InterviewInterview mit „Polizeikontrollen“-Machern App sagt Blitzern und Staus den Kampf an – auch in Stuttgart

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Wer sicher und günstig mit seinem Auto durch Stuttgart kommen will, kann seit Kurzem auf die App „Polizeikontrollen“ zurückgreifen. Die App beruht auf Facebookseiten, die seit 2011 in 45 deutschen Städten aktiv sind. Wir haben uns mit den Machern unterhalten.

Die App „Polizeikontrollen“ hilft  Verkehrsteilnehmern, Blitzer und Staus frühzeitig zu erkennen. Foto: poko-app.de
Die App „Polizeikontrollen“ hilft Verkehrsteilnehmern, Blitzer und Staus frühzeitig zu erkennen. Foto: poko-app.de

Stuttgart - Wer sich regelmäßig in Stuttgart hinters Steuer setzt, der weiß, dass einem während der Fahrt allerlei Widrigkeiten begegnen können. Seien es Blitzer, Polizeikontrollen oder gesperrte Straßen beziehungsweise Tunnel – so ganz kann man sich vor Fahrtantritt nicht sicher sein, was einen auf den Straßen der Landeshauptstadt erwartet.

Für all diejenigen, die die bösen Überraschungen auf ein Minimum reduzieren wollen gibt es – bereits seit 2011 – die Facebook-Seite „Polizeikontrollen Stuttgart“, die es übrigens nicht nur für die baden-württembergische Landeshauptstadt, sondern für weitere 44 deutsche Städte gibt. Seit Mitte 2019 warten die Verantwortlichen sogar mit einer App auf.

Wir haben bei den Machern der Seite zu den Hintergründen und den Plänen für die Zukunft nachgefragt. Fabio Richter, der zu einem Team von rund 35 Leuten gehört, hat uns Rede und Antwort gestanden.

Seit wann gibt es die Facebook-Seite und wer steckt dahinter?

Die ersten Facebook-Seiten sind im Frühjahr 2011 entstanden. Bis Ende 2011 hatten wir dann 45 Seiten, beziehungsweise Städte. Dahinter steckt ein Team von circa 35 Leuten, die täglich eingehende Meldungen über die Facebook-Seiten sowie über unsere internen Apps überprüfen, und anschließend veröffentlichen. Vor neun Jahren starteten wir auch mit den Facebook-Seiten für Stuttgart, Hamburg und Frankfurt am Main.

Wie entstand die Idee?

Die Thematik Blitzer sowie das tägliche Verkehrschaos waren die Ursprünge unserer Idee. Wie es sich bis dato auch etabliert hat, tragen die Autofahrer heutzutage einen großen Anteil in Sachen Einnahmen für die unterschiedlichsten Stadtkassen. Allein, dass mit den ganzen Bußgeldern bereits vor Aufbau eines Blitzers gerechnet sowie geplant wird, war und ist unserer Meinung nach ein Unding. Sehr viele Blitzeranlagen beziehungsweise Geschwindigkeitsmessungen sind unserer Meinung nach überflüssig. Schade, dass auf eine solche Art und Weise die Kassen gefüllt werden müssen.

Was wollen Sie mit Ihrem Angebot bezwecken?

Wir wollen mit unseren Meldungen unseren Nutzern die Möglichkeit geben, etwas entspannter sowie zügiger durch den Verkehr zu kommen. Ein Blick vor Fahrtantritt in unsere App und/oder auf die jeweilige Facebook-Seite kann vor größeren Hindernissen oder aber auch Blitzern warnen.

Wie erfolgreich ist die Facebook-Seite?

Mit über 55.000 Fans liegt die Seite „Polizeikontrollen Stuttgart“ an zweiter Stelle unserer Topseiten. Auf Top 1 liegt hierbei übrigens „Polizeikontrollen Hamburg“ mit mehr als 75.000 Fans (Stand: Anfang März 2020).

Die Followerzahlen steigen von Tag zu Tag, jedoch nicht mehr so wie vor vier bis sechs Jahren. Dies liegt jedoch an der Politik, die Facebook seit geraumer Zeit pflegt. 55.000 Likes bedeutet nicht, dass ein jeweiliger Beitrag auch 55.000 Mal angesehen wird. Die Reichweite aller Facebook-Seiten – unabhängig von unseren – sind natürlich sehr gestiegen. Hierbei gibt es mehrere Punkte: Zum einen möchte Facebook Geld verdienen, indem Seitenbetreiber in Reichweite investieren, was bei der Menge an Beiträgen auf unseren Seiten gar nicht möglich wäre. Andererseits gibt es bei Facebook auch einen Mechanismus: Je mehr Nutzer auf einem Beitrag das „gefällt mir“ drücken, den Beitrag teilen oder aber auch kommentieren, desto höher ist die Reichweite.

Entscheidend ist bei uns allerdings das Gesamtbild. Die einsehbare Reichweite der jeweiligen Beiträge, die Anzahl an eingehenden Meldungen plus die App-Nutzer ergeben für jeden einzelnen Beitrag eine individuelle Reichweite. Grundlegend hat ja auch jeder die Möglichkeit, unsere Dienste abzurufen, und sich somit zu informieren, was – wie – wo geschieht, auch wenn unsere Meldung bei dem Fan nicht auf der Timeline erscheint.

Seit wann gibt es die App?

2017 hatten wir mit dem Thema App angefangen. Die erste, ohne größere Fehler funktionierende App für die Systeme iOS und Android erschien Mitte/Ende 2019.

Wie sind Sie auf die Idee mit der App gekommen?

Heutzutage sollte man nie abhängig sein, auch nicht in einer solch großen Community, beziehungsweise bei Projekten wie diesen. So war es bereits 2011 unser Wunsch, eine Applikation für Smartphones auf die Beine zu stellen und in erster Linie um unabhängig von Facebook zu sein. Sollte Facebook von heute auf morgen offline gehen, so wären beispielsweise auch unsere Seiten weg. Andere skurrile Fälle im beruflichen Umfeld zeigten aber auch schon, dass Facebook gerne mal willkürlich Seiten oder Accounts sperrt. Aus diesem Grund ist es uns wichtig, nicht nur von Facebook abhängig zu sein.

Neben diesem Aspekt haben wir uns aber auch überlegt, wie ein „cooler Beifahrer“ aussehen könnte, und das wollen wir in unserer App verwirklichen.

Wie sieht es mit den Downloadzahlen der App aus?

Im Playstore für Android waren es bisher laut Statistik schon 10.000 Downloads. Die iOS-App liegt hierbei um die 15.000 Downloads (Stand: Anfang März). Unter den iOS-Nutzern sind die Downloadzahlen immer am höchsten.

Was sind die Unterschied zwischen der Free- und der Premium-App?

Premiummitglieder haben die Funktionsmöglichkeit „Fahrtmodus“ sowie keine Werbung innerhalb der App. Beim „Fahrtmodus“ handelt es sich um eine andere Ansicht der Karte. Mit dem zuletzt veröffentlichen Update haben Premium-Mitglieder die Möglichkeit bekommen, Warn-Sounds zu ändern. Hierfür stehen verschiedene zur Auswahl.

Nutzen viele User die Premium-Variante?

Mehr geht immer! Für den aktuellen Stand sind wir zufrieden, wünschen uns natürlich dennoch mehr, nicht um uns zu bereichern, sondern einfach mehr in das Projekt investieren zu können. Dabei in erster Linie in unsere App, denn diese bringt einiges an Entwicklungskosten mit sich. Damit wir dies auch in der Zukunft decken können, sind wir immer wieder auf Premium-Verkäufe sowie Spenden von unseren Fans angewiesen.

Sind Sie zufrieden mit dem Start beziehungsweise der Entwicklung der App?

Nach vielen Stunden, die bis zu einer fertigen sowie funktionierenden App vergangen sind, sind wir mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. Mehr Unterstützung beziehungsweise mehr Entwickler würden wir uns wünschen, um noch schneller und mehr Updates entwickeln zu können, dies ist jedoch auch immer eine Preisfrage.

Blitzerwarner und Co. sind ja ein rechtlicher Graubereich. Wurdet Ihr eventuell schon mal angezeigt oder hattet ihr schon mal Probleme mit der Polizei oder Facebook deswegen?

Es gibt einige Spielregeln, die zu beachten sind, weshalb wir auch innerhalb der ersten Jahre einen Leitfaden entworfen haben, woran sich das ganze Team hält. Für die Facebook-Seiten gelten natürlich alle datenschutzrelevanten Themen wie auch überall anders. Dazu gehört beispielsweise das Schwärzen von Gesichtern oder Kennzeichen auf Bildern die uns eingesendet werden.

Bei größeren Verbrechen, die mit einer Fahndung einhergehen, stellen wir für den jeweiligen Zeitraum die Veröffentlichung von Polizeikontrollen ein, um die Ermittlungsarbeiten der Polizei nicht zu erschweren. Das heißt: Jemand, der eine Bank überfällt, soll durch uns keine besseren Fluchtmöglichkeiten erhalten, um so beispielsweise der Polizeikontrolle oder der Fahndung zu entgehen. An diese sowie auch andere kleinere Regeln, die wir zu Beginn beschlossen haben, halten wir uns und haben dadurch bisher keine Probleme gehabt.

Aus sicheren Quellen wissen wir, dass wir auf den verschiedensten Polizeistationen hin und wieder mal im Gespräch sind, jedoch aber im Positiven. Hierbei soll es wohl Beamte geben, die jedes Mal gespannt sind, wie schnell wir mit einer Meldung in Verbindung mit einer anstehenden Messung oder Polizeikontrolle online sind. Meistens können wir diese veröffentlichen, wenn sich beispielsweise eine Messung gerade noch im Aufbau befindet. Ebenfalls gibt es auch Beamte, die sich über Meldungen informieren, schließlich sind diese ja auch nur Menschen.

Im Grunde geben wir erhaltene Informationen nur weiter und veröffentlichen diese. Ansonsten sind unsere Facebook-Seiten sowie unsere App im legalen Bereich. Jeder kann sich vor Fahrtbeginn entsprechende Informationen über unsere Facebook-seiten oder über unsere App holen.

Was ist für die Zukunft geplant?

Für die Zukunft ist ganz klar der weitere Ausbau unserer App geplant. Größere Updates sind bereits in der Planung und sollen in Kürze auch umgesetzt werden. Allzu viel können wir an dieser Stelle natürlich noch nicht verraten, es soll ja auch noch spannend bleiben.

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