keinen Finger mehr krümmen. Diese Vermutung basiert natürlich auf Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit mit dem Kreis Calw gemacht haben. Deshalb sollte man jetzt anfangen, die Hesse-Bahn zu bauen, aber nur bis Weil der Stadt.

Das Verkehrsministerium hat erst vor zwei Wochen wiederholt, dass das nicht geht, weil es die Förderrichtlinien zur Wirtschaftlichkeit nicht zulassen.

Vor 20 Jahren stand ich mit dem damaligen Verkehrsminister Hermann Schaufler an einer Straßenkreuzung in Weil der Stadt, und auch er hat gesagt: Herr Straub, der Bau der Südumgehung geht nicht, weil es eine Bundesstraße ist. Da hatte ich geantwortet: Herr Minister, dann ändern Sie das Gesetz! Daraufhin hatte ich einen Vorschlag zur Gesetzesänderung gemacht – und seit 18 Jahren fahren wir jetzt über die Südumgehung.

Man müsste die Förderrichtlinien ändern?

Klar, bis auf die ersten zehn Artikel des Grundgesetzes und die zehn Gebote in der Bibel kann die Politik alles ändern. Da steht man doch nicht hin – wie zum Beispiel unser Landrat – und sagt: Es ist halt so. Dabei sind doch Politiker dafür da, die Dinge zu ändern.

Für die Südumfahrung haben Sie mit dem Kreis Calw ausgehandelt, die Bahnbrücke abreißen zu dürfen, um sie später wiederaufzubauen, wenn die Bahn reaktiviert wird. War das damals richtig?

Roland Bernhard, der heutige Böblinger Landrat, war damals Landesbeamter in Calw. Mit ihm hatte ich damals über die Brücke verhandelt. Ohne dies wäre der Bau der Südumfahrung nicht möglich gewesen. Übrigens: Vom ersten Tag der Planung unserer Südumfahrung an haben wir alle Beteiligten – auch in Calw – miteinbezogen. Bei der Hermann-Hesse-Bahn wären mein Nachfolger oder Wolfgang Faißt froh, wenn sie auch von Anfang an mit einbezogen worden wären.

Sie haben viel Erfahrung mit großen Verkehrsprojekten. Wie finden Sie das politische Handeln des Calwer Landrats? Beim Lärmschutz zum Beispiel mauert er, weil er nicht vorgeschrieben sei.

Als wir damals die Nordumgehung geplant hatten, war es auch so: Die Anwohner hätten juristisch keinen Anspruch auf Lärmschutz gehabt. Den Anwohnern habe ich damals gesagt: Wir machen ein Lärmgutachten, setzen alle dort geforderten Maßnahmen um – es sei denn, ihr klagt. Durch diesen freiwilligen Lärmschutz konnten wir die Nord- und auch die Südumgehung bauen, ohne, dass wir durch Klagen Verzögerungen bekamen.

Der Calwer Landrat nimmt gerne den Begriff Nörgler in den Mund. Sind Sie gegen alles?

Auch da muss ich aufklären: Als vor etwa 20 Jahren die Naturschutzverordnung für den Nordschwarzwald entstand, wurden auch wir gefragt, weil ein Teil des Walds dort der Stadt Weil der Stadt gehört. Und wissen Sie, wer auf die Idee kam, dass man die Bahntrasse nach Calw für den Zugverkehr offenhält? Das war ich. Dann vorzuwerfen, wir seien Nörgler und Kritiker, ist ein starkes Stück. Ohne uns gäbe es die Reaktivierung wahrscheinlich gar nicht.

Im Gespräch ist jetzt eine Sprinter-Bahn von Calw nur bis Feuerbach. Wie finden Sie das?

Wenn Sie morgens in die S-Bahn einsteigen, ist sie knallvoll. Wenn Sie die Calwer da noch draufrechnen, wären das noch mehr Fahrgäste. Deshalb ist der Sprinter super, zum Beispiel für die Pendler zu Porsche nach Zuffenhausen. Die anderen nehmen die Züge, die durchfahren – das ist also durchaus eine Entlastung.




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