Interview „Wollen ein Stück weit die Welt retten“

Die Stadtwerke  setzen künftig weniger auf Windkraft und mehr auf Solaranlagen. Foto:  
Die Stadtwerke setzen künftig weniger auf Windkraft und mehr auf Solaranlagen. Foto:  

Die Stadtwerke Stuttgart ändern ihre bisherige Strategie. Raus aus der Windkraft, rein in Solarenergie heißt die neue Maxime. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklären die beiden Geschäftsführer Olaf Kieser und Martin Rau, wie sie die kommunale Energiewende voranbringen wollen und wo es Reibungsverluste gibt.

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Stuttgart - Die Stadtwerke Stuttgart ändern ihre Strategie: Investitionen in Windkraftanlagen sollen bald der Vergangenheit angehören. Im Gespräch erläutern die beiden Geschäftsführer Olaf Kieser und Martin Rau die neue Linie – und verraten, woran es mitunter hapert.
Herr Kieser, Herr Rau, Sie hatten zum Start der Stadtwerke für Ende 2013 die Zahl von 30 000 Kunden angepeilt. Anfang 2016 haben Sie gerade mal 16 000 Kunden. Wann gedenken Sie die ursprüngliche Zielmarke denn zu erreichen?
Rau: Diese erste Prognose aus dem Jahr 2013 war sehr optimistisch, da haben Sie recht. Ich bin aber durchaus zufrieden, weil wir inzwischen einen spürbaren Anstieg der Kundenzahlen verzeichnen. Ich denke, dass wir noch dieses Jahr die 20 000er-Marke erreichen können.
Wie viel Prozent der Stuttgarter Haushalte versorgen Sie momentan?
Rau: Ungefähr fünf Prozent.
Noch ein weiter Weg zum Grundversorger.
Rau: Ja
Sie haben im Gegensatz zum Konkurrenten EnBW den Strompreis zum 1. Januar 2016 gesenkt. Haben Sie für 2017 nochmals eine frohe Botschaft für die Kunden im Köcher?
Rau: Im Moment ist das nicht vorgesehen. Wir wissen derzeit nicht, wie sich die zahlreichen staatlichen Abgaben und Steuern ändern, die zu einem großen Teil den Strom- und Gaspreis beeinflussen. Die Strompreissenkung 2016 war eine Folge der Neustrukturierung im Stuttgarter Stromnetz. Diesen positiven Sondereffekt haben wir bewusst zu einem Teil an unsere Kunden weitergegeben. Das hat nicht jeder Marktteilnehmer getan.
Dennoch wollen und müssen Sie Kunden gewinnen. Wie hoch ist denn Ihr Marketingbudget, wenn Sie gegen den Platzhirsch EnBW antreten wollen?
Rau: Die Größenordnung im Strom- und Gasvertrieb liegt etwa bei einer halben Million Euro im Jahr. 20 Prozent gehen ins reine Marketing, 80 Prozent werden direkt für Vertragsabschlüsse eingesetzt. Das Gesamtbudget sämtlicher Vertriebsaktivitäten der Stadtwerke liegt deutlich höher.
Kieser: Natürlich gibt es noch Optimierungspotenzial bei der Kundengewinnung. Wir wollen die Kunden künftig ganzheitlicher ansprechen, eher Paketlösungen anbieten für Fotovoltaik, Speicheranlagen, Elektromobilität.
Wenn man in Verbraucherportalen nach einem Stromanbieter sucht, stechen die Stadtwerke nicht auf Anhieb ins Auge. Gibt es Möglichkeiten, sich besser zu platzieren?
Kieser: Man könnte versuchen, als Niedrigpreisanbieter mit extrem hohem Aufwand ein extrem rasantes Wachstum hinzulegen. Mit einer aggressiven Preispolitik, die einen in Verbraucherportalen auf die ersten Seiten bringt. Die Frage ist nur, ob das nicht mit sehr schlechten wirtschaftlichen Ergebnissen endet .  .  .
Wie bei der EnBW-Tochter Yellow?
Das sagen jetzt Sie. Für die Stadtwerke Stuttgart jedenfalls zählt nicht in erster Linie der Preis, sondern die Qualität des Produkts, die Regionalität, der Mehrwert für die Umwelt.
Wäre denn ein Markenbotschafter für die Stadtwerke sinnvoll?
Rau: Selbst wenn man nur Mittelklasse-Prominente engagiert, ist man schnell bei einer sechsstelligen Summe. Ich denke, der Nutzen ist da begrenzt.




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