James-Brown-Saxofonist aus Remshalden Waldo Weathers ist der „Pope of Funk“

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Sir Waldo Weathers hat 15 Jahre lang für James Brown Musik gemacht und stand mit vielen anderen Weltstars auf der Bühne. Heute lebt er in Remshalden – im Gespräch hat er verraten, wie es dazu kam.

Waldo Weathers ist schon mit zwölf Jahren das erste Mal in einem Club aufgetreten. Foto: Gottfried Stoppel
Waldo Weathers ist schon mit zwölf Jahren das erste Mal in einem Club aufgetreten. Foto: Gottfried Stoppel

Remshalden - Es ist eigentlich kaum zu glauben: Waldo Weathers arbeitet seit mehr als fünf Jahrzehnten als Profimusiker, stand 15 Jahre mit der Soul- und Funklegende James Brown auf der Bühne – und kann keine einzige Note lesen. „Ich habe mich selbst unterrichtet und einfach das gespielt, was ich gehört habe“, erzählt der 67-Jährige. Damit ist der Saxofonist, der sich auch Pope of Funk nennt und in Remshalden (Rems-Murr-Kreis) wohnt, ziemlich weit gekommen.

Als Zwölfjähriger ist er das erste Mal in einem Nachtclub aufgetreten, seitdem ist er im Musikbusiness daheim. Warum es das Saxofon geworden ist? „Das Instrument hat einen weichen, sexy Sound“, sagt Weathers, der nicht nur solo, sondern auch mit seinen Bands Sir Waldo’s Funk Circus und Sir Waldo’s Classical Soul Orchestra auftritt. Bei letzterem stehen unter seiner Leitung 25 Musiker auf der Bühne.

Seine Frau hat er auf einem Luxusliner getroffen – und ist ihr ins Remstal gefolgt

Mittlerweile, so erzählt er, hängt sein Herz aber vor allem an Liebesballaden. „Bei einem Auftritt in Spanien habe ich gesehen, dass eine Frau weint. Ihr Freund hat mir nachher erzählt, dass ich sie mit meiner Musik zum Weinen gebracht habe. Da habe ich eine Gänsehaut bekommen.“ Seitdem habe er das Gefühl, dass er sich bei Liebesballaden am besten ausdrücken könne.

Die Liebe ist auch der Grund, warum der Amerikaner seit acht Jahren in Geradstetten lebt. Seine Frau hat er auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa kennengelernt, auf dem er mehrere Jahre als Headliner spielte. „Außerdem wurde mir von der Sängerin Harriet Lewis ein Job hier angeboten. Da ist beides zusammengekommen“, sagt Waldo Weathers, den es auch nicht mehr zurück in die Vereinigten Staaten zieht. „Seit meine Mutter gestorben ist, gehe ich nicht mehr sehr oft hin“, sagt Weathers, der zwei kleine Kinder hat.

Im vergangenen Dezember habe er wieder einmal seine Geburtsstadt Louisville in Kentucky besucht. „Eigentlich vermisse ich nur das Essen und die Kleidung, den Rest brauche ich nicht. Es gibt zu viel Gewalt. Hier kann ich in einer friedlichen Umgebung leben“, sagt Weathers. Ihm gefällt es in Deutschland sehr gut, auch wenn er noch fast kein deutsches Wort spricht: „Es ist zu schwer. Aber mein Englisch ist auch schlecht. Ich habe spät gemerkt, dass ich eine Lese-Rechtschreib-Schwäche habe.“

Waldo Weathers ist ein Bad Boy mit weichem Herz

Auch seine Auftritte in Deutschland gefallen ihm besser als die in seiner alten Heimat. „Hier bekomme ich mehr Respekt. In den USA müsste ich mich schon auf den Kopf stellen, um anzukommen“, sagt er. Eine Kleinigkeit hat er aber an den Deutschen auszusetzen: „Sie tun sich schwer damit, Spaß zu haben“, sagt Weathers, der aber beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Rems-Murr das scheinbar Unmögliche möglich gemacht hat: „Der Vorsitzende Claus Paal hat mir vorher gesagt, dass ich es nicht schaffe, dass die Männer in ihren Anzügen tanzen. Aber sie haben es gemacht“, sagt er und lacht.

An einem Ort würde Weathers noch gerne auftreten: „Bisher habe ich es nicht geschafft, in Remshalden zu spielen. Man kommt nur an eine Halle, wenn man ein Verein ist“, sagt Weathers, der gerade erst eine neue Single eingespielt hat und auch mit 67 Jahren noch lange nicht an ein Rentnerdasein denkt: „Als Musiker spielst du, bist du stirbst“, sagt er. Ob er denn noch täglich übt? „Ich sollte es eigentlich. Aber ich bin ein Bad Boy“, sagt er und grinst. Ein böser Junge mit großem Herz: „Als ich vom Kinderhospiz gehört habe, wollte ich das sofort unterstützen. Das ist für Eltern wirklich hart, wenn sie wissen, dass ihre Kinder bald sterben.“

Waldo Weathers lädt zum Benefizkonzert für das Kinderhospiz

Programm:Mit seinem Benefizkonzert „Moments of Soul“ am Donnerstag, 20. April, will Waldo Weathers das Kinder- und Jugendhospiz Stuttgart unterstützen. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Phoenixhalle im Stuttgarter Römerkastell. Auf zwei Bühnen treten neben Waldo Weathers rund 15 Künstler und Bands, darunter Ron Williams, Upfunkcoolo, Trevor Jackson, Eric Gauthier und Robeat auf. Michael Gaedt und Bernd Heidelbauer moderieren den Abend. Das Programm dauert bis etwa Mitternacht, für die Kulinarik ist gesorgt. Karten zum Preis von 59 Euro sind beim Eventbüro, Königstraße 30 (Wittwer) erhältlich.

Einrichtung: In Stuttgart entsteht gerade das erste stationäre Kinder- und Jugendhospiz in Baden-Württemberg. Die Einrichtung soll ein Ort werden, an dem schwerstkranke Kinder, aber auch ihre Eltern und Geschwister Kraft schöpfen können. Die Eröffnung ist für diesen Spätherbst geplant.