Kaffee ohne Verpackung aus Stuttgart „Das ist das Nummer-eins-Thema“

Die Schaffer von Earlybird machen sich Gedanken über das Verpackungsmaterial. Foto: Caroline Holowiecki

Das Start-up Earlybird Coffee aus Stuttgart-Sillenbuch will fair, bio und klimaneutral sein – und jetzt auch noch verpackungsfrei. Der Gründer sagt: Weil die Kunden es so wollen.

Sillenbuch - Im Jahr 2015 hat der Sillenbucher Emanuel Vonarx mit einem Mitstreiter Earlybird Coffee gegründet. Heute stehen die Produkte bundesweit bei dm in den Regalen. Die Nische: bio, fair, klimaneutral. Nun kommt das Thema verpackungsfrei hinzu. Der 34-Jährige erklärt, wie das gehen soll.

 

Fair, bio, klimaneutral und nun auch verpackungsfrei. Wie geht das bei Kaffee, Herr Vonarx?

Es war nicht einfach. Neben den eben genannten Themen ist das Verpackungsthema das Nummer-eins-Thema, weswegen Kunden anfragen. Gibt es nicht andere Lösungen, wie soll ich es entsorgen, kann ich das bei euch nicht verpackungsfrei bestellen? Deswegen waren wir in den letzten Jahren immer wieder auf der Suche nach einer besseren Verpackung. Es gibt Anbieter, da geht es Richtung biologisch abbaubare Folie, aber es ist wirklich sehr komplex. Das Aroma ist ein großes Thema, denn am Ende muss der Kaffee schmecken, aber auch das Lebensmittelrecht. Es muss einfach eine ganz sichere Barriere geben. An der Stelle sind wir ewig lang nicht weitergekommen.

Was war die Lösung?

Seit dem 9. Juni liefern wir als eines der ersten Unternehmen Kaffee im Mehrwegsystem an Bürokunden. Wir liefern in Weißblechtonnen. Das ist das Charmante: Weißblech ist zu 100 Prozent recycelbar. Aber wir schätzen, dass wir eine Tonne 100 bis 150 Mal wiederverwenden können, bevor wir sie entsorgen. Wir ersetzen damit etwa 700 herkömmliche Earlybird-Verpackungen. Wir sind jetzt in der Lage, skalierbar komplett verpackungsfrei zu liefern, das heißt wirtschaftlich darstellbar und vor allem in Mengen. Das wird extrem gut angenommen. Wir sind richtig platt! 20 Kunden aus dem Bestand haben schon gewechselt, aber wir haben auch sicher 20 Firmenkunden gewonnen, was in der aktuellen Zeit – wir sind immer noch in der Coronakrise – richtig krass gut ist. Wir haben auch schon einige Unverpacktläden gewonnen, die bisher bisschen Schwierigkeiten hatten, wirklich unverpackten Kaffee zu bekommen. Gemeinsam mit Aramark, dem weltgrößten Cateringunternehmen, pitchen wir aktuell bei einem DAX-Unternehmen. Die wären Großabnehmer.

Das System eignet sich nur für Großkunden. Die Mindestabnahmemenge sind zwei 3,5-Kilo-Eimer Bohnen. Wie sieht es im privaten Bereich aus?

Theoretisch kann das auch eine Privatperson bestellen. Wir haben einen speziellen Karton entwickelt, in dem die Eimer fest stehen, und der fasst eben zwei Eimer. Für die meisten Privathaushalte wird das wahrscheinlich zu viel sein. Wir werden weitergucken, wie wir vielleicht auch mal für sie so ein Mehrwegsystem entwickeln können. Oder wir gehen dann doch über das Verpackungsmaterial selbst und verändern etwas. Wir haben auch schon Sachen getestet, die waren vielversprechend, aber noch nicht reif und für uns auch zu teuer. Aber wir bleiben dran.

Warum der Aufwand?

Das ist einer unserer Werte! Irgendwie gibt es uns auch Motivation. Es würde mir schwerfallen, würde ich so tun, als wäre ich der totale Altruist. Es fühlt sich für mich gut an, es fühlt sich fürs Team gut an, aber am Ende glauben wir auch einfach, dass wir da einen echten Vorteil gegenüber den Großen haben. Die sind so träge, die kriegen das nicht so schnell hin. Sollten wir das schaffen, dass wir auch für Privatkunden so was anbieten können, da würde ich mir auch schon noch mal mehr Geschäft erhoffen. Dann wären wir im kompletten Handel Pioniere.

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