Jugendhäuser im Rems-Murr-Kreis Die Hausaufgabenhilfe kommt per Handy

Aufgaben, Quizspiele und Videoanrufe: das Schorndorfer Jugendhaus nutzt das Smartphone, um  Kontakt zu jungen Leuten zu pflegen. Foto: Gottfried Stoppel
Aufgaben, Quizspiele und Videoanrufe: das Schorndorfer Jugendhaus nutzt das Smartphone, um Kontakt zu jungen Leuten zu pflegen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Jugendhäuser sind wegen Corona geschlossen. Die Ersatzangebote der offenen Jugendarbeit sind vielfältig. Doch digitale Kontakte können nicht alles auffangen.

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Waiblingen - Angesichts geschlossener Jugendeinrichtungen versuchen die Großen Kreisstädte, über digitale Kanäle mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Wie eine Umfrage zeigt, gehen die Bemühungen aber auch darüber hinaus. Recht einfallsreich ist man in Waiblingen. So berichtet die stellvertretende Abteilungsleiterin der Kinder- und Jugendförderung, Peggy Dieterich, von einer ganzen Reihe an alternativen Angeboten: „Für Kinder gibt es beispielsweise die Waiblinger Bastelpause, ein Bastelset, das regelmäßig nach Hause geschickt wird. Kinder, Jugendliche sowie Familien können sich zudem bei einem Actionbound, einer Art digitalen Schnitzeljagd, an der frischen Luft bewegen und Waiblingen neu entdecken.“ Des Weiteren stellt man Freizeitboxen für Kinder zu unterschiedlichen Themen wie Fitness, Garten, Kochen oder Forschen zusammen, bietet Familien an, die Jugendfarm für eine kleine Auszeit vom Alltag zu mieten und verleiht an Jugendliche „Tonstudio-to-go-Boxen“.

In Schorndorf halten derweil die Mitarbeiter des Jugendhauses Altlache per Handy Kontakt mit ihrer jungen Klientel. Über gemeinsame tägliche Quizspiele und Videoanrufe versuchen sie, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, berichtet die Stadtsprecherin Nicole Amolsch. Auch zur Hausaufgabenhilfe werden Handys genutzt. „Die Jugendlichen fotografieren die Aufgaben ab und bearbeiten diese mit den Mitarbeitern per Videokonferenz oder am Telefon“, beschreibt Amolsch.

Kinder sind nicht per Social Media erreichbar

In Fellbach, Winnenden und Backnang setzt man verstärkt auf aufsuchende Jugendarbeit und Streetwork. Auf diese Weise erreiche man etwa 15 bis 20 bekannte Jugendliche und nehme zudem mit neuen Jugendlichen Kontakt auf, gibt die Pressesprecherin der Backnanger Stadtverwaltung, Christine Wolff, die Erfahrungen des Jugendhausleiters weiter. Zum Vergleich: vor Corona besuchten täglich rund 30 Kinder und Jugendliche das örtliche Jugendhaus. Auch andernorts tut man sich schwer, ebenso viele junge Menschen weiterhin zu erreichen. „Vor allem der Kontakt mit den Kindern ist sehr schwer zu halten. Jugendliche erreicht man eher durch Social Media, Kinder eher nicht“, berichtet die Fellbacher Jugendhausleiterin Katharina Fuhrer.

„Auch, wenn neue Formate und Angebote entwickelt und zur Verfügung gestellt werden, bieten diese zwar eine gute Alternative, aber keinen gleichbedeutenden Ersatz“, meint auch Peggy Dieterich zu den in Waiblingen gemachten Erfahrungen. „Eine der wichtigsten Säulen der sozialen Arbeit, die Beziehungsarbeit, kann unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr in ihrer bisherigen Intensität stattfinden. Hierfür ist der persönliche Kontakt vor Ort weiterhin zentral.“ Zudem berichteten die Jugendliche vermehrt von einer „Übersättigung“ an digitalen Angebote in ihrer Alltagsgestaltung. „Der Wunsch nach unverbindlichen und persönlichen Treffen mit Freunden rückt mehr denn je in den Vordergrund.“

Psychische Belastungen nehmen zu

Dass virtuelle Angebote kein adäquater Ersatz sind, zeigt sich auch in Winnenden, wo sich die Jugendlichen ebenfalls laut der örtlichen Jugendhausleitung nach „echten Begegnungen“ sehnten. Zumal sie durch Fernlernunterricht ohnehin meist schon viel am Computer sitzen würden. Doch nicht nur soziale Kontakte werden vermisst. „Es gibt viele Probleme innerhalb der Familien, die psychischen Belastungen der Kinder und Jugendlichen steigen“, berichtet Jugendhausleiterin Fuhrer von ihrer Arbeit in Fellbach. Dazu kommen Probleme mit dem Onlineunterricht. „Die Jugendlichen wünschen sich wieder Präsenzunterricht“, so Wolff.

Vor allem Jugendliche mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund benötigten Hilfe, um ihre Schulaufgaben zu erledigen, gibt Amolsch die Berichte der Mitarbeiter des Schorndorfer Jugendzentrums Hammerschlag weiter: „Außerdem haben die Jugendlichen Zukunftsängste. Erreiche ich einen guten Schulabschluss? Wie geht es nach der Schule weiter?“ Schwierig gestalte sich für Jugendliche auch der Start in die Berufswelt bei Online-Vorstellungsgesprächen mit der Familie im Hintergrund.




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