Käufer für Warenhäuser gefunden Wie geht es mit den Galeria-Standorten weiter?
Galeria Karstadt Kaufhof hat einen Käufer gefunden. Für die aktuell 92 Standorte gibt es jetzt eine entscheidende Frist.
Galeria Karstadt Kaufhof hat einen Käufer gefunden. Für die aktuell 92 Standorte gibt es jetzt eine entscheidende Frist.
Die gute Nachricht zuerst: Für Galeria Karstadt Kaufhof geht es weiter. Die US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners und der Unternehmer Bernd Beetz, der auch Präsident von SV Waldhof Mannheim ist, wollen die insolvente Warenhauskette sanieren. Nach Informationen unserer Zeitung sollen die neuen Eigentümer am Mittwochmittag in Essen vorgestellt werden.
Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ soll Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus bereits am Montag den Gläubigerausschuss informiert haben, dass NRDC und Beetz den Zuschlag bekommen sollen. Die Verträge sollen an diesem Dienstag unterzeichnet werden. Die Gläubigerversammlung soll dann im Mai endgültig über die Übernahme entscheiden.
Doch was geschieht nun mit den Standorten? Derzeit zählt die Warenhauskette 92 Filialen mit 12 800 Beschäftigten. Diese werden aber vorerst noch hoffen und bangen, denn auch am Mittwoch wird es keine Infos darüber geben, welche Standorte die neuen Käufer fortführen wollen und welche nicht. „Die Standorte werden noch bis Ende April verhandelt“, sagte ein Sprecher von Denkhaus unserer Zeitung. Der Insolvenzverwalter, der Anfang April mit der Eröffnung des Verfahrens die Geschäfte übernahm, hat bereits angekündigt, dass „60 plus X“ Filialen übernommen werden sollen. Wie groß dieses X sei, wisse man aber noch nicht. Ein Sprecher betonte, die Maßgabe gelte auch für die neuen Käufer.
Demnach könnte bis zu jede dritte der verbliebenen Filialen schließen. Ob eine Filiale zukunftsfähig ist, hängt neben Umsatz, Besucherfrequenz und Lage vor allem von den Verhandlungen mit den Vermietern hab. „Die Mietverträge werden komplett neu verhandelt“, sagte der Sprecher. „Es kommt darauf an, wer der Vermieter ist und wie gesprächsbereit er ist.“
18 der Standorte gehören der insolventen Signa-Gruppe des österreichischen Ex-Milliardärs René Benko. In diesem Fall verhandeln die Insolvenzverwalter von Galeria und Signa – eine Konstellation, die Verhandlungen besonders schwierig macht. Denkhaus will die Mieten deutlich reduzieren, eine Umsatzmiete von sieben bis elf Prozent ist das Ziel – bei Geschäften, die besonders stark abschneiden, auch etwas mehr. Insbesondere bei den Filialen in den Signa-Immobilien sind die Mieten deutlich höher und liegen in den so genannten Flagship-Stores bei bis zu 30 Prozent.
In der Region Stuttgart gibt es derzeit zwei Filialen der Kaufhauskette – in Stuttgart und Leonberg. Während in der Branche kaum jemand Zweifel am Weiterbestand der Filiale an der Stuttgarter Königsstraße hat, könnte es für Leonberg eng werden. Hier sollte die Filiale eigentlich schon in der vorangegangenen Insolvenz geschlossen werden, wurde aber dann doch weiterbetrieben. Bereits zuvor hatten in der Region die Filialen in Bad Cannstatt, Stuttgart-Eberhardstraße und Esslingen schließen müssen.
In Baden-Württemberg haben auch noch die Standorte in Freiburg (2), Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Lörrach, Mannheim, Offenburg, Singen und Ulm geöffnet.
Denkhaus hatte zuletzt mit zwei Bietern final über den Verkauf verhandelt, wobei das Konsortium aus NRDC und Beets den Zuschlag erhalten hat. NRDC gehört dem Unternehmer Richard Baker. Der 58-Jährige hat auch die Mehrheit an den Warenhausunternehmen Hudson Bay Company (HBC) und Saks Fifth Avenue. Über HBC war er bereits zwischen 2015 und 2019 Eigentümer von Galeria Kaufhof, bevor die Warenhauskette an die Signa-Gruppe verkauft wurde und mit Karstadt fusionierte. Beetz ist Präsident des Fußball-Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Von 2018 bis 2019 war er Aufsichtsratsvorsitzender von Kaufhof.