Krimikolumne

Jim Thompson: „Die Verdammten“ Momente des Unbehagens

Die Suche nach Öl ist ein schmutziges Geschäft – in jeder Hinsicht. Foto: dpa
Die Suche nach Öl ist ein schmutziges Geschäft – in jeder Hinsicht. Foto: dpa

Eigentlich wollte Tom Lord Arzt werden wie sein Vater. Doch dann hat es umständehalber nur zum Deputy Sheriff gereicht. Einem Deputy Sheriff, der seine Interessen durchaus auch mit roher Gewalt durchsetzt . . .

Lokales: Hans Jörg Wangner (hwe)
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Stuttgart - Es ist eine triste Welt, in der dieser Tom Lord lebt. Das Medizinstudium hat er abbrechen müssen, weil sein Vater krank wurde. Und um das Öl auf seinem Land ist er auch betrogen worden. So schlägt er, der intelligente, aber gewalttätige Texaner, sich halt als Deputy Sheriff durchs Leben.

Tödliche Rangelei

Er prügelt Aaron McBride, den Mann, der für die Ölgesellschaft den hinterlistigen Vertrag vermittelt hat, wegen einer Lapalie halb zu Tode. Die Fronten zwischen den beiden sind fortan klar. So ist es kein Wunder, dass es erneut zur offenen Konfrontation kommt, als Lord unter einem Vorwand zur Bohrstelle fährt und dort auf McBride trifft. Es kommt zur Rangelei, an deren Ende McBride erschossen auf dem Boden liegt.

Sehr kunstvoll, sehr ideenreich baut Jim Thompson in „Die Verdammten“ daraus im herben Südstaatenton eine Geschichte, getreu seinem eigenen Motto „die Dinge sind nicht, wie sie scheinen“. Wie die Glassteine im Kaleidoskop kippen immer wieder die Verhältnisse, um ein völlig neues Bild zu ergeben – mit dem großen Unterschied, dass von einem Kaleidoskop (das Wort bedeutet soviel wie „Schönbildschauer“) keine Rede sein kann.

Ganz im Gegenteil. Blut und Gewalt beherrschen jetzt erst recht das Geschehen, zumal McBrides Bohrgesellschaft von der Mafia unterwandert ist. So müssen Lord und McBrides Witwe Donna, zu der er ein ganz merkwürdiges Verhältnis aufbaut, eine Menge durchstehen. Mehr sei aber nicht verraten.

Unfreiwillig komisch

Gesagt werden muss aber, dass es beim Lesen des Buches durchaus Momente des Unbehagens gibt. Teils dürften sie auf die Kappe des Übersetzers Gunter Blank gehen, der mit unnötigen Redundanzen („kleine Äuglein“) arbeitet, mit etwas angestaubten Begriffen („indigniert“, „inbrünstig“) und unfreiwillig komischen Formulierungen („ihre nackten Brüste fielen aus dem zerfetzten Stoff“).

Teils dürfte es aber auch am Autor liegen, der die Dialoge zwischen Tom und Donna mal wie in einer chilischarfen Screwball-Komödie, dann aber wieder wie in einem täppischen Bauerntheater anlegt. So holpert und klappert der Roman an manchen Stellen vor sich hin – im aktuellen Vergleich mit James Lee Burke und Cormac McCarthy kommt der so hochgelobte Klassiker Jim Thompson nicht mit.

Jim Thompson: „Die Verdammten“. Aus dem Englischen von Gunter Blank. Heyne Hardcore, München 2014. Taschenbuch, 304 Seiten, 9,99 Euro. Auch als E-Book, 8,99 Euro.

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