Investorenstreit in der DFL Kurve und Kapital: Warum der Protest seine Berechtigung hat

Tennisball-Protest in der Bundesliga: Auch die Fankurve des VfB Stuttgart wehrt sich mit Aktionen gegen die Pläne der DFL. Foto:  

Die deutschen Clubs sollten sich den Protest der Kurven zu Herzen nehmen. Und die DFL die Abstimmung über einen Investoreneinstieg transparent wiederholen. Das wäre das Mindeste, findet unser Sportredakteur Gregor Preiß.

Jetzt kommt also doch Bewegung in die Sache. Lange hielten sich die Clubs der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zurück, nun hat sich VfB-Präsident Claus Vogt aus der Deckung gewagt. Man möge das Abstimmungsergebnis doch bitte noch einmal überprüfen und gegebenenfalls wiederholen, forderte Vogt. Als Privatperson wohlgemerkt und nicht als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der VfB Fußball AG. Diese hatte für den Einstieg eines Investors in den deutschen Profifußball gestimmt. Das Abstimmungsergebnis mit einer Stimme über der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit kam höchst undurchsichtig zustande. Nachzufragen bei Martin Kind und Hannover 96.

 

Nun also Vogts Vorstoß einer demokratisch legitimierten Kurskorrektur. Warum erst jetzt? Die Antwort liegt auf der Hand: Vogt hat erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. Der anhaltende Protest hat den Fußball in eine Sinnkrise zwischen Kurve und Kapital gestürzt. Der soziale Frieden ist gefährdet, es droht die Eskalation. Dabei ist die Frage nachrangig, was Protest darf. Es geht um etwas anderes.

Wem gehört der Fußball im 50+1-Land Deutschland?

Es geht darum, wem der Fußball im 50+1-Land Deutschland gehört. Mats Hummels hat darauf eine einfache Antwort geliefert: „Das Spiel ist für die Fans.“ Man kann die Kurven nicht für ihre Stimmung bewundern, sie aber verdammen, wenn sie bei einer wegweisenden Zukunftsentscheidung laut ihre Stimme erheben. Die zweite Frage lautet: Was will der deutsche Fußball? Will er „das Rattenrennen“ mit der Geldvernichtungsmaschine Premier League aufnehmen – das er auch mit Investor nicht gewinnen wird? Oder nahbarer Volkssport bleiben?

Die Nische dafür gibt es. Man kann auch eine Nummer kleiner eine tragende Rolle spielen. Mit Stadion-Erlebnissen, für die Deutschland viel Bewunderung erfährt. Mit sportlichem Geschick, Weitblick; ohne das ganz große Geld, dafür mit einer guten Nachwuchsarbeit, die wahnwitzige Millionen-Transfers in Zukunft nicht ausschließt, aber auf ein gesundes Maß zurückführt.

Es ist ja nicht so, dass nicht genügend Geld im Kreislauf wäre. Nur sind die Clubs in der Vergangenheit nicht gerade schwäbisch damit umgegangen. Wenn nun mit CVC und Blackstone zwei zweifelhaft beleumundete Geldgeber, finanziert vom saudi-arabischen Staatsfonds PIF, die deutschen Clubs in eine bessere Zukunft führen sollen, erscheint der Protest fast schon geboten.

Der deutsche Fußball sollte seine ureigenen Probleme angehen – dafür braucht es keinen Investor

Der deutsche Fußball sollte besser seine ureigenen Probleme angehen. Wie ist mehr Wettbewerb möglich? Wie begeistert man die Fans von morgen für den Sport und das Stadionerlebnis – jenseits von Tiktok? Wenn die DFL tatsächlich keine andere Antwort weiß als einen Investor, sollte sie die Abstimmung mit der gebotenen Transparenz wiederholen. Das wäre unter demokratischen Gesichtspunkten das Mindeste.

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