Die frühere Daimler-Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen erwacht Schritt für Schritt zu neuem Leben. Als nächstes wird eine große Stufe genommen: Am Donnerstag, 14. September, feiert der Ankermieter Bechtle die Eröffnung seiner neuen Büros. Vier Tochterfirmen des aus Heilbronn stammenden IT-Dienstleisters sind unter das Dach von Haus Nummer 5 des Gebäudekomplexes geschlüpft. 400 Mitarbeitende teilen sich knapp 8000 Quadratmeter Fläche, verteilt auf fünf Etagen.
Man finde am Campus Sternhöhe, wie das Gelände jetzt genannt wird, „optimale Voraussetzungen, die Idee des kollaborativen Austauschs zwischen den Tochtergesellschaften, den Anforderungen der Mitarbeitenden an eine hochmoderne, kreative Arbeitsumgebung und die wirtschaftlichen Vorteile von Synergien miteinander zu verbinden“, teilt Bechtle mit. Auch Nachhaltigkeitsaspekte hätten mit den Ausschlag für den neuen Standort gegeben. Das Büro-Ensemble soll als „Green Building“ zertifiziert werden, Bechtle hat zudem 40 Ladepunkte für Elektroautos installiert.
Umnutzung statt Neubau – ein ökologisch sinnvoller Ansatz
„Wir verfolgen einen ökologischen Ansatz, zu dem die Bestandssanierung gehört und nicht Abriss und Neubau“, sagt Anja Bembenek, die Stuttgarter Sprecherin des Immobilienentwicklers Alstria Office, der den Komplex 2006 von Daimler im Sale-and-Lease-Back-Verfahren gekauft hat. Einzig der Kantinenkomplex sei abgerissen und neu konzipiert worden. Außerdem erhielt der zentrale Turm, auf dessen Dach demnächst der Mercedes-Stern demontiert wird, im unteren Bereich eine neue Glasfassade.
Im Mittelpunkt stehe der Campusgedanke, „dazu gehört das von allen nutzbare Gastroangebot, Sportangebot und eine Kindertagesstätte“, sagt Bembenek. Die Bausubstanz sei noch hervorragend. „Fenster und Fassaden besitzen Neubauqualität“, so die Sprecherin. Auch werde der von Alstria vorgenommene Innenausbau höchsten energetischen Ansprüchen gerecht.
Gut möglich, dass diese Aspekte auch vom Digitalexperten Sascha Lobo, bekannt durch Irokesenfrisur und pointierte Thesen, in einer Kurzansprache erwähnt werden. Auch Stuttgarts OB Frank Nopper wird zum Mikrofon greifen. Ein wenig Werbung für die Bürostadt an der Landhauskreuzung dürfte dabei auch nicht schaden. Momentan sind vier von zehn Häusern belegt, zwei davon noch von Mercedes. Die anderen Gebäude werden gerade umgebaut oder sind zu einem späteren Zeitpunkt dran. Den Mietpreis pro Quadratmeter gibt der Projektierer mit 16 bis 19 Euro an.
Für Alstria die Eintrittskarte nach Baden-Württemberg
Für die Bürostadt zwischen Musical Hall und Kelley Barracks ist es ein neues Kapitel in einer überaus wechselhaften Geschichte. Ende der 1980er unter dem damaligen Daimler-Chef Edzard Reuter für die Konzernführung erbaut, wurde sie von dessen Nachfolger Jürgen Schrempp als „Bullshit Castle“ geschmäht. Schließlich war es Dieter Zetsche, der den Rückzug des Vorstands in die Nähe der Werkshallen in Untertürkheim vollzog. Danach haben sich die Daimler-Mitarbeiter nach und nach aus dem Komplex verabschiedet, viele sind in Neubauten im Gewerbegebiet am Wallgraben umgesiedelt. Ende 2023 werden die letzten Mercedes-Leute die Sternhöhe verlassen. Für Alstria Office hat sich die Sternhöhe als Eintrittskarte nach Baden-Württemberg entpuppt. Nach dem Kauf der Daimlerzentrale gründete die Hamburger Firma eine Niederlassung in der Reuchlinstraße im Stuttgarter Westen. Mittlerweile betreibt das Unternehmen zehn Projekte in der Region Stuttgart. Mieter ist unter anderem die baden-württembergische Landesregierung.
Zu den Bechtle-Kunden gehören auch Autohersteller
Die Bechtle AG gehört mit einem Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro zu den größten IT-Dienstleistern Europas. 1983 in Heilbronn als Ein-Mann-Unternehmen gegründet, ist das M-Dax-Unternehmen in einem Partnerverbund heute weltweit tätig. Auf dem Campus Sternhöhe werden vier zuvor auf verschiedene Standorte in der Region Stuttgart verteilte Tochterfirmen angesiedelt: das Bechtle IT-Systemhaus Stuttgart und Modus Consult, ein Spezialist für Ressourcenplanungssysteme, sowie PP 2000 (Drucksysteme) und DPS-Software (CAD-Programme). Das Ziel sei es, die Kunden unter dem Motto „One Bechtle“ künftig ganzheitlich zu betreuen, so das Unternehmen. Darunter sind übrigens Mercedes und Porsche. Damit ist klar: Die Autoindustrie wird auch künftig beim Campus Sternhöhe noch ein Bein in der Tür haben.