Jaguar-Prozess in Stuttgart Anwohner beklagt Raserei

Von George Stavrakis 

Im sogenannten Jaguar-Prozess hat ein Anwohner die Raserei im Nordbahnhofviertel beklagt. Der Mann spricht von „Irren“, die durchs Viertel donnern würden.

Mit diesem gemieteten Jaguar soll der Angeklagte zwei Menschen totgefahren haben. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat
Mit diesem gemieteten Jaguar soll der Angeklagte zwei Menschen totgefahren haben. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Stuttgart - Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis etwas Schlimmes passieren würde, sagt der Mann vor der 4. Strafkammer des Landgerichts. Dort wird der Mordprozess gegen den 20-jährigen Mann geführt, der im März dieses Jahres an der Rosensteinstraße zwei Menschen mit einem gemieteten Jaguar bei einem Unfall getötet haben soll.

Der Zeuge wohnt im Nordbahnhofviertel und beklagt sich darüber, dass in dem Wohnquartier regelmäßig gerast werde. Am Unfalltag habe er zwischen 20.20 Uhr und 23.30 Uhr gehört, wie ein Auto mit lautem Motorengeräusch dreimal zwischen Nordbahnhofstraße und Milchhof stark beschleunigt habe. Beim dritten Mal habe er gedacht: „Was ist das für ein Irrer?“ Sein Anruf bei der Polizei sei weitgehend erfolglos geblieben. Ob es sich bei dem lauten Auto um den Jaguar des Angeklagten gehandelt hat, kann der Mann indes nicht sagen. Er habe das Fahrzeug nur gehört, sagt er aus.

Zeuge belauscht Beifahrer

Später sei er zum Unfallort gegangen. Dort habe er hinter einer Säule stehend gehört, wie der Beifahrer des Jaguar gesagt habe, der Fahrer müsse jetzt damit leben, dass er zwei Menschen ermordet habt. In seiner polizeilichen Aussage hatte der Zeuge noch von „getötet“ gesprochen. „Vielleicht hat er ja getötet und ermordet gesagt“, so der Anwohner als Zeuge vor Gericht.

Ein Polizeioberkommissar skizziert vor Gericht, wie akribisch die Ermittler vorgegangen sind. Man habe erhoben, dass im Großraum Stuttgart insgesamt 22 Jaguar F-Type zugelassen seien. Jeden einzelnen Halter habe man gefragt, ob er am Tag des Unfalls in Stuttgart unterwegs gewesen sei, um abzuklären, ob der Angeklagte bis zu dem tödlichen Unfall mit seinem Mietwagen aufgefallen sei.

Man habe bei Firmen und den Stuttgarter Straßenbahnen nach Kameraüberwachung des Unfallorts gefragt – ohne Ergebnis. Auch hat die Polizei mehrere Strecken abgefahren, auf denen der Angeklagte mit verschiedenen Mitfahrern unterwegs gewesen sein soll. Schließlich wurde der Sicherheitsmann des Ufa-Kinos befragt. Er hat die zwei Opfer als Letzter lebend gesehen, als er das Kinogebäude abgeschlossen hat. Der Mann ist als Zeuge geladen. Der Prozess wird am 14. Oktober fortgesetzt.

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