Handballerisch kann den erfahrenen Jakob Vestergaard nicht mehr viel überraschen. „Die vielen Autos, die vielen Blitzer, das heiße Wetter“ – damit hatte der neue Coach der SG BBM Bietigheim in seinen ersten Tagen beim Frauen-Bundesligisten nicht gerechnet. Inzwischen ist es kühler geworden, der 48-Jährige hat sich an die Verkehrslage gewöhnt – und vor allem ist er im Verein und bei der Mannschaft richtig gut angekommen: „Ich bin sehr zufrieden mit der Vorbereitung, die Rahmenbedingungen sind professionell, wir sind heiß auf den Start.“
Supercup in Ludwigsburg
An diesem Samstag (19 Uhr) geht es los mit dem Supercup-Duell gegen die HSG Bensheim-Auerbach. Da die SG BBM als deutscher Meister und DHB-Pokal-Sieger schlecht gegen sich selbst spielen kann, trifft sie in der MHP-Arena Ludwigsburg auf den unterlegenen Pokal-Finalisten, der sich mit Ex-SG-Kapitänin Kim Naidzinavicius verstärkt hat. Am 6. September (19 Uhr/MHP-Arena) folgt dann der Punktspielstart der SG mit dem Heimspiel gegen den Aufsteiger HSV Solingen-Gräfrath 76.
„Wir wollen alle nationalen Titel verteidigen“, stellt Sportdirektor Gerit Winnen klar. Das zu realisierten gehört praktisch zum Pflichtprogramm. Auch für den neuen Coach. Bei der Kür auf der internationalen Bühne soll er seinen Vorgänger Markus Gaugisch dagegen übertreffen. Im Vorjahr schied die SG unglücklich in der Gruppenphase der Champions League aus und verpasste damit das Viertelfinale. „Diesmal wollen wir die K.-o.-Runde unbedingt erreichen“, sagt Winnen. Wenn es zur Teilnahme am Final Four reichen würde, „wäre das ein Traum“.
Zweimal Champions-League-Sieger
Der neue Coach weiß sogar, wie man sich in der Königsklasse die Krone aufsetzt. 2009 und 2010 gelang ihm der Triumph in der Champions League mit dem dänischen Topclub Viborg HK, mit dem rumänischen Spitzenverein CS Oltchim Ramnicu Valcea stieß er immerhin bis in das Halbfinale vor. „Jakob Vestergaard ist einfach ein herausragender Trainer mit viel taktischer Finesse und einem sehr guten Draht zu den Spielerinnen. Er ist ein positiv handballverrückter, der unseren Sport 24 Stunden lebt“, beschreibt ihn Winnen.
Vestergaard hat zwar vor seinem Einstieg in Bietigheim noch keinen Verein in der Bundesliga trainiert, dafür aber von März 2015 an die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Warum es damals zur vorzeitigen Trennung kam? „Eine lange Geschichte“, sagt er, über die er nicht mehr groß reden möchte. Damals hatte der Däne im kleinen Kreis über fehlenden Rückhalt im Verband geklagt. Auch die Ziele waren komplett unterschiedlich. Während der Trainer eher auf die vorhandene – oder fehlende – Qualität im deutschen Frauenhandball allgemein hinwies und Zeit forderte, ging dem Deutschen Handballbund (DHB) seinerzeit der Fortschritt nicht schnell genug.
Mit der Entwicklung der DHB-Auswahl darf sich nun sein Vorgänger bei der SG befassen, Bundestrainer Markus Gaugisch. „Markus hat hervorragende Arbeit geleistet, wir tauschen uns immer wieder aus – auch über die Nationalmannschaft“, sagt Vestergaard. Diese soll von der Zäsur profitieren, die nach dieser Bundesligasaison ansteht. Die höchste deutsche Spielklasse wird von 14 auf zwölf Teams reduziert. Zudem wird ab der Saison 2024/25 der deutsche Meister durch Play-offs ermittelt.
Von 14 auf zwölf Teams
Bei der SG sieht man das mit gemischten Gefühlen. Natürlich könnten zwei schwerwiegende Verletzungen in den Play-offs einen um die Früchte einer ganzen Saison bringen, meint Winnen. Andererseits streicht Vestergaard die Attraktivität der K.-o.-Spiele für Zuschauer und Medien heraus. „In Dänemark wäre ein anderes System gar nicht mehr vorstellbar“, sagt der Coach.
Letztmals Heimspiele am Viadukt
Noch etwas wird es in dieser Saison letztmals für die SG geben: Heimspiele in der Sporthalle am Viadukt. Ab 2024/25 dürfen Partien nur noch in Hallen stattfinden, die Zuschauertribünen auf beiden Längsseiten des Feldes haben.
Für die SG BBM Bietigheim bieten sich dann vier Möglichkeiten an: die Egetrans-Arena, die MHP-Arena, die Rundsporthalle Ludwigsburg und die Scharrena in Stuttgart. „Wir sind in Gesprächen“, sagt Winnen dazu. Aber das ist zunächst einmal nur Zukunftsmusik: Vorerst geht es ausschließlich um das Supercup-Duell mit Bensheim. In dem nicht nur der neue Trainer keine Überraschung erleben will.
Info
Erster Spieltag
SG BBM Bietigheim – HSV Solingen-Gräfrath 76 (6. September, 19 Uhr), Sport-Union Neckarsulm – TuS Metzingen, BSV Sachsen Zwickau – HSG Blomberg-Lippe, Thüringer HC – TSV Bayer 04 Leverkusen (alle 9. September, 18 Uhr), Borussia Dortmund VfL Oldenburg, SV Union Halle Neustadt – HSG Bad Wildungen Vipers (beide 9. September, 19 Uhr), Buxtehuder SV – HSG Bensheim-Auerbach (10. September, 15 Uhr).
TuS Metzingen
Die TuS Metzingen starten am 9. September mit dem Derby bei der Sport-Union Neckarsulm in die neue Saison. Das Team von Trainer Werner Bönsch konnte mit der gebürtigen Ludwigsburgerin Jana Scheib (Bad Wildungen) eine Top-Torjägerin verpflichten.
Sport-Union Neckasulm
Der dritte württembergische Frauen-Bundesligist baut auf den neuen Trainer Thomas Zeitz, der in der vergangenen Saison den Abstieg mit dem VfL Waiblingen nicht verhindern konnte. Er muss neun neue Spielerinnen einbauen, darunter im linken Rückraum die Griechin Anni Zygoura (Paok Saloniki) und Veronika Adryskova (Most) aus Tschechien. (jüf)